Vier Merk­male des Som­mers trü­ben dein Den­ken

Mit dem nahen­den Som­mer fällt dir viel­leicht auf, dass du Dinge ver­gisst, dich schlech­ter kon­zen­trie­ren kannst oder dich all­ge­mein geis­tig weni­ger fit fühlst. Dann fragst du dich viel­leicht: Ist das nor­mal? Geht es jedem so? Mir fal­len im Som­mer häu­fi­ger Wör­ter ein, die mir auf der Zunge lie­gen, zum Bei­spiel „das Ding, das man einem Hund anlegt“.

Gibt es in den Som­mer­mo­na­ten etwas, das Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten und ein trä­ges Gedächt­nis ver­stärkt? Stu­dien zei­gen: Ja. Es gibt vier Schlüs­sel­fak­to­ren. Zum Glück las­sen sich die Aus­wir­kun­gen abmil­dern, wenn man diese schäd­li­chen Ein­flüsse kennt.

01. Län­gere Tage bedeu­ten kür­zere Nächte

Unser Gehirn benö­tigt regel­mä­ßig aus­rei­chend hoch­wer­ti­gen Schlaf, um opti­mal zu funk­tio­nie­ren. Stu­dien haben jedoch gezeigt, dass die Schlaf­qua­li­tät im Som­mer lei­det. Das bedeu­tet im Detail:

  • Die Schlaf­dauer ist im Som­mer kür­zer als im Win­ter.
  • Die Gesamt­schlaf­zeit bleibt gleich, doch der REM-Schlaf ver­schlech­tert sich. Die­ser ist bekann­ter­ma­ßen wich­tig für Gedächt­nis- und Denk­pro­zesse, bei­spiels­weise für die Fes­ti­gung emo­tio­na­ler Erin­ne­run­gen im Lang­zeit­ge­dächt­nis.
  • Lan­ges Tages­licht geht mit einer Stö­rung des zir­ka­dia­nen Rhyth­mus, einem ver­zö­ger­ten Beginn der Mela­to­nin-Aus­schüt­tung und einer schlech­te­ren Schlaf­qua­li­tät ein­her.

02. Höhere Tem­pe­ra­tu­ren

Beein­träch­ti­gen hohe Tem­pe­ra­tu­ren unsere Denk­fä­hig­keit? Ja, das bele­gen Stu­dien. Bei Hitze schnei­den Men­schen bei Auf­ga­ben, die Impuls­kon­trolle erfor­dern, also die Fähig­keit, Ablen­kun­gen aus­zu­blen­den und sich zu kon­zen­trie­ren, schlech­ter ab. Diese Fähig­keit hal­ten wir oft für selbst­ver­ständ­lich, obwohl wir sie im All­tag stän­dig benö­ti­gen.

Gene­rell beein­träch­ti­gen hohe Tem­pe­ra­tu­ren ein­fa­che sowie kom­plexe kogni­tive Auf­ga­ben. Dies wirkt sich beson­ders stark bei anspruchs­vol­le­ren Tätig­kei­ten wie Kopf­rech­nen, Pro­blem­lö­sungs­pla­nung und Auto­fah­ren aus.

03. Dehy­drie­rung

Der Som­mer birgt zwei wesent­li­che Risi­ken: die bereits erwähn­ten höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren sowie die gestei­gerte kör­per­li­che Akti­vi­tät. Zahl­rei­che Stu­dien bele­gen, dass Dehy­drie­rung die kogni­tive Leis­tungs­fä­hig­keit beein­träch­tigt. Beson­ders auf­fäl­lig ist, dass der Leis­tungs­ab­fall bei anspruchs­vol­len kogni­ti­ven Auf­ga­ben, wie etwa der Mes­sung von Auf­merk­sam­keit oder logi­schem Den­ken, deut­lich stär­ker aus­fällt als bei ein­fa­che­ren Auf­ga­ben wie der Mes­sung der Reak­ti­ons­zeit.

