Acht Anzei­chen für einen nar­ziss­ti­schen Kom­mu­ni­ka­tor

Das DSM‑5 defi­niert die nar­ziss­ti­sche Per­sön­lich­keits­stö­rung als ein tief­grei­fen­des Mus­ter von Gran­dio­si­tät (in Fan­ta­sien oder Ver­hal­ten), ein star­kes Bedürf­nis nach Bewun­de­rung sowie einen Man­gel an Empa­thie. Die­ses Mus­ter beginnt in der Regel im frü­hen Erwach­se­nen­al­ter und zeigt sich in einer Viel­zahl von Kon­tex­ten. In unse­rer indi­vi­dua­lis­ti­schen, mate­ria­lis­ti­schen und sta­tus­ori­en­tier­ten Gesell­schaft ist Nar­ziss­mus ein weit ver­brei­te­tes und oft destruk­ti­ves Phä­no­men.

Chro­ni­sche Nar­ziss­ten kom­mu­ni­zie­ren oft auf eine Weise, die ihre Über­le­gen­heit, Selbst­über­schät­zung und Anspruchs­men­ta­li­tät demons­triert. Damit mani­pu­lie­ren, nut­zen sie Bezie­hun­gen aus und kon­trol­lie­ren sie. Im Fol­gen­den sind acht typi­sche Merk­male eines nar­ziss­ti­schen Kom­mu­ni­ka­tors auf­ge­führt. Man­che Men­schen wei­sen gele­gent­lich die unten auf­ge­führ­ten Merk­male auf, was jedoch kein gro­ßes Pro­blem dar­stel­len muss. Ein chro­nisch nar­ziss­ti­scher Kom­mu­ni­ka­tor wird dage­gen gewohn­heits­mä­ßig eine oder meh­rere der fol­gen­den Machen­schaf­ten anwen­den. Ihnen ist nicht bewusst (oder es ist ihnen egal), wel­che Aus­wir­kun­gen ihre Cha­rak­ter­feh­ler und Bezie­hungs­män­gel auf andere haben.

Gesprächs­zeit hor­ten
Eine gesunde Unter­hal­tung ist eine wech­sel­sei­tige Ange­le­gen­heit, bei der sich beide Sei­ten abwech­selnd mit gegen­sei­ti­gem Inter­esse unter­hal­ten und zuhö­ren. Ein nar­ziss­ti­scher Kom­mu­ni­ka­tor hin­ge­gen lässt ande­ren wenig oder gar kei­nen Raum. Er domi­niert und mono­po­li­siert das Gespräch, indem er sich vor allem dar­auf kon­zen­triert, wor­über er spre­chen möchte (und dabei im Mit­tel­punkt steht), und den Gedan­ken, Gefüh­len und Prio­ri­tä­ten ande­rer Men­schen kaum Beach­tung schenkt. In einem ech­ten, dys­funk­tio­na­len Sinne ist der nar­ziss­ti­sche Kom­mu­ni­ka­tor