Kaf­fee bie­tet ein­zig­ar­tige kogni­tive Vor­teile, die über die Wir­kung des Kof­fe­ins hin­aus­ge­hen

Für viele Men­schen beginnt der Tag erst, wenn die Kaf­fee­tasse leer ist. Es wird oft ange­nom­men, dass Kaf­fee wach macht und man ihn daher trinkt, um wach und leis­tungs­fä­hig zu sein. Mein Team und ich haben nun Kaffeetrinker:innen unter­sucht, um her­aus­zu­fin­den, ob die­ser Effekt von den Eigen­schaf­ten des Kof­fe­ins oder von der Erfah­rung des Kaf­fee­trin­kens abhängt.

Es wird all­ge­mein ange­nom­men, dass Kaf­fee die Wach­sam­keit und die psy­cho­mo­to­ri­schen Fähig­kei­ten ver­bes­sert. Ein bes­se­res Ver­ständ­nis der zugrunde lie­gen­den Mecha­nis­men eines bio­lo­gi­schen Phä­no­mens eröff­net die Mög­lich­keit, die Fak­to­ren zu unter­su­chen, die die­ses Phä­no­men beein­flus­sen kön­nen, sowie die poten­zi­el­len Vor­teile die­ses Mecha­nis­mus.

Ein Kof­fein-Kick

Wir rekru­tier­ten Per­so­nen, die anga­ben, min­des­tens eine Tasse Kaf­fee pro Tag zu trin­ken, und baten sie, min­des­tens drei Stun­den vor der Stu­die auf den Kon­sum kof­fe­in­hal­ti­ger Getränke zu ver­zich­ten. Zunächst befrag­ten wir die Teilnehmer:innen, um sozio­de­mo­gra­fi­sche Daten zu erhe­ben. Anschlie­ßend führ­ten wir zwei kurze funk­tio­nelle MRT-Scans durch: einen vor und einen 30 Minu­ten nach der Ein­nahme von Kof­fein bzw. dem Trin­ken einer stan­dar­di­sier­ten Tasse Kaf­fee. Wäh­rend der Scans baten wir die Teilnehmer:innen, sich zu ent­span­nen und ihren Gedan­ken freien Lauf zu las­sen.

Auf­grund der bekann­ten neu­ro­che­mi­schen Wir­kun­gen des Kaf­fee­kon­sums erwar­te­ten wir, dass die Scans zei­gen wür­den, dass Per­so­nen, die Kaf­fee getrun­ken hat­ten, eine stär­kere Inte­gra­tion der mit dem prä­fron­ta­len Kor­tex und dem Default-Mode-Netz­werk ver­bun­de­nen Netz­werke auf­wie­sen. Der prä­fron­tale Kor­tex steht mit dem exe­ku­ti­ven Gedächt­nis in Ver­bin­dung, wäh­rend das Default-Mode-Netz­werk an Intro­spek­ti­ons- und Selbst­re­fle­xi­ons­pro­zes­sen betei­ligt ist. Wir stell­ten jedoch fest, dass die Kon­nek­ti­vi­tät des Default-Mode-Netz­werks sowohl nach dem Trin­ken von Kaf­fee als auch nach der Ein­nahme von Kof­fein abnahm. Dies deu­tet dar­auf hin, dass der Kon­sum von Kof­fein oder Kaf­fee die Bereit­schaft erhöht, von der Ruhe­phase zur Arbeit an Auf­ga­ben über­zu­ge­hen.

Auf der rich­ti­gen Seite auf­wa­chen

Der Kaf­fee­kon­sum erhöhte jedoch auch die Kon­nek­ti­vi­tät im obe­ren visu­el­len Netz­werk sowie im rech­ten exe­ku­ti­ven Kon­troll­netz­werk. Dabei han­delt es sich um Berei­che des Gehirns, die für das Arbeits­ge­dächt­nis, die kogni­tive Kon­trolle und das ziel­ge­rich­tete Ver­hal­ten zustän­dig sind. Dies war nicht der Fall, wenn die Teil­neh­mer nur Kof­fein zu sich nah­men. Mit ande­ren Wor­ten: Wer sich nicht nur wach, son­dern auch leis­tungs­fä­hig füh­len will, braucht mehr als Kof­fein – er muss das Erleb­nis „Tasse Kaf­fee” haben.

Ein aku­ter Kaf­fee­kon­sum ver­rin­gert die funk­tio­nelle Kon­nek­ti­vi­tät zwi­schen den Hirn­re­gio­nen des soge­nann­ten Default-Mode-Netz­werks. Die­ses Netz­werk ist mit selbst­re­fe­ren­zi­el­len Pro­zes­sen in Ruhe ver­bun­den. Auch zwi­schen den soma­to­sen­so­risch-moto­ri­schen Netz­wer­ken und dem prä­fron­ta­len Kor­tex war die funk­tio­nelle Kon­nek­ti­vi­tät redu­ziert. In Regio­nen des höhe­ren visu­el­len und des rech­ten exe­ku­ti­ven Kon­troll­netz­werks war sie hin­ge­gen erhöht. Mit ande­ren Wor­ten: Die Pro­ban­den waren nach dem Kaf­fee­trin­ken hand­lungs­be­rei­ter und auf­merk­sa­mer gegen­über äuße­ren Rei­zen.

Da einige der gefun­de­nen Effekte auf Kof­fein zurück­zu­füh­ren sind, könnte man erwar­ten, dass auch andere kof­fe­in­hal­tige Getränke sol­che Effekte zei­gen. Einige Effekte waren jedoch spe­zi­fisch für den Kaf­fee­kon­sum. Sie wur­den durch Fak­to­ren wie den beson­de­ren Geruch und Geschmack des Getränks oder die damit ver­bun­dene psy­cho­lo­gi­sche Erwar­tungs­hal­tung bestimmt.

Es ist mög­lich, dass allein die Erfah­rung des Kaf­fee­trin­kens diese Vor­teile her­vor­ruft. In die­ser Stu­die konnte jedoch nicht unter­schie­den wer­den, ob diese allein oder in Kom­bi­na­tion mit Kof­fein wirkt. Zudem könn­ten die von Kaf­fee­trin­kern berich­te­ten Vor­teile auf die Lin­de­rung von Ent­zugs­er­schei­nun­gen zurück­zu­füh­ren sein. Dies wurde in der Stu­die jedoch nicht unter­sucht.

Die Ver­än­de­run­gen der Kon­nek­ti­vi­tät wur­den wäh­rend einer Sequenz von Ruhe­zu­stän­den unter­sucht. Auf­grund der gemein­sa­men Funk­tion der gefun­de­nen Regio­nen und Netz­werke wird ein mög­li­cher Zusam­men­hang mit psy­cho­lo­gi­schen und kogni­ti­ven Pro­zes­sen inter­pre­tiert. Die­ser Zusam­men­hang wurde jedoch nicht direkt getes­tet. Zudem könn­ten indi­vi­du­elle Unter­schiede im Kof­fe­in­stoff­wech­sel der Teil­neh­mer eine Rolle spie­len, die in Zukunft unter­sucht wer­den soll­ten.

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