Die gute Nach­richt ist, dass sich die durch Dehy­drie­rung beding­ten Ein­bu­ßen der kogni­ti­ven Leis­tungs­fä­hig­keit – ein­schließ­lich der Leis­tung bei Gedächt­nis- und Fle­xi­bi­li­täts­auf­ga­ben – wie­der rück­gän­gig machen las­sen.

04. Wald­brand­rauch

Im Som­mer wer­den viele Regio­nen Euro­pas, dar­un­ter auch Deutsch­land, auf­grund von Wald­brän­den, die durch zuneh­mende Tro­cken­heit ver­ur­sacht wer­den, immer rau­chi­ger. Immer mehr Men­schen kla­gen über Kopf­schmer­zen. Besteht da ein Zusam­men­hang?

Lei­der ist es so. Unser Gehirn wird durch extreme Hitze, Wald­brand­rauch und die Kom­bi­na­tion aus bei­dem beein­träch­tigt. Kon­kret gehen diese Zustände mit Ent­zün­dun­gen im Gehirn und Stö­run­gen der neu­ro­na­len Signal­über­tra­gung (der Grund­lage allen Den­kens) ein­her. Bei­spiels­weise besteht ein Zusam­men­hang zwi­schen der Rauch­be­las­tung und einer ver­min­der­ten Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit. For­scher beglei­te­ten eine große Gruppe von Men­schen ein Jahr lang und erfass­ten ihre Ergeb­nisse in einem Test zur selek­ti­ven Auf­merk­sam­keit sowie die Rauch­be­las­tung. Die bei­den Mess­werte stimm­ten über­ein: Mit stei­gen­der Kon­zen­tra­tion von Wald­brand­rauch und Fein­staub san­ken die Werte für die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit.

Was du tun kannst

Wel­che kon­kre­ten Gegen­maß­nah­men du ergrei­fen soll­test, um die schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen des Som­mers auf das Denk­ver­mö­gen zu ver­hin­dern, hängt natür­lich von dei­nem Wohn­ort und dei­nen indi­vi­du­el­len Lebens­ge­wohn­hei­ten ab (zumin­dest teil­weise). Im Fol­gen­den fin­dest du jedoch eine Aus­wahl an hilf­rei­chen Tipps.

  • Schütze dei­nen Schlaf. Selbst wenn du in der Nähe des Polar­krei­ses lebst, kannst du Ver­dun­ke­lungs­vor­hänge oder eine Schlaf­maske ver­wen­den, um künst­li­che Dun­kel­heit zu erzeu­gen.
  • Halte dich kühl. Nutze Kli­ma­an­la­gen oder Ven­ti­la­to­ren, begrenze die Zeit im Freien und ver­meide kör­per­li­che Anstren­gung wäh­rend der brü­ten­den Hitze.
  • Achte auf eine aus­rei­chende Flüs­sig­keits­zu­fuhr. Dein Ziel sollte ein hell- bis klar­far­be­ner Urin sein. Das klingt zwar nicht beson­ders wis­sen­schaft­lich, ist aber effek­tiv, da man nicht viele Fak­to­ren berück­sich­ti­gen muss.
  • Mini­miere die Belas­tung durch Rauch. Dazu gehört, eine Kli­ma­an­lage zu nut­zen und kör­per­li­che Akti­vi­tät im Freien bei schlech­ter Luft­qua­li­tät zu ver­mei­den. Beachte die Sicher­heits­hin­weise des Deut­schen Wet­ter­diens­tes und ande­rer euro­päi­scher Behör­den zum Thema Wald­brand­rauch.

Und zuletzt noch eines: Jeder kann einen Bei­trag leis­ten, um die glo­bale Erwär­mung (eine Haupt­ur­sa­che für höhere Tem­pe­ra­tu­ren und ver­mehrte Wald­brände) zu redu­zie­ren. Jede noch so kleine Maß­nahme zählt!

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