Warum Popu­lis­mus attrak­tiv ist

Poli­ti­sche Beob­ach­ter sind sich einig, dass welt­weit eine Welle des Popu­lis­mus auf dem Vor­marsch ist. Ob in Europa, Ame­rika, dem Nahen Osten oder Asien – popu­lis­ti­sche Poli­ti­ker wie Marine Le Pen, Matteo Sal­vini, Rodrigo Duterte, Javier Milei oder Donald Trump genie­ßen der­zeit große Unter­stüt­zung. Im Jahr 2017 gewann die Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) 12,6 % der Stim­men und zog mit 94 Sit­zen in den Bun­des­tag ein, heute liegt sie bei 20,8 %. In Öster­reich erzielte die Frei­heit­li­che Par­tei Öster­reichs (FPÖ) bei den Natio­nal­rats­wah­len 2024 28,8 % der Stim­men. In Ita­lien wurde die Anti-Estab­lish­ment-Bewe­gung „Fünf-Sterne-Bewe­gung” zur größ­ten Par­tei des Lan­des, wäh­rend die ein­wan­de­rungs­feind­li­che Lega von 4 % auf 18 % sprang und zur domi­nie­ren­den rech­ten Kraft wurde. Dies sind nur einige der poli­ti­schen Ereig­nisse, die welt­weit zu einem Auf­stieg popu­lis­ti­scher Kräfte geführt haben, bei­spiels­weise in Russ­land, Polen, der Tür­kei und Ungarn.Übersetzt mit DeepL.com (kos­ten­lose Ver­sion).

In ihren Kom­men­ta­ren zu die­sen Ereig­nis­sen haben Exper­ten dar­auf hin­ge­wie­sen, dass popu­lis­ti­sche Poli­tik die seit dem Zwei­ten Welt­krieg bestehende neo­li­be­rale Welt­ord­nung bedroht und gefähr­li­che Span­nun­gen und Zwie­tracht in die inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen bringt. Die aktu­elle Welle des Popu­lis­mus könnte also durch­aus eine Bewe­gung von his­to­ri­scher Bedeu­tung dar­stel­len. Aber was genau ist Popu­lis­mus? Was ist das Geheim­nis sei­ner Anzie­hungs­kraft? Schauen wir uns das ein­mal an.

Defi­ni­tion von Popu­lis­mus

Der Popu­lis­mus bezieht sich auf eine „dünne“, ober­fläch­li­che Ideo­lo­gie, die eine große Kluft zwi­schen Volk und Elite dar­stellt. Die popu­lis­ti­sche Erzäh­lung ist stark wert­ge­la­den. Beein­flusst von der Roman­tik des 19. Jahr­hun­derts stellt sie das Volk in äußerst schmei­chel­haf­ten Begrif­fen dar: Es ist rein, gütig, ver­trau­ens­voll (wenn auch naiv). Die Eli­ten hin­ge­gen wer­den als aus­beu­te­risch, kor­rupt und unmo­ra­lisch beschrie­ben. Ihnen wird vor­ge­wor­fen, das Volk zu unter­drü­cken und ihm zu scha­den. Somit for­dert die popu­lis­ti­sche Erzäh­lung das Volk auf, sich gegen die Eli­ten zu erhe­ben und sie im Inter­esse von Gerech­tig­keit und Fair­ness zu stür­zen.

