Warum kön­nen wir uns nicht an unsere Träume erin­nern?

Selbst an den glück­li­chen Tagen, an denen man mit der Erin­ne­rung an einen Traum auf­wacht, ist die Wahr­schein­lich­keit groß, dass diese Erin­ne­rung inner­halb einer Minute wie­der ver­blasst. Man kehrt sozu­sa­gen ins Traum­land zurück. Im Wach­zu­stand würde ein solch schnel­les Ver­ges­sen kürz­lich Erleb­tes sicher­lich einen Arzt­be­such nach sich zie­hen. Bei Träu­men hin­ge­gen ist das Ver­ges­sen nor­mal. Warum?

Wir nei­gen dazu, Träume sofort zu ver­ges­sen. Men­schen, die sel­ten von ihren Träu­men berich­ten, ver­ges­sen sie wahr­schein­lich ein­fach leich­ter. Es fällt uns viel­leicht schwer zu glau­ben, dass wir geträumt haben, wenn wir uns an nichts erin­nern kön­nen. Doch Stu­dien zei­gen immer wie­der, dass sich selbst Men­schen, die sich seit Jahr­zehn­ten oder gar ihr gan­zes Leben lang an kei­nen ein­zi­gen Traum erin­nern konn­ten, tat­säch­lich daran erin­nern, wenn sie im rich­ti­gen Moment geweckt wer­den.

Obwohl die genauen Gründe noch nicht voll­stän­dig bekannt sind, hat die Wis­sen­schaft einige Erkennt­nisse über Gedächt­nis­pro­zesse im Schlaf gewon­nen. Dar­auf basie­rend sind ver­schie­dene Theo­rien ent­stan­den, die unsere eigen­tüm­li­che Ver­gess­lich­keit erklä­ren könn­ten.

Du bist wach, aber ist auch dein Hip­po­cam­pus wach?

Beim Ein­schla­fen schal­ten sich nicht alle Hirn­re­gio­nen gleich­zei­tig ab. For­schun­gen der letz­ten Jahr­zehnte haben gezeigt, dass der Hip­po­cam­pus, eine gekrümmte Struk­tur in jeder Hirn­hälfte, zu den letz­ten Regio­nen gehört, die in den Schlaf­mo­dus wech­seln. Er spielt eine ent­schei­dende Rolle bei der Über­tra­gung von Infor­ma­tio­nen vom Kurz­zeit- ins Lang­zeit­ge­dächt­nis.

Da der Hip­po­cam­pus als letz­tes Hirn­areal ein­schläft, kann er auch als letz­tes wie­der auf­wa­chen. Es könnte also ein Zeit­fens­ter geben, in dem man mit einem Traum im Kurz­zeit­ge­dächt­nis auf­wacht. Da der Hip­po­cam­pus zu die­sem Zeit­punkt jedoch noch nicht voll­stän­dig wach ist, kann das Gehirn diese Erin­ne­rung nicht spei­chern.

Dies könnte zwar erklä­ren, warum Traum­er­in­ne­run­gen so flüch­tig sind, bedeu­tet jedoch nicht, dass der Hip­po­cam­pus die ganze Nacht über inak­tiv war. Im Gegen­teil: Diese Hirn­re­gion ist im Schlaf sehr aktiv, sie spei­chert und pflegt bestehende Erin­ne­run­gen, um sie zu fes­ti­gen, statt auf neue Erfah­run­gen zu reagie­ren. Nach dem Auf­wa­chen benö­tigt das Gehirn ver­mut­lich einige Minu­ten, um seine Gedächt­nis­bil­dungs­ka­pa­zi­tät wie­der­her­zu­stel­len.

Neu­ro­che­mi­sche Suppe

Unsere ein­ge­schränkte Fähig­keit, im Schlaf neue Erin­ne­run­gen zu spei­chern, hängt auch mit Ver­än­de­run­gen des Spie­gels der bei­den Neu­ro­trans­mit­ter Ace­tyl­cho­lin und Nor­ad­re­na­lin zusam­men. Diese sind beson­ders wich­tig für die Spei­che­rung von Erin­ne­run­gen. Beim Ein­schla­fen sinkt ihr Spie­gel dras­tisch ab.

Wenn wir in die REM-Schlaf­phase (Rapid Eye Move­ment) ein­tre­ten, in der wir die leb­haf­tes­ten Träume erle­ben, geschieht etwas Merk­wür­di­ges. In die­ser Phase erreicht der Ace­tyl­cho­lin­spie­gel wie­der das Niveau des Wach­zu­stands, wäh­rend der Nor­ad­re­na­lin­spie­gel nied­rig bleibt. Diese beson­dere Kom­bi­na­tion ist höchst­wahr­schein­lich der Grund dafür, dass wir unsere Träume ver­ges­sen. Der Anstieg des Ace­tyl­cho­lins ver­setzt die Hirn­rinde in einen erreg­ten Zustand, ähn­lich dem Wach­zu­stand. Gleich­zei­tig beein­träch­tigt der nied­rige Nor­ad­re­na­lin­spie­gel unsere Fähig­keit, uns an unsere Träume zu erin­nern.

Manch­mal sind Träume ein­fach nicht ein­präg­sam

Weißt du noch, woran du heute Mor­gen beim Zäh­ne­put­zen gedacht hast? Unsere Gedan­ken schwei­fen stän­dig umher, doch die meis­ten davon ver­wer­fen wir als unwich­tig. Träume, ins­be­son­dere all­täg­li­che, sind viel­leicht wie Tag­träume und wer­den vom Gehirn als zu nutz­los ange­se­hen, um sich an sie zu erin­nern. Leb­haf­tere, emo­tio­na­lere und kohä­ren­tere Träume wer­den hin­ge­gen bes­ser erin­nert, da sie ein stär­ke­res Erwa­chen aus­lö­sen und ihre struk­tu­rierte Erzähl­weise das Spei­chern erleich­tert.

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