Vertrauen ist eine der am wenigsten sichtbaren, aber wichtigsten Grundlagen demokratischer Gesellschaften. Politische Systeme funktionieren nicht nur durch Verfassungen, Gesetze und Institutionen, sondern auch durch das Vertrauen der Bürger, dass die mit Macht Betrauten im Einklang mit gemeinsamen Normen handeln. Wenn dieses Vertrauen einmal untergraben ist, bricht die Demokratie zwar nicht unbedingt sofort zusammen, doch ihre emotionale Grundlage beginnt zu schwinden. Aus tiefenpsychologischer Perspektive ist Vertrauen kein primär rationales Urteil. Vielmehr handelt es sich um eine emotionale Beziehung, die in frühen Entwicklungserfahrungen verwurzelt ist und später auf gesellschaftliche Institutionen sowie politische Führungspersönlichkeiten projiziert wird. Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung…