Wir nei­gen dazu, Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men eher zu ver­trauen als den rei­chen Eli­ten

Auch wenn uns das viel­leicht nicht bewusst ist, nei­gen wir dazu, Men­schen, die in armen Ver­hält­nis­sen auf­ge­wach­sen sind, mehr zu ver­trauen. Men­schen aus Fami­lien mit mitt­le­rem bis nied­ri­gem Ein­kom­men ver­trauen wir eher als Men­schen aus rei­chen Fami­lien. Doch was genau bringt Men­schen über­haupt dazu, jeman­dem zu ver­trauen?

Ver­trauen in Fremde

Rund 2.000 Per­so­nen nah­men an einer Reihe von Expe­ri­men­ten teil, in denen unter­sucht wurde, wie die soziale Schicht eines Men­schen seine Ver­trau­ens­wür­dig­keit gegen­über Frem­den beein­flusst – egal, ob frü­her oder heute. In einem die­ser Expe­ri­mente spiel­ten die Teil­neh­mer, die als „Ver­trau­ens­per­so­nen“ bezeich­net wur­den, ein Spiel mit ande­ren Per­so­nen, die sie für echt hiel­ten, obwohl sie in Wirk­lich­keit gegen ein fik­ti­ves Pro­fil spiel­ten. Jede Ver­trau­ens­per­son wurde einer „Gruppe“ zuge­ord­net und bat darum, ein per­sön­li­ches Pro­fil aus­zu­fül­len. Anschlie­ßend erhiel­ten sie ein Pro­fil von den ande­ren Mit­glie­dern ihrer Gruppe, wobei es sich jedoch um gefälschte Pro­file han­delte.

Einige die­ser Fake-Pro­file, die als „Trus­tees“ bezeich­net wer­den, gaben an, eine öffent­li­che Schule besucht oder einer Teil­zeit­ar­beit nach­ge­gan­gen zu sein. Dies deu­tet dar­auf hin, dass die Per­son in beschei­de­nen Ver­hält­nis­sen auf­ge­wach­sen ist. Andere Pro­file zeig­ten hin­ge­gen, dass die Per­son eine Pri­vat­schule besucht hat und oft im Som­mer in Europa Urlaub gemacht hat. Dies deu­tet dar­auf hin, dass diese Per­son in pri­vi­le­gier­ten Ver­hält­nis­sen auf­ge­wach­sen ist.

Ver­trau­ens­wür­dig oder nicht ver­trau­ens­wür­dig?

In die­sem spe­zi­el­len Expe­ri­ment erhiel­ten die Teil­neh­mer zehn Lose, mit denen sie zwei 100-Dol­lar-Geschenk­kar­ten gewin­nen konn­ten. Wenn jemand einige sei­ner Lose an eine andere Per­son abgab, erhielt er dafür drei­mal so viele zurück. Der Emp­fän­ger konnte dann einige die­ser Lose an den ursprüng­li­chen Besit­zer zurück­ge­ben. Die Anzahl der abge­ge­be­nen Lose zeigte, wie sehr jemand dem ande­ren ver­traute.

Ein Teil des Expe­ri­ments beschäf­tigte sich mit den Erwar­tun­gen in Bezug auf Ver­trauen. Die Frage lau­tete: „Wenn du die­ser Per­son alle zehn Tickets geben wür­dest, hätte sie 30. Wie viele würde sie dei­ner Mei­nung nach zurück­ge­ben?“

Ein wei­te­res Expe­ri­ment der Stu­die beleuch­tete den sozio­öko­no­mi­schen Hin­ter­grund der fal­schen Spie­ler. Anschlie­ßend bat das For­schungs­team die Teil­neh­mer, die fal­schen Spie­ler nach ihrer Moral zu bewer­ten. Die Ergeb­nisse zeig­ten, dass die Teil­neh­mer dazu neig­ten, Per­so­nen mit einem nied­ri­gen sozio­öko­no­mi­schen Hin­ter­grund für ver­trau­ens­wür­di­ger zu hal­ten. Tat­säch­lich glaub­ten sie jedoch, dass jemand ver­trau­ens­wür­di­ger ist, wenn er in einer nied­ri­gen sozio­öko­no­mi­schen Situa­tion auf­ge­wach­sen ist.

Die Stu­die zeigt, dass die Befrag­ten ein­deu­tig zwi­schen der Kind­heit einer Per­son und ihrer aktu­el­len Situa­tion unter­schei­den. Meis­tens waren sie der Mei­nung, dass Men­schen, die in ärme­ren Ver­hält­nis­sen auf­ge­wach­sen sind, mora­li­scher und ver­trau­ens­wür­di­ger sind. Auch wenn sie manch­mal so taten, als wür­den sie Men­schen aus ärme­ren Ver­hält­nis­sen ver­trauen, glaub­ten sie nicht unbe­dingt, dass diese ihnen die­ses Ver­trauen zurück­ge­ben wür­den.

Ver­trauen auf lange Sicht

Anhand die­ser Ergeb­nisse kön­nen Men­schen in Situa­tio­nen, in denen Ver­trauen wich­tig ist, ver­su­chen, stra­te­gi­scher vor­zu­ge­hen. Wenn du bei­spiels­weise immer reich warst, soll­test du deine Ver­gan­gen­heit viel­leicht nicht so sehr beto­nen, son­dern dich auf die Gegen­wart kon­zen­trie­ren. Hat­test du hin­ge­gen immer finan­zi­elle Pro­bleme, könnte es von Vor­teil sein, deut­lich zu machen, dass du aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen kommst.

Die Stu­die hat aller­dings nicht gezeigt, ob Men­schen mit weni­ger Geld tat­säch­lich ver­trau­ens­wür­di­ger sind als Men­schen mit viel Geld, obwohl die Befrag­ten eher den Men­schen mit weni­ger Geld ver­trau­ten.

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