Typi­scher­weise rich­tet sich Popu­lis­mus an eine bestimmte soziale Gruppe, bei­spiels­weise eine Nation, eine eth­ni­sche Gruppe oder eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft. Die Mit­glie­der die­ser Gruppe bil­den das „Volk“: Ein­woh­ner eines Staa­tes, Ange­hö­rige der­sel­ben eth­ni­schen Gruppe oder Glau­bens­ge­nos­sen. Die „Eli­ten“ hin­ge­gen wer­den in ver­schie­de­nen popu­lis­ti­schen Nar­ra­ti­ven unter­schied­lich cha­rak­te­ri­siert. Im ame­ri­ka­ni­schen Kon­text ist das „Washing­to­ner Estab­lish­ment“ seit lan­gem die böse Elite schlecht­hin, den „Sumpf“, den Trump tro­cken­le­gen will. In ande­ren popu­lis­ti­schen Reden sind die ver­ach­te­ten Eli­ten unter­schied­lich: „die Bun­des­re­gie­rung“, der „mili­tä­risch-indus­tri­elle Kom­plex“, „die Kapi­ta­lis­ten“, „die Groß­ban­ken“, „die Intel­lek­tu­el­len der Ost­küste“ und so wei­ter.

Eine typi­sche popu­lis­ti­sche Erzäh­lung ist auf­wieg­le­risch. Sie behaup­tet, die Eli­ten hät­ten das Volk ver­ra­ten. Von jeder Regie­rungs­form (ein­schließ­lich der Mon­ar­chie) wird schließ­lich erwar­tet, dass sie ihre „Herde“ zuver­läs­sig hütet, sie schützt und für ihre Bedürf­nisse sorgt. Ver­säumt sie dies, bedeu­tet dies einen Ver­stoß gegen ihre hei­lige Mis­sion und ist ein Grund für ihre Abset­zung und Erset­zung – sei es auf fried­li­chem Wege oder auf andere Weise.

Die Wur­zeln des Popu­lis­mus

Ein gro­ßes Rät­sel des Popu­lis­mus, das Wis­sen­schaft­ler zu lösen ver­sucht haben, ist die Frage nach sei­nen Ursa­chen. Zen­trale Frage in die­sem Zusam­men­hang war, was Men­schen an popu­lis­ti­schen Ideo­lo­gien reizt und warum. Die dies­be­züg­lich auf­ge­stell­ten Hypo­the­sen kon­zen­trier­ten sich vor allem auf die Frus­tra­tio­nen und Beschwer­den von Men­schen, die sich selbst als „das Volk“ iden­ti­fi­zie­ren und die Eli­ten als ihre Kri­ti­ker sowie die Ursa­che ihres Leids betrach­ten. Zu den häu­fig genann­ten Pro­ble­men gehör­ten wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten, poli­ti­sche Res­sen­ti­ments, eth­ni­sche Riva­li­tä­ten, die Flücht­lings­krise und geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen.

Es wurde bei­spiels­weise fest­ge­stellt, dass popu­lis­ti­sche Ein­stel­lun­gen mit einer durch emp­fun­dene Unge­rech­tig­keit (d. h. rela­tive Benach­tei­li­gung) und schnelle kul­tu­relle Ver­än­de­run­gen, die die Stel­lung des Ein­zel­nen in der Gesell­schaft bedro­hen, geschür­ten Unzu­frie­den­heit zusam­men­hän­gen. Die Unter­stüt­zung für den Popu­lis­mus wird durch eine von poli­ti­scher Pro­pa­ganda geschürte Stim­mung gegen Immi­gran­ten ange­trie­ben. In die­sem Zusam­men­hang wurde fest­ge­stellt, dass die Unter­stüt­zung für den popu­lis­ti­schen, radi­ka­len rech­ten Flü­gel eher in Gemein­den mit einem mode­ra­ten Anteil an Aus­län­dern auf­tritt, ins­be­son­dere von bestimm­ten, stig­ma­ti­sier­ten Min­der­hei­ten, die den Sta­tus der ursprüng­li­chen Mehr­heit ver­mut­lich bedro­hen. Die Unter­stüt­zung für eine ein­wan­de­rungs­feind­li­che Poli­tik scheint auf der Angst der Men­schen vor wirt­schaft­li­cher Ver­drän­gung sowie auf kul­tu­rel­len Beden­ken hin­sicht­lich einer poten­zi­el­len Bedro­hung der seit Lan­gem eta­blier­ten kul­tu­rel­len Iden­ti­tä­ten durch Ein­wan­de­rer zu beru­hen.

