Wis­sens­wer­tes über das Gehirn (I)

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Das mensch­li­che Gehirn ist wirk­lich beein­dru­ckend. Es ist die Schalt­zen­trale unse­res Kör­pers. Um es voll­stän­dig zu ver­ste­hen, müs­sen wir wis­sen, wie Neu­ro­nen funk­tio­nie­ren, wie sich das Gehirn ent­wi­ckelt, wie es Bewe­gun­gen steu­ert und Sin­nes­wahr­neh­mun­gen ver­ar­bei­tet, was wäh­rend des Schlafs geschieht und wie Spra­che, Ler­nen und Gedächt­nis ent­ste­hen. Die Tech­no­lo­gie hilft uns end­lich dabei, die Geheim­nisse des Gehirns zu ent­schlüs­seln. Sie erklärt, warum wir so den­ken, wie wir den­ken. Sie ermög­licht die Ent­wick­lung neuer Metho­den und Maschi­nen, um unsere Gehirn­leis­tung zu stei­gern, und ent­hüllt die ein­zig­ar­ti­gen Fähig­kei­ten, die wir alle in unse­ren Köp­fen haben.

Das mensch­li­che Gehirn bil­det die Zen­trale des Ner­ven­sys­tems. Es emp­fängt Signale von den Sin­nes­or­ga­nen und sen­det Infor­ma­tio­nen an die Mus­keln. Es hat die glei­che Grund­struk­tur wie die Gehirne ande­rer Säu­ge­tiere, ist im Ver­hält­nis zur Kör­per­größe jedoch das größte.

In dei­nem Gehirn gibt es etwa 100 Mil­li­ar­den win­zige Zel­len, die als Neu­ro­nen bezeich­net wer­den. Das sind so viele, dass du mehr als 3.000 Jahre brau­chen wür­dest, um sie alle zu zäh­len. Dein Gehirn besteht zu etwa 77 Pro­zent aus Was­ser und hört mit etwa 25 Jah­ren auf zu wach­sen. Das heißt jedoch nicht, dass du dei­nen intel­lek­tu­el­len Höhe­punkt bereits erreicht hast. Das Gehirn eines Erwach­se­nen wiegt etwa 1.350 Gramm. Es macht etwa zwei Pro­zent dei­nes gesam­ten Kör­per­ge­wichts aus und ist der letzte Teil dei­nes Kör­pers, der stirbt.

Im Fol­gen­den fin­dest du noch mehr span­nende und wich­tige Fak­ten über unser kom­ple­xes­tes und wich­tigs­tes Organ.

  • Das Gehirn ist das kom­pli­zier­teste Organ des Men­schen. Es ist die kom­ple­xeste Struk­tur im bekann­ten Uni­ver­sum. Als Teil des Ner­ven­sys­tems koor­di­niert es alle Kör­per­funk­tio­nen.
  • Das Gehirn besteht aus vier gro­ßen Berei­chen: Das Groß­hirn, das Klein­hirn, der Hirn­stamm und das Zwi­schen­hirn. Jeder die­ser Berei­che ist für bestimmte Auf­ga­ben zustän­dig. Sie arbei­ten zusam­men, damit der Kör­per rich­tig funk­tio­niert.
  • Das Groß­hirn macht den größ­ten Teil des Gehirns aus und nimmt mehr als drei Vier­tel des gesam­ten Gehirn­vo­lu­mens ein. Es besteht aus Ner­ven­zel­len und Ner­ven­fa­sern, die Infor­ma­tio­nen im gesam­ten Gehirn und Kör­per wei­ter­lei­ten. Das Groß­hirn steu­ert die höhe­ren Funk­tio­nen wie Ler­nen, Den­ken und Spre­chen sowie die Sinne Sehen und Hören.
  • Unter dem Groß­hirn liegt der zweit­größte Teil des Gehirns, das Klein­hirn. Ähn­lich wie das Groß­hirn ver­fügt es über Ner­ven­zel­len und Ner­ven­fa­sern. Es lei­tet Signale an andere Teile des Gehirns sowie an das Rücken­mark wei­ter. Es ist vor allem für die Steue­rung der Mus­kel­be­we­gun­gen zustän­dig, die zur Auf­recht­erhal­tung des Gleich­ge­wichts und der Kör­per­hal­tung bei­tra­gen.
  • Der dritte Teil des Gehirns ist der soge­nannte Hirn­stamm. Er liegt vor dem Klein­hirn und ver­bin­det das Gehirn mit dem Rücken­mark. Der Hirn­stamm besteht aus meh­re­ren Struk­tu­ren: der Pons, einem mas­si­ven Ner­ven­strang, der sen­so­ri­sche Infor­ma­tio­nen wei­ter­lei­tet, dem Mit­tel­hirn, einem Bereich aus Fasern und Struk­tu­ren, der die Bewe­gungs­steue­rung sowie die Ver­ar­bei­tung von Hör- und Seh­ein­drü­cken unter­stützt, und der Medulla oblon­gata, die moto­ri­sche und sen­so­ri­sche Bah­nen zwi­schen dem Mit­tel­hirn, der Pons und dem Rücken­mark bil­det. Gemein­sam steu­ern die Teile des Hirn­stamms wich­tige Kör­per­funk­tio­nen wie Herz­schlag, Atmung, Ver­dau­ung und Schlaf.
  • Das Zwi­schen­hirn ist der vierte Bereich, der sich über dem Hirn­stamm befin­det und den Kern des Gehirns bil­det. Es ist etwa so groß wie eine Apri­kose und besteht aus meh­re­ren Struk­tu­ren: dem Tha­la­mus, der Infor­ma­tio­nen von allen Sin­nen außer dem Geruchs­sinn ver­ar­bei­tet und wei­ter­lei­tet, sowie dem Hypo­tha­la­mus und der Hypo­physe. Diese bei­den Struk­tu­ren pro­du­zie­ren und regu­lie­ren gemein­sam Neu­ro­che­mi­ka­lien. Sie hel­fen dabei, Emp­fin­dun­gen, die Gewichts­re­gu­lie­rung, die Ener­gie und das instink­tive Ver­hal­ten zu steu­ern.
  • Das Gehirn hat sich so ent­wi­ckelt, dass es sich selbst schüt­zen kann. Ein Bei­spiel hier­für ist die Blut-Hirn-Schranke, eine durch­läs­sige Zell­wand, die nur bestimmte Stoffe aus dem Blut­kreis­lauf ins Gehirn durch­lässt. Trotz­dem kön­nen Erkran­kun­gen des Gehirns wie Tumore oder Demenz lebens­be­droh­lich sein.
  • Das Gehirn schwimmt in einer kla­ren Flüs­sig­keit, die als Rücken­marks­flüs­sig­keit (Liquor) bezeich­net wird. Sie wirkt wie ein Stoß­dämp­fer. Täg­lich wer­den etwa eine halbe Tasse davon pro­du­ziert.
  • Das Gehirn ist von 22 Kno­chen umge­ben, die den Schä­del bil­den. Die­ser umgibt das Gehirn wie eine harte, feste Schutz­hülle.
  • Bereits im Mut­ter­leib beginnt das mensch­li­che Gehirn, Infor­ma­tio­nen zu spei­chern. Ab dem Moment der Emp­fäng­nis durch­läuft es eine unglaub­li­che Ent­wick­lung, die zu einem hoch­ent­wi­ckel­ten Gehirn führt.
  • Wäh­rend des ers­ten Tri­mes­ters der Schwan­ger­schaft ent­ste­hen etwa 250.000 neue Ner­ven­zel­len pro Minute. Ein zwei Mil­li­me­ter lan­ges und sand­korn­gro­ßes Stück Hirn­ge­webe ent­hält etwa 100.000 Ner­ven­zel­len und eine Mil­li­arde Syn­ap­sen.
  • Das mensch­li­che Gehirn besteht zu 60 Pro­zent aus wei­ßer und zu 40 Pro­zent aus grauer Sub­stanz. Graue Sub­stanz ist das dunk­ler gefärbte Gewebe des Gehirns und des Rücken­marks. Sie besteht aus Ner­ven­zel­len, die Infor­ma­tio­nen aus den Sin­nes­or­ga­nen oder ande­ren Berei­chen der grauen Sub­stanz sam­meln und wei­ter­lei­ten. Die weiße Sub­stanz ist Teil des zen­tra­len Ner­ven­sys­tems im Gehirn und im ober­fläch­li­chen Rücken­mark. Sie besteht aus Den­dri­ten und Axo­nen, die ein Netz­werk bil­den. Über die­ses Netz­werk sen­den Neu­ro­nen Signale an den Rest des Kör­pers.
  • Der Super­com­pu­ter K benö­tigte 40 Minu­ten, um eine Sekunde der Akti­vi­tät eines Pro­zent des mensch­li­chen Gehirns zu simu­lie­ren. Trotz der Fort­schritte in der Rechen­leis­tung ist das mensch­li­che Gehirn immer noch 30-mal leis­tungs­fä­hi­ger als die der­zeit leis­tungs­fä­higs­ten Com­pu­ter.
  • Unser Gehirn besteht zu 77–78 % aus Was­ser, zu 10–12 % aus Lipi­den, zu 8 % aus Pro­te­inen, zu 1 % aus Koh­len­hy­dra­ten sowie zu jeweils 2 % aus lös­li­chen orga­ni­schen Stof­fen und anor­ga­ni­schen Sal­zen. Wenn der Kör­per mehr als 2 % sei­nes Gewichts an Was­ser ver­liert, kann dies zu einem Ver­lust der kogni­ti­ven Fähig­kei­ten im Gedächt­nis­be­reich füh­ren.
  • Pro Minute flie­ßen etwa 750 Mil­li­li­ter Blut durch das Gehirn.
  • Da das Gehirn über keine Schmerz­re­zep­to­ren ver­fügt, kann es kei­nen Schmerz emp­fin­den. Was du bei Kopf­schmer­zen spürst, ist also kein Schmerz im Gehirn. In dei­nem Kopf und Nacken befin­den sich Noci­cep­to­ren, die Schmerz wahr­neh­men kön­nen. Sie sind die Ursa­che für Kopf­schmer­zen.
  • Der­zeit ist es unmög­lich, das Spei­cher­po­ten­zial eines Gehirns zu mes­sen. Paul Reber, Pro­fes­sor für Psy­cho­lo­gie an der Nor­thwes­tern Uni­ver­sity im US-Bun­des­staat Illi­nois, schätzt jedoch, dass ein mensch­li­ches Gehirn, ließe es sich in eine Fest­platte ver­wan­deln, 2,5 Peta­byte an Daten spei­chern könnte. Das ent­spricht mehr als 500.000 DVDs.
  • Das Gehirn ist das ein­zige Objekt auf der Welt, das sich selbst betrach­ten kann.
  • Das Gehirn ist der letzte Teil des Kör­pers, der stirbt. Nach dem Tod arbei­tet es noch mehr als zehn Minu­ten wei­ter. Kurz vor dem Tod erhält das Gehirn einen Strom­stoß. Warum das pas­siert, weiß nie­mand. Zudem beginnt es, Sau­er­stoff zu ver­lie­ren. Selbst wenn das Herz auf­hört zu schla­gen, bist du noch etwa zwei bis 20 Sekun­den bei Bewusst­sein. Das liegt daran, dass die Groß­hirn­rinde eine Weile ohne Sau­er­stoff aus­kom­men kann.
  • Wenn ein Mensch wach ist, erzeugt sein Gehirn eine Leis­tung von etwa 12 bis 25 Watt. Das reicht aus, um eine kleine Glüh­birne ein­zu­schal­ten. Ein mensch­li­ches Gehirn erzeugt an einem Tag mehr elek­tri­sche Impulse als alle Tele­fone auf der Welt zusam­men.
  • Wenn dein Gehirn nicht auf eine bestimmte Auf­gabe fokus­siert ist, schal­tet es in den Stan­dard­mo­dus. Viele Auf­ga­ben kannst du fast instink­tiv erle­di­gen, weil du sie schon so oft gemacht hast. Dein Gehirn muss sich nicht dar­auf kon­zen­trie­ren. Es schal­tet also, wo immer mög­lich, in die­sen auto­ma­ti­schen Ent­schei­dungs­mo­dus, um Ener­gie zu spa­ren und dein Bewusst­sein für andere geis­tig anstren­gende Auf­ga­ben frei­zu­ma­chen. Inter­es­san­ter­weise sind wir fast die Hälfte der Zeit in die­sem Auto­pi­lot-Modus. Die­ser scheint von einer Reihe von Gehirn­struk­tu­ren gesteu­ert zu wer­den, die als Stan­dard­mo­dus-Netz­werk bezeich­net wer­den. Dabei han­delt es sich um eine Kon­stel­la­tion ver­schie­de­ner Berei­che in dei­nem Gehirn, die zusam­men­ar­bei­ten und es dei­nem Kör­per ermög­li­chen, auf Auto­pi­lot zu lau­fen.
  • Chro­ni­scher Stress ver­än­dert die Struk­tur und Funk­tion dei­nes Gehirns, was zu psy­chi­schen Pro­ble­men füh­ren kann. Er erhöht den Spie­gel des Stress­hor­mons Cor­ti­sol, was die Gehirn­funk­tion beein­träch­tigt und dich anfäl­li­ger für Stim­mungs­stö­run­gen sowie psy­chi­sche Pro­bleme wie Depres­sio­nen und Angst­zu­stände macht. Ein hoher Spie­gel an Stress­hor­mo­nen kann die Pro­duk­tion neuer Gehirn­zel­len im Hip­po­cam­pus stop­pen. Der Hip­po­cam­pus ist der Teil dei­nes Gehirns, der für das Gedächt­nis zustän­dig ist. Das kann sich nega­tiv auf deine Gedächt­nis­leis­tung aus­wir­ken. Wenn dein Kopf vol­ler Stress ist, kann sich dein Gehirn ent­zün­den.
  • Vor 10.000 Jah­ren hat­ten unsere Vor­fah­ren ein grö­ße­res Gehirn als wir. Um genau zu sein, war es etwa 10 Pro­zent grö­ßer. Das bedeu­tet jedoch nicht, dass sie unbe­dingt schlauer waren als wir. Unser Gehirn wird klei­ner, weil unser gesam­ter Kör­per klei­ner wird. Das hat zur Folge, dass wir ein klei­ne­res Ner­ven­sys­tem haben und uns daher ein leich­te­res, effi­zi­en­te­res Gehirn leis­ten kön­nen.
  • Auch wenn dein Gehirn mit etwa 25 Jah­ren auf­hört zu wach­sen, bedeu­tet das nicht, dass du dei­nen intel­lek­tu­el­len Höhe­punkt bereits erreicht hast. Kogni­tive Ver­än­de­run­gen sind ein lebens­lan­ger Pro­zess. Einige Fähig­kei­ten, wie das Gedächt­nis und die Ver­ar­bei­tungs­ge­schwin­dig­keit, errei­chen ihren Höhe­punkt in den 20ern. In dei­nen 30ern kannst du dich in der Gesich­ter­er­ken­nung und Pro­blem­lö­sung ver­bes­sern, in dei­nen 40ern und 50ern gewinnst du an emo­tio­na­ler Kon­trolle und Empa­thie. Einige wenige Fähig­kei­ten, wie der Wort­schatz, benö­ti­gen sogar noch mehr Zeit und errei­chen ihren Höhe­punkt erst in den 60ern und 70ern. Dein Gehirn ist jetzt zwar aus­ge­reift, doch dein Geist hat noch viel Raum zum Wach­sen. Des­halb soll­test du nie auf­hö­ren zu ler­nen, egal wie alt du bist.
  • Blind zu sein oder nur hören zu kön­nen, kann ver­schie­dene neu­ro­lo­gi­sche Vor­teile mit sich brin­gen. Blinde Men­schen ent­wi­ckeln eine neue Art, ihre Umwelt zu ver­ar­bei­ten. Sie begin­nen gewis­ser­ma­ßen, mit ihren Ohren zu „sehen”. Das mensch­li­che Gehirn ist sehr gut darin, sich an schwie­rige Situa­tio­nen anzu­pas­sen. Die­ser Pro­zess der Umstruk­tu­rie­rung wird Neu­ro­plas­ti­zi­tät genannt. Wenn jemand also nicht sehen kann, sucht das Gehirn auto­ma­tisch nach einer neuen Lösung. Oft ver­netzt es sich neu, um audi­tive statt visu­elle Infor­ma­tio­nen zu ver­ar­bei­ten. Das ist nicht das­selbe wie nor­ma­les Sehen. Aber diese Umstel­lung kann zu erstaun­li­chen Ergeb­nis­sen füh­ren.
  • Das mensch­li­che Gehirn wiegt etwa 1.350 Gramm. Das ent­spricht etwa zwei Pro­zent des gesam­ten Kör­per­ge­wichts. Ange­sichts der Tat­sa­che, wie wich­tig das Gehirn für unse­ren Kör­per ist, ist das wirk­lich wenig.
  • Wie kann ein so klei­nes Organ so viele wich­tige Auf­ga­ben erfül­len? Der eigent­li­che Unter­schied zwi­schen dem Gehirn und dem Rest des Kör­pers liegt nicht in der Größe, son­dern in der Menge an Sau­er­stoff und Blut, die das Gehirn benö­tigt, um rich­tig zu funk­tio­nie­ren. Obwohl es nur zwei Pro­zent dei­nes Gewichts aus­macht, benö­tigt es etwa 20 Pro­zent der Sau­er­stoff­ver­sor­gung dei­nes Kör­pers. Das ist mehr als alle Ske­lett­mus­keln zusam­men.
  • Da das Gehirn sehr viel Blut benö­tigt, sorgt ein kom­pli­zier­tes Gefäß­netz rund um die Uhr dafür, dass alle Berei­che des Gehirns mit Sau­er­stoff ver­sorgt wer­den. Denn wenn ein Bereich nicht genug Blut bekommt, gehen grund­le­gende Funk­tio­nen ver­lo­ren. Einige Men­schen wer­den blind oder müde, andere ver­lie­ren das Gefühl in einem oder meh­re­ren Kör­per­tei­len – fast so, als wären sie gelähmt. Wie viele Blut­ge­fäße braucht es also, um dein Gehirn am Lau­fen zu hal­ten? Du soll­test wis­sen, dass der durch­schnitt­li­che Mensch Hun­derte Kilo­me­ter Blut­ge­fäße im Kopf hat. Sie sind so dünn und eng mit­ein­an­der ver­wo­ben, dass sie in einen viel klei­ne­ren Raum pas­sen. Die For­schung arbei­tet noch daran, die genaue Anzahl der Blut­ge­fäße zu ermit­teln. Schät­zungs­weise beträgt sie 160.000 Kilo­me­ter – das ent­spricht etwa dem Vier­fa­chen der Länge der brei­tes­ten Stelle der Erde. Und das sind die Blut­ge­fäße eines durch­schnitt­lich gro­ßen Men­schen.
  • Jede Aktion im Gehirn beginnt mit einem elek­tri­schen Signal. Einige davon sind ziem­lich lang­sam. Andere rasen mit über 370 km/h durch das Gehirn. Wie schnell ein Signal ist, hängt vor allem davon ab, um wel­che Art von Signal es sich han­delt. Berührst du bei­spiels­weise eine heiße Ober­flä­che, rast die­ses Gefühl mit hoher Geschwin­dig­keit durch dei­nen Kör­per. Es beginnt an den Sin­nes­re­zep­to­ren dei­ner Hand, geht durch dein Rücken­mark und erreicht schließ­lich deine Groß­hirn­rinde. Dort nimmst du wahr, wie heiß die Ober­flä­che ist. Dar­auf­hin schießt ein neues elek­tri­sches Signal durch Gehirn und Kör­per.
