In der heutigen Welt scheint die Politik stets ein zentrales Thema zu sein. Doch manche Menschen sind politischer und politisch engagierter als andere – und das liegt vor allem an ihrem Gehirn. Welche Schaltkreise in unserem Gehirn beeinflussen also, wie politisch wir sind? Welche Gehirnregionen sind daran beteiligt?
Zwar gibt es keine spezifisch mit liberaler oder konservativer Ideologie verbundenen Gehirnregionen, jedoch gibt es Schaltkreise, die die Intensität des politischen Engagements über das gesamte politische Spektrum hinweg beeinflussen. Letztendlich sind es die Regionen unseres Gehirns, die unsere Kognition und Emotionen steuern und somit auch unser Maß an politischer Leidenschaft beeinflussen. Dies hat klare kulturelle und klinische Implikationen.
Politische Leidenschaft im Gehirn
Selbstverständlich gibt es viele Dinge, die mit unseren politischen Interessen zusammenhängen – das Gehirn ist eines davon. Welche Gehirnregionen unsere politische Leidenschaft steigern oder verringern, ist jedoch noch nicht gut erforscht.
Um herauszufinden, welche Bereiche des Gehirns die politische Intensität einer Person beeinflussen, haben wir Veteranen untersucht. Durch den Vergleich der Gehirne und des politischen Verhaltens von Veteranen mit und ohne Hirnverletzungen konnten wir ermitteln, welche Bereiche des Gehirns für die Intensität politischer Überzeugungen verantwortlich sind. Insbesondere stellten wir fest, dass Hirnverletzungen im präfrontalen Kortex mit einer erhöhten politischen Leidenschaft einhergehen, während Verletzungen in der Amygdala eine verminderte politische Leidenschaft zur Folge haben.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gehirnregionen, die mit kognitiver Kontrolle und Emotionen in Zusammenhang stehen, eine wichtige Rolle dabei spielen, wie intensiv wir uns politisch engagieren. Verletzungen, welche die kognitive Kontrolle beeinträchtigen, führen zu einer intensiveren politischen Beteiligung, während Verletzungen, welche die Emotionen beeinträchtigen, das Gegenteil bewirken.
Die Ergebnisse zeigen uns, welche neuronalen Schaltkreise bei der breiten Bevölkerung eine Rolle spielen.
Tatsächlich hat diese Forschung weitreichende Auswirkungen. Wenn uns bewusst ist, dass unser Gehirn bei politischen Leidenschaften eine Rolle spielt, können wir möglicherweise besser miteinander reden und zusammenarbeiten, wenn es um Politik geht. Das könnte auch bei der Beurteilung von Hirnverletzungen in Kliniken helfen, da eine erhöhte oder verminderte politische Intensität auf Probleme im präfrontalen Kortex oder in der Amygdala hindeuten könnte. Wie bei anderen Aspekten des Sozialverhaltens sollte man sich auch hier die Frage stellen, ob sich die politischen Ansichten einer Person seit ihrer Hirnverletzung verändert haben.
Einblicke in Hirnverletzungen
Um den Zusammenhang zwischen Hirnverletzungen und politischem Verhalten zu untersuchen, haben wir die Ergebnisse der „Vietnam Head Injury Study” ausgewertet. Im Rahmen dieser Studie wurde das politische Verhalten von fast 160 Veteranen mit Hirnverletzungen untersucht. Die Verletzungen wurden mittels Neuroimaging analysiert, das politische Verhalten mittels Umfragen. Die Umfragen wurden zwischen 2008 und 2012 durchgeführt und erfassten das politische Verhalten der Veteranen vor und nach den etwa 40 bis 45 Jahre zurückliegenden Verletzungen.
Wir haben die Ergebnisse dieser Studie analysiert, um herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen Verletzungen in bestimmten Teilen des Gehirns und bestimmten politischen Verhaltensweisen gibt. Die von uns gefundenen Zusammenhänge zwischen Verletzungen im präfrontalen Kortex bzw. in der Amygdala einerseits und politischer Leidenschaft andererseits sind nicht auf äußere Faktoren wie Alter, Persönlichkeit oder Parteizugehörigkeit zurückzuführen.
Die Ergebnisse helfen uns, wichtige Aspekte des Lebens besser zu verstehen. Wir hoffen, dass diese Forschung Wege aufzeigt, wie wir Patienten nach Hirnverletzungen bei der Genesung besser unterstützen können.