Im Mit­tel­punkt der Theo­rie von Ingle­hart und Nor­ris steht die Bedro­hung der kul­tu­rel­len Iden­ti­tät. Sie betrach­ten Popu­lis­mus als Reak­tion auf einen pro­gres­si­ven Wer­te­wan­del, zu dem bei­spiels­weise Kos­mo­po­li­tis­mus und Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus gehö­ren. Gemäß die­ser Logik könn­ten sich Mit­glie­der einer ehe­mals domi­nan­ten Gruppe (z. B. Weiße) durch einen Wer­te­wan­del bedroht füh­len, der ihren einst hohen sozia­len Sta­tus her­ab­setzt. Sie könn­ten sich daher hin­ter einem Tra­di­tio­na­lis­mus ver­sam­meln, der ver­spricht, die­sen Trend umzu­keh­ren und ihre frü­here „Größe” wie­der­her­zu­stel­len.

Mit der Bedro­hung des Sta­tus ist eng ver­bun­den die wahr­ge­nom­mene Gefahr für das wirt­schaft­li­che Wohl­erge­hen der Men­schen, die den Popu­lis­mus befeu­ern kann. Diese These wird durch die Tat­sa­che gestützt, dass die Unter­stüt­zung für radi­kale rechte Par­teien in West­eu­ropa bei Per­so­nen mit wirt­schaft­li­chen Pro­ble­men (d. h. Arbeits­lo­sen und Gering­ver­die­nern) deut­lich stär­ker aus­fiel.

Trotz des all­ge­mei­nen Wirt­schafts­wachs­tums in den west­li­chen Län­dern hat nur ein klei­ner Pro­zent­satz der Bevöl­ke­rung davon pro­fi­tiert. Dies hat zu einer wach­sen­den wirt­schaft­li­chen Ungleich­heit zwi­schen den sozio­öko­no­mi­schen Klas­sen geführt. Diese zuneh­mende Ungleich­heit hat die Kluft zwi­schen „Gewin­nern” und „Ver­lie­rern” sowie das Gefühl wirt­schaft­li­cher Unsi­cher­heit und rela­ti­ver Benach­tei­li­gung unter Letz­te­ren ver­schärft.

Dies schürte Res­sen­ti­ments und die For­de­rung nach Aner­ken­nung. In die­sem Zusam­men­hang wird argu­men­tiert, dass der Auf­stieg des Popu­lis­mus dar­auf zurück­zu­füh­ren ist, dass sich die Bür­ger von den Poli­ti­kern igno­riert füh­len und mit der poli­ti­schen Lage in ihrem Land unzu­frie­den sind. Kurz gesagt: Popu­lis­mus wurde unter Bezug­nahme auf Fak­to­ren unter­sucht und erklärt, die mit kul­tu­rel­len, wirt­schaft­li­chen oder poli­ti­schen Frus­tra­tio­nen zusam­men­hän­gen.

Obwohl die bis­he­ri­gen Stu­dien zum Popu­lis­mus auf­schluss­reich und infor­ma­tiv sind, haben sie den Merk­ma­len, die popu­lis­ti­sche Nar­ra­tive für frus­trierte Men­schen attrak­tiv machen, nur wenig Auf­merk­sam­keit geschenkt. Ange­sichts der Viel­zahl von Frus­tra­tio­nen, die Men­schen zum Popu­lis­mus trei­ben, stel­len sich daher fol­gende Fra­gen:

Das Ver­spre­chen von Gewiss­heit und Würde

Umfang­rei­che For­schun­gen zei­gen, dass das Erle­ben von rela­ti­ver Benach­tei­li­gung, Sta­tus­ver­lust und wirt­schaft­li­chem Druck nega­tive Gefühle her­vor­ruft. Die tie­fe­ren Fra­gen, die sich dabei stel­len, sind: Warum sind gerade diese Miss­stände frus­trie­rend? Und warum ist Popu­lis­mus ein Mit­tel, um die­sen Frus­tra­tio­nen zu begeg­nen?

