Was dei­nem Gehirn fehlt, wenn du drin­nen bleibst

Die meis­ten Men­schen in Deutsch­land und der gesam­ten EU ver­brin­gen fast 90 Pro­zent ihrer Zeit in Innen­räu­men. Wir arbei­ten drin­nen. Wir ent­span­nen uns drin­nen. Selbst Sport fin­det in Gebäu­den statt. Man könnte mei­nen, Innen­räume seien neu­tral und ein­fach der Hin­ter­grund unse­res moder­nen Lebens. Doch das sind sie nicht.Wo wir unsere Zeit ver­brin­gen, hat Ein­fluss auf die Funk­ti­ons­weise unse­res Gehirns. Auf­merk­sam­keit, Stim­mung, Schlaf und geis­tige Klar­heit reagie­ren auf Umwelt­si­gnale. In der Geschichte der Mensch­heit stamm­ten diese Signale zumeist aus der Natur.

Im Laufe des Tages ver­än­dert sich das Son­nen­licht. Die Tem­pe­ra­tu­ren schwan­ken. Men­schen bewe­gen sich durch unter­schied­li­ches Gelände. Fri­sche Luft und natür­li­ches Licht sind stän­dige Beglei­ter im All­tag.

In Innen­räu­men feh­len viele die­ser Reize. Die Licht­ver­hält­nisse blei­ben gleich. Die Luft wird kon­trol­liert. Bild­schirme erfor­dern lange Pha­sen kon­zen­trier­ter Auf­merk­sam­keit. Bewe­gung nimmt ab.

Mit der Zeit spürt das Gehirn diese Ver­än­de­run­gen.

Auf­merk­sam­keit braucht Zeit zur Erho­lung

Viele Men­schen stel­len fest, dass sie nach einem Auf­ent­halt im Freien kla­rer den­ken kön­nen. Diese Erfah­rung wird durch Stu­dien der Umwelt­psy­cho­lo­gie bestä­tigt. Natür­li­che Umge­bun­gen tra­gen dazu bei, die ziel­ge­rich­tete Auf­merk­sam­keit wie­der­her­zu­stel­len. Diese men­tale Anstren­gung ist für Kon­zen­tra­tion, Ent­schei­dungs­fin­dung und Pro­blem­lö­sung erfor­der­lich.

In Innen­räu­men ist meist das Gegen­teil der Fall. Benach­rich­ti­gun­gen, E‑Mails, Mee­tings und Bild­schirme for­dern unsere Auf­merk­sam­keit stän­dig. Natür­li­che Umge­bun­gen fes­seln die Auf­merk­sam­keit dage­gen auf eine ruhi­gere Weise. Der Anblick von Bäu­men, Was­ser oder wech­seln­dem Licht erfor­dert kaum geis­tige Anstren­gung. Das Gehirn bleibt wach, ohne sich über­an­strengt zu füh­len. Schon ein kur­zer Spa­zier­gang im Freien kann die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit ver­bes­sern.

Licht beein­flusst die Stim­mung und den Schlaf

Licht ist eines der stärks­ten Signale, die der Kör­per täg­lich emp­fängt. Natür­li­ches Tages­licht trägt zur Regu­lie­rung des zir­ka­dia­nen Rhyth­mus bei und beein­flusst Boten­stoffe im Gehirn, die für Stim­mung und Wach­heit ver­ant­wort­lich sind. Wenn Men­schen den Groß­teil des Tages in Innen­räu­men unter künst­li­chem Licht ver­brin­gen, wer­den diese Signale abge­schwächt.

Stu­dien haben gezeigt, dass eine redu­zierte Tages­licht­ex­po­si­tion mit Schlaf­stö­run­gen und Stim­mungs­schwan­kun­gen ein­her­geht. Zeit im Freien zu ver­brin­gen, stärkt die innere Uhr des Kör­pers. Für viele Men­schen ist die ein­fachste und zugleich älteste Maß­nahme zur Ver­bes­se­rung des Schlafs, mehr Tages­licht zu tan­ken.

Bewe­gung unter­stützt die Gesund­heit des Gehirns

Auch in Innen­räu­men ist die Bewe­gungs­frei­heit ein­ge­schränkt. Das moderne Leben ist geprägt von sit­zen­den Tätig­kei­ten. Schreib­ti­sche, Bild­schirme und Autos hal­ten den Kör­per über lange Zeit­räume hin­weg in Ruhe. Dabei pro­fi­tiert das Gehirn von regel­mä­ßi­ger Bewe­gung. Kör­per­li­che Akti­vi­tät för­dert die Durch­blu­tung, unter­stützt das Gedächt­nis und ver­bes­sert die exe­ku­ti­ven Funk­tio­nen.

Die Natur regt diese Bewe­gung auf natür­li­che Weise an. Das Gehen auf unebe­nem Gelände, die Anpas­sung an das Ter­rain oder ein­fach die Bewe­gung in der freien Natur akti­vie­ren den Kör­per. Es ist eine Bewe­gung, die sich natür­lich und nicht erzwun­gen anfühlt.

Kleine Gewohn­hei­ten im Freien zäh­len. Um die Vor­teile der Natur zu genie­ßen, muss man nicht auf moder­nes Leben ver­zich­ten. Schon kleine Ver­än­de­run­gen kön­nen viel bewir­ken.

  • Beginne den Mor­gen mit natür­li­chem Licht
  • Gehe in den Pau­sen nach drau­ßen.
  • Mache tags­über kurze Spa­zier­gänge.

Ver­bringe nach Mög­lich­keit Zeit in Parks oder Grün­an­la­gen. Bereits 10 bis 15 Minu­ten im Freien kön­nen hel­fen, die Kon­zen­tra­tion zu rege­ne­rie­ren und die Stim­mung zu ver­bes­sern.

Eine ein­fa­che Lösung

Für mehr geis­tige Klar­heit braucht es manch­mal kein neues Pro­duk­ti­vi­täts­sys­tem oder eine kom­pli­zierte Well­ness-Rou­tine. Oft reicht es, etwas wie­der­zu­ent­de­cken, das die Mensch­heit seit jeher besitzt: Zeit im Freien.

Latest articles

Related articles

spot_img