  • Du ver­bringst den Groß­teil des Tages mit Nach­den­ken. Unzäh­lige Gedan­ken schie­ßen dir dabei den gan­zen Tag lang durch den Kopf. Aber hat schon ein­mal jemand ver­sucht, sie zu zäh­len? In der For­schung herrscht Unei­nig­keit über die genaue Zahl. Man geht jedoch davon aus, dass der Durch­schnitts­mensch pro Tag etwa 50.000 Gedan­ken hat. Das sind min­des­tens 2.100 Gedan­ken pro Stunde. Die meis­ten davon sind kurz und wie­der­ho­len sich. Das zeigt, dass das Gehirn nie ruht.
  • Mit einem Fett­an­teil von 60 Pro­zent ist das Gehirn das Organ mit dem höchs­ten Fett­an­teil in dei­nem Kör­per. Obwohl es zu den größ­ten Orga­nen gehört, besitzt das Gehirn keine Mus­keln. Dein Kör­per kann viele ver­schie­dene Dinge, aber Fett spei­chern gehört nicht dazu. Das gesamte Fett, das dein Gehirn für seine Leis­tung und Repa­ra­tur benö­tigt, muss daher über die Nah­rung auf­ge­nom­men wer­den. Des­halb raten viele Ernäh­rungs­be­ra­ter dazu, Lebens­mit­tel mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fett­säu­ren zu sich zu neh­men. Diese wich­ti­gen Fette för­dern die Gehirn­ent­wick­lung, beu­gen Krank­hei­ten vor und hal­ten dich geis­tig fit.
  • Die Ent­wick­lung des Gehirns ver­läuft auf ziem­lich selt­same Weise. Bei der Geburt ist es nur etwa ein Vier­tel so groß wie das Gehirn eines Erwach­se­nen. Das ist ziem­lich groß, wenn man bedenkt, wie klein ein Säug­ling ist. Aber wie wir alle wis­sen, gibt es viele Dinge, die ein Baby noch nicht begrei­fen kann. Das liegt daran, dass das Gehirn in ers­ter Linie dar­auf aus­ge­rich­tet ist, das Über­le­ben zu sichern.
  • Das Gehirn wächst nicht gleich­mä­ßig. So ver­dop­pelt es bei­spiels­weise im ers­ten Lebens­jahr seine Größe. Mit drei Jah­ren ist es bereits zu 80 Pro­zent so groß wie das eines Erwach­se­nen. Mit fünf Jah­ren sind es bereits 90 Pro­zent. In die­sen wich­ti­gen Jah­ren bil­det das Gehirn jede Sekunde Mil­lio­nen von Ver­bin­dun­gen. Es lernt alles, von der Erken­nung von Sym­bo­len bis hin zu Ver­hal­tens­wei­sen, die du spä­ter im Leben brau­chen wirst.
  • Wenn du ein Bild siehst, durch­läuft es drei­mal deine Netz­haut. Zunächst gelangt es als Licht zu den Rezep­tor­zel­len, dann wird es als Ner­ven­im­puls durch die erste Bild­ver­ar­bei­tung in der Netz­haut wei­ter­ge­lei­tet und schließ­lich als sol­cher über den Seh­nerv ins Gehirn geschickt. Die­ser Pro­zess dau­ert nur 13 Mil­li­se­kun­den.
  • Warum kannst du dich nicht selbst kit­zeln? Das liegt daran, dass das mensch­li­che Gehirn zwi­schen einer uner­war­te­ten Berüh­rung von außen und einer Berüh­rung durch einen selbst unter­schei­den kann.
  • Die Amyg­dala spielt eine wich­tige Rolle bei der Ver­ar­bei­tung von Emo­tio­nen und Ver­hal­tens­wei­sen, ins­be­son­dere von Angst. Wenn wir etwas Angst­ein­flö­ßen­des sehen oder hören, wird diese Infor­ma­tion sofort an die Amyg­dala wei­ter­ge­lei­tet. Sie sen­det dann Signale an andere Berei­che des Gehirns, bei­spiels­weise an den Hypo­tha­la­mus, um eine Kampf- oder Flucht­re­ak­tion aus­zu­lö­sen.
  • Etwa 90 Minu­ten nach dem Ein­schla­fen gelangst du in die soge­nannte REM-Schlaf­phase. Wäh­rend die­ser Phase ist dein Gehirn sehr aktiv, wäh­rend deine Mus­keln wie gelähmt sind. Deine Atmung und dein Herz­schlag wer­den unre­gel­mä­ßig. Dein Gehirn beginnt, Infor­ma­tio­nen aktiv zu ver­ar­bei­ten und zu spei­chern, sodass du dich nach dem Auf­wa­chen an Dinge erin­nern kannst, die du vor dem Ein­schla­fen gelernt hast. In die­ser Phase beginnst du auch zu träu­men.
  • Die Fähig­keit, meh­rere Dinge gleich­zei­tig zu erle­di­gen, ist eine Illu­sion des Gehirns. Wenn du regel­mä­ßig mul­ti­taskst, springt dein Gehirn ein­fach nur schnell zwi­schen den Auf­ga­ben hin und her. Es sieht dann nur so aus, als wür­dest du meh­rere Dinge gleich­zei­tig erle­di­gen.
  • Men­schen fällt es schwer, beim Spre­chen Augen­kon­takt zu hal­ten, weil es sehr anstren­gend ist, gleich­zei­tig Augen­kon­takt zu hal­ten und nach einem Wort zu suchen. Des­halb unter­bricht das Gehirn den Augen­kon­takt, um sich voll und ganz auf die Suche nach dem pas­sen­den Wort kon­zen­trie­ren zu kön­nen.
  • Der Grund, warum wir unter der Dusche krea­ti­ver sind, ist, dass diese ent­span­nende Tätig­keit das Gehirn dazu bringt, viel Dopa­min aus­zu­schüt­ten. Je mehr Dopa­min aus­ge­schüt­tet wird, desto krea­ti­ver sind wir. Wenn wir ent­spannt sind, nei­gen wir eher dazu, uns auf uns selbst zu kon­zen­trie­ren, wodurch wir tie­fere Zusam­men­hänge erken­nen kön­nen.
  • Es ist ein weit ver­brei­te­ter Irr­glaube, dass das Gehirn Erin­ne­run­gen wie ein Video auf­zeich­net. Tat­säch­lich erstellt es viel­mehr eine Art Schnapp­schüsse der wich­tigs­ten Teile von Ereig­nis­sen. Wenn du dich an ein Ereig­nis erin­nerst, rekon­stru­iert dein Gehirn anhand frü­he­rer Erfah­run­gen und Ver­all­ge­mei­ne­run­gen, was dazwi­schen pas­siert ist.
  • Ab dem 25. Lebens­jahr, wenn du dei­nen Höhe­punkt gerade erreichst, beginnt das Gehirn lang­sam zu schrump­fen – bei Män­nern schnel­ler als bei Frauen.
  • Spie­gel­neu­ro­nen wur­den in den 1990er Jah­ren ent­deckt. Sie sind für Empa­thie zustän­dig. Wenn du also siehst, wie sich jemand weh­tut, wird in dei­nem Gehirn die glei­che Schmerz­re­gion akti­viert und du zuckst zusam­men.
  • Das Gehirn kann sich nur schwer über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­weg kon­zen­trie­ren. Es benö­tigt daher etwa alle 90 Minu­ten eine Pause.
  • Dein Gehirn ver­liert nie die Fähig­keit, zu ler­nen, sich zu ver­än­dern und sich an neue Situa­tio­nen anzu­pas­sen. Es ist äußerst fle­xi­bel und erneu­ert sich stän­dig – je nach­dem, was gerade los ist.
  • Die Bak­te­rien, die in unse­rem Darm leben, kön­nen die Akti­vi­tät von Gehirn­zel­len beein­flus­sen. Was wir essen, hat Ein­fluss auf die Fähig­keit die­ser Bak­te­rien, kleine Mole­küle zu pro­du­zie­ren, von denen einige bis ins Gehirn gelan­gen kön­nen. Diese Mole­küle beein­flus­sen wie­derum die Akti­vi­tät jener Zel­len im Gehirn, die bei der Kon­trolle von Ent­zün­dun­gen und Neu­ro­de­ge­nera­tion eine Rolle spie­len.
  • Pro Sekunde fin­den im Gehirn mehr als 100.000 che­mi­sche Reak­tio­nen statt.
  • Ende des 18. Jahr­hun­derts erlebte die Chir­ur­gie ihren ers­ten ech­ten Fort­schritt. Die Gehirn­chir­ur­gie zählt bis heute zu den kom­pli­zier­tes­ten und ris­kan­tes­ten Ope­ra­ti­ons­ar­ten. Archäo­lo­gen haben Hin­weise dar­auf gefun­den, dass die erste Gehirn­ope­ra­tion bereits in der Stein­zeit durch­ge­führt wurde. Vor über 5.000 Jah­ren führ­ten Men­schen eine Art Tre­pan­a­tion durch, bei der ein Teil des Schä­dels ent­fernt wurde.
  • Wenn du anfängst, etwas Neues zu ler­nen oder eine alte Gewohn­heit zu ändern, sen­dest du im Grunde posi­tive Emo­tio­nen aus. Diese wir­ken in Form von zwei Hor­mo­nen: Dopa­min und Sero­to­nin. Dopa­min ist ein Neu­ro­trans­mit­ter, der die Lust- und Beloh­nungs­zen­tren im Gehirn steu­ert. Sero­to­nin ist ein Neu­ro­trans­mit­ter, der mit Ruhe, Ver­nunft und Gelas­sen­heit in Ver­bin­dung gebracht wird. Es för­dert den Schlaf und lin­dert Ängste, wodurch es deine Emo­tio­nen unter Kon­trolle hält.
  • Dass Diä­ten so schwer sind, hängt auch mit den Vor­gän­gen in dei­nem Gehirn zusam­men. Wenn der Kör­per über einen län­ge­ren Zeit­raum keine Nah­rung bekommt, begin­nen die Ner­ven­zel­len im Gehirn, sich selbst zu zer­le­gen. Die­ser Pro­zess wird Auto­pha­gie genannt und bedeu­tet „Selbst­ver­zehr“. Zwar wird dadurch Ener­gie gelie­fert, es wer­den aber auch Hun­ger­si­gnale aus­ge­löst, die dich dazu brin­gen, schnell etwas zu essen.
  • Träu­men erfor­dert mehr Gehirn­leis­tung als alle Akti­vi­tä­ten, die wir im Wach­zu­stand aus­füh­ren.
  • Warum wei­nen wir, wenn wir sehr glück­lich oder sehr trau­rig sind? Der Hypo­tha­la­mus ist maß­geb­lich an der Ver­ar­bei­tung von Emo­tio­nen betei­ligt. Er löst als Reak­tion auf starke Emo­tio­nen – egal, ob sie posi­tiv oder nega­tiv sind – das Wei­nen aus.
  • Dein Gehirn arbei­tet stän­dig daran, ein Gefühl der Kon­ti­nui­tät in dei­ner Wahr­neh­mung von Zeit und Raum auf­recht­zu­er­hal­ten. Selbst die kleinste Augen­be­we­gung kann dies jedoch stö­ren. Immer wenn du deine Augen schnell von einem Punkt zum ande­ren bewegst, gibt es eine win­zige Unter­bre­chung in dei­ner Sicht. Dein Gehirn gleicht dies aus, indem es dich dazu bringt, die neue Szene einen Bruch­teil län­ger wahr­zu­neh­men. Des­halb sieht es so aus, als würde der Sekun­den­zei­ger einer ana­lo­gen Uhr län­ger als eine Sekunde brau­chen, um sich zu bewe­gen, wenn du zum ers­ten Mal auf die Uhr schaust.

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