Men­schen haben eine Reihe von Grund­be­dürf­nis­sen. Alle ihre Ziele sind letzt­lich auf die Befrie­di­gung die­ser Bedürf­nisse aus­ge­rich­tet. Wel­che kon­kre­ten Ziele ver­folgt wer­den, hängt dabei vom kul­tu­rel­len Kon­text und den Umstän­den ab. So kann der Ver­such, den Hun­ger zu stil­len, in einem moder­nen städ­ti­schen Umfeld bei­spiels­weise darin bestehen, einen Tisch in einem Restau­rant zu reser­vie­ren oder etwas zu bestel­len, wäh­rend er in einer Jäger- und Samm­ler­ge­sell­schaft darin bestehen kann, auf die Jagd zu gehen.

Die Vor­stel­lung von einer fes­ten Reihe uni­ver­sel­ler mensch­li­cher Bedürf­nisse hat eine lange und bewegte Geschichte in der Psy­cho­lo­gie und den Lebens­wis­sen­schaf­ten. Wäh­rend sich Can­non 1932 bekannt­lich auf grund­le­gende bio­lo­gi­sche Funk­tio­nen kon­zen­trierte, die Men­schen und andere Lebe­we­sen zu befrie­di­gen suchen, pos­tu­lier­ten Psy­cho­lo­gen eben­falls eine Reihe psy­cho­ge­ner Bedürf­nisse, die als grund­le­gend und uni­ver­sell ange­se­hen wur­den. In die­sem Sinne wurde vor­ge­schla­gen, dass Kom­pe­tenz, Auto­no­mie und Ver­bun­den­heit die uni­ver­sel­len psy­cho­ge­nen Bedürf­nisse dar­stel­len. Dafür wur­den Belege gefun­den. Hig­gins schlug vor, dass die Bedürf­nisse nach Wahr­heit, Wert und Kon­trolle grund­le­gend sind. Fiske wie­derum führte ein BUCKET grund­le­gen­der Bedürf­nisse ein (Zuge­hö­rig­keit, Ver­ständ­nis, Kon­trolle, Ver­bes­se­rung und Ver­trauen usw.).

Die Annahme, dass allen mensch­li­chen Zie­len grund­le­gende Bedürf­nisse zugrunde lie­gen, wirft die Frage auf, wel­che Grund­be­dürf­nisse beim Popu­lis­mus eine Rolle spie­len und seine Nar­ra­tive für Mil­lio­nen Men­schen welt­weit so attrak­tiv machen. Meine wis­sen­schaft­li­che Hypo­these hierzu lau­tet, dass die bei­den Grund­be­dürf­nisse, die den Popu­lis­mus attrak­tiv machen, das Bedürf­nis nach Sicher­heit und das Bedürf­nis nach Würde sind – oder, wie wi es an ande­rer Stelle bezeich­net haben, das Bedürf­nis nach kogni­ti­ver Geschlos­sen­heit bzw. das Bedürf­nis nach Bedeu­tung. Letz­te­res umfasst die indi­vi­du­elle Bedeu­tung, die in den per­sön­li­chen Miss­erfol­gen und Erfol­gen eines Men­schen begrün­det ist, sowie die kol­lek­tive Bedeu­tung, die sich aus den Miss­erfol­gen und Erfol­gen der sozia­len Gruppe eines Men­schen ergibt.

Die Annahme, dass allen mensch­li­chen Zie­len grund­le­gende Bedürf­nisse zugrunde lie­gen, wirft die Frage auf, wel­che Grund­be­dürf­nisse beim Popu­lis­mus eine Rolle spie­len und seine Nar­ra­tive für Mil­lio­nen Men­schen welt­weit so attrak­tiv machen. Meine wis­sen­schaft­li­che Hypo­these hierzu lau­tet, dass die bei­den Grund­be­dürf­nisse, die den Popu­lis­mus attrak­tiv machen, das Bedürf­nis nach Sicher­heit und das Bedürf­nis nach Würde sind. An ande­rer Stelle bezeichne ich diese auch als Bedürf­nis nach kogni­ti­ver Geschlos­sen­heit bzw. Bedürf­nis nach Bedeu­tung. Letz­te­res umfasst die indi­vi­du­elle Bedeu­tung, die in den per­sön­li­chen Miss­erfol­gen und Erfol­gen eines Men­schen begrün­det ist, sowie die kol­lek­tive Bedeu­tung, die sich aus den Miss­erfol­gen und Erfol­gen der sozia­len Gruppe eines Men­schen ergibt.

Es gibt meh­rere Gründe, warum die Bedürf­nisse nach Gewiss­heit und Bedeu­tung im Zusam­men­hang mit dem Popu­lis­mus als so über­aus wich­tig erach­tet wer­den.

  • Diese Bedürf­nisse sind inso­fern „grund­le­gend“, als sie in den meis­ten wich­ti­gen Klas­si­fi­ka­tio­nen psy­cho­ge­ner Bedürf­nisse impli­zit ent­hal­ten sind. So umfasst bei­spiels­weise Maslows Taxo­no­mie von 1943 die Bedürf­nisse nach Selbst­ach­tung und Selbst­ver­trauen, Fis­kes Schema die Bedürf­nisse nach Selbst­ver­bes­se­rung und Ver­ständ­nis und Hig­gins die Werte (ein­schließ­lich Sta­tus und Pres­tige) sowie die Wahr­heit. All diese Bedürf­nisse ent­spre­chen in der einen oder ande­ren Weise dem Bedürf­nis nach Bedeu­tung und Gewiss­heit.
  • Diese bei­den Bedürf­nisse erfas­sen die meis­ten der von Wis­sen­schaft­lern auf­ge­führ­ten Anlie­gen, die als Ursa­chen für Unzu­frie­den­heit und Frus­tra­tion gel­ten und Men­schen zum Popu­lis­mus trei­ben sol­len. So lässt sich bei­spiels­weise leicht erken­nen, dass der tief­grei­fende kul­tu­relle Wan­del eine beun­ru­hi­gende Unsi­cher­heit wider­spie­gelt, wel­che das der­zeit pos­tu­lierte Stre­ben nach Gewiss­heit befeu­ern könnte. Die wirt­schaft­li­chen Bedro­hun­gen und Gefah­ren für den Sta­tus und die posi­tive Iden­ti­tät sowie der Begriff der rela­ti­ven Benach­tei­li­gung erin­nern unmit­tel­bar an das der­zeit pos­tu­lierte Bedürf­nis nach per­sön­li­cher Bedeu­tung und Wich­tig­keit, wel­ches durch wirt­schaft­li­che und kul­tu­relle Bedro­hun­gen gefähr­det ist.
  • Popu­lis­ti­sche Nar­ra­tive wei­sen über Kul­tu­ren und his­to­ri­sche Epo­chen hin­weg eine uni­ver­selle Struk­tur auf. Sie sind ein­fach, unein­ge­schränkt und ver­mit­teln daher Sicher­heit. Sie bie­ten Empower­ment und ver­spre­chen einen Weg zu Bedeu­tung und Würde. Typi­scher­weise sind sol­che Nar­ra­tive manich­äi­scher Natur: Sie stel­len die guten Men­schen dar, die von der bösen Elite aus­ge­beu­tet wer­den, und for­dern poli­ti­sche Maß­nah­men, um die Elite zu stür­zen und ihre Macht zu über­neh­men.

