Warum das Auf­wa­chen so schwer­fal­len kann

Wie wacht das Gehirn aus dem Schlaf auf? Eine Stu­die, in der über 1.000 Auf­wach­pha­sen unter­sucht wur­den, hat genau gezeigt, wie das Gehirn beim Über­gang in den Wach­zu­stand aktiv wird. Die­ses Wis­sen könnte dabei hel­fen, die Schlaf­trun­ken­heit zu bewäl­ti­gen, die viele Men­schen ver­spü­ren, wenn sie die Schlum­mer­taste drü­cken.

Auf­nah­men von Men­schen, die aus der REM-Schlaf­phase auf­wach­ten, zeig­ten, dass zunächst die Berei­che im vor­de­ren Gehirn aktiv wer­den, die mit exe­ku­ti­ven Funk­tio­nen und Ent­schei­dungs­fin­dung in Ver­bin­dung ste­hen. Anschlie­ßend brei­tet sich eine Welle der Wach­heit nach hin­ten aus und endet in einem Bereich, der mit dem Sehen zusam­men­hängt.

Die Ergeb­nisse könn­ten unsere Vor­stel­lung vom Auf­wa­chen ver­än­dern. Sie zei­gen, dass Ein­schla­fen und Auf­wa­chen keine ein­fach umge­kehr­ten Pro­zesse sind. Viel­mehr scheint das Auf­wa­chen eine geord­nete Akti­vie­rungs­welle zu sein, die sich von vorne nach hin­ten durch das Gehirn bewegt. Das Ein­schla­fen scheint dage­gen weni­ger linear und eher all­mäh­lich zu ver­lau­fen.

Schla­fende Gehirn-Signa­tur

Ein waches Gehirn zeigt ein typi­sches Mus­ter elek­tri­scher Akti­vi­tät, das von Sen­so­ren auf der Kopf­haut auf­ge­zeich­net wer­den kann. Es ähnelt einer gezack­ten Linie aus klei­nen, dicht gepack­ten Spit­zen und Tälern. Die­ses Mus­ter ähnelt dem wäh­rend des REM-Schlafs, in dem leb­hafte Träume auf­tre­ten. In die­ser Phase gibt es jedoch keine Bewe­gun­gen der Ske­lett­mus­ku­la­tur. Die Spit­zen sind in den meis­ten Pha­sen des Nicht-REM-Schlafs, der von leich­tem bis zu sehr tie­fem Schlaf reicht, höher.

Der Wis­sen­schaft war bereits bekannt, dass die abge­schwächte Signa­tur zu unter­schied­li­chen Zei­ten in ver­schie­de­nen Hirn­re­gio­nen auf­tritt. Mit­hilfe der übli­chen Bild­ge­bungs­ver­fah­ren war es jedoch nicht mög­lich, diese Mus­ter auf einer genauen Zeit­skala zu unter­su­chen.

Um bes­ser zu ver­ste­hen, was beim Auf­wa­chen im Gehirn pas­siert, hat die Neu­ro­wis­sen­schaft­le­rin Fran­ce­sca Sic­lari vom „Net­her­lands Insti­tute for Neu­ro­sci­ence” in Ams­ter­dam gemein­sam mit ihrem Team 20 Per­so­nen beim Auf­wa­chen beob­ach­tet. Die Gehirn­ak­ti­vi­tät jedes Teil­neh­mers wurde mit­hilfe von 256 Sen­so­ren, die auf der Kopf­haut ange­bracht waren, auf­ge­zeich­net. Einige der Pro­ban­den sind von selbst auf­ge­wacht, andere wur­den von einem Wecker geweckt. Mit­hilfe der Sen­so­ren konn­ten die Wis­sen­schaft­ler die Gehirn­ak­ti­vi­tät im Sekun­den­takt ana­ly­sie­ren. Anschlie­ßend rekon­stru­ier­ten sie mit­hilfe mathe­ma­ti­scher Algo­rith­men und Modelle, an wel­cher Stelle des Gehirns diese Akti­vi­tät statt­fin­det.

Die Schlum­mer­taste drü­cken

Die For­scher haben her­aus­ge­fun­den, dass sich die neu­ro­nale Akti­vi­tät, die das Auf­wa­chen kenn­zeich­net, von vorne nach hin­ten aus­brei­tet, wenn jemand aus dem REM-Schlaf erwacht. Im Nicht-REM-Schlaf hin­ge­gen taucht die­ses Mus­ter zuerst an einem zen­tra­len „Hot­spot“ tief im Gehirn auf und brei­tet sich dann ebenso von vorne nach hin­ten aus. Diese Abwei­chung könnte erklä­ren, warum sich die Teil­neh­mer nach dem Auf­wa­chen aus dem Nicht-REM-Schlaf weni­ger müde fühl­ten als nach dem Auf­wa­chen aus dem REM-Schlaf. Warum die­ses Mus­ter die­sen Effekt hat, ist aller­dings noch nicht ganz klar.

Über­ra­schend war, wie gleich­mä­ßig die­ses Mus­ter bei jedem Auf­wa­chen auf­trat und wie es mit den sub­jek­ti­ven Mess­wer­ten, wie etwa der Schlaf­phase oder der Art des Auf­wa­chens, zusam­men­hing.

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