Fazit

Popu­lis­mus ist ein gesell­schaft­li­ches Phä­no­men mit erheb­li­chen poli­ti­schen Aus­wir­kun­gen. Aus die­sem Grund ist er für Sozi­al­wis­sen­schaft­ler, die sich mit Bewe­gun­gen und Ent­wick­lun­gen auf Makro­ebene befas­sen, von beson­de­rem Inter­esse. In gewis­ser Weise hat Popu­lis­mus jedoch seine Wur­zeln in indi­vi­du­el­len Ent­schei­dun­gen und Prä­fe­ren­zen, sodass die end­gül­tige Ant­wort auf seine Ursa­chen in der indi­vi­du­el­len Psy­cho­lo­gie zu suchen ist.

Alle gesell­schaft­li­chen Phä­no­mene sind Phä­no­mene der mensch­li­chen Natur. Das bedeu­tet jedoch nicht, dass wirt­schaft­li­che, sicher­heits­po­li­ti­sche und kul­tu­relle Bedro­hun­gen keine Rolle spie­len. Es gibt sogar starke Hin­weise dar­auf, dass sie eine Rolle spie­len. Sie tun dies jedoch durch die Akti­vie­rung grund­le­gen­der psy­cho­lo­gi­scher Bedürf­nisse. Schließ­lich sind all unsere Ent­schei­dun­gen, sei es poli­ti­scher oder ande­rer Art, moti­viert. Die Frage ist also, wel­che mensch­li­chen Moti­va­tio­nen durch wirt­schaft­li­che oder kul­tu­relle Bedro­hun­gen akti­viert wer­den, die oft als Erklä­rung für Popu­lis­mus her­an­ge­zo­gen wer­den.

Es gibt zwei indi­vi­du­elle Moti­va­tio­nen, die durch Trends und Ent­wick­lun­gen auf gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Ebene aus­ge­löst wer­den kön­nen: das Bedürf­nis nach Sicher­heit und Abschluss sowie das Bedürf­nis nach Bedeu­tung und Wich­tig­keit.

  • Das Bedürf­nis nach Sicher­heit und Abschluss wird durch bedeu­tende Ver­än­de­run­gen geweckt, die den Ein­zel­nen ange­sichts des Unbe­kann­ten ver­wir­ren. Bei­spiele hier­für sind die Rezes­sion von 2008, Glo­ba­li­sie­rungs­trends, die „Flücht­lings­krise” und die bei­spiel­lose Ein­wan­de­rungs­welle, wel­che die Demo­gra­fie der Gesell­schaf­ten welt­weit ver­än­dert haben.
  • Das Stre­ben nach Bedeu­tung wird durch den tat­säch­li­chen oder erwar­te­ten Ver­lust an Bedeu­tung aus­ge­löst, den die gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen mit sich brin­gen. Bei­spiele hier­für sind, von den Kräf­ten der Glo­ba­li­sie­rung abge­hängt zu wer­den oder die eigene kul­tu­relle Iden­ti­tät als Nach­komme einer alt­ehr­wür­di­gen Tra­di­tion durch „Hor­den” von Aus­län­dern gefähr­det zu sehen, die die­ses Erbe aus­zu­lö­schen dro­hen, indem sie neue Kul­tu­ren und Reli­gio­nen schaf­fen, sodass man sich in sei­nem eige­nen Land wie ein Frem­der fühlt.

Der Grund, warum popu­lis­ti­sche Nar­ra­tive bei der Öffent­lich­keit heut­zu­tage so gro­ßen Anklang fin­den, liegt darin, dass sie diese zwei Grund­be­dürf­nisse erfül­len. Sie sind ver­ein­fa­chend und dicho­tom, ver­mit­teln Bedeu­tung und bie­ten Empower­ment. Auch wenn sich die ver­schie­de­nen For­men des Popu­lis­mus inhalt­lich unter­schei­den, offen­ba­ren sie im Grunde doch eine iden­ti­sche Kern­dy­na­mik. Diese lässt sich anhand der Reso­nanz auf Unsi­cher­heit und Ent­mach­tung (Bedeu­tungs­ver­lust) beschrei­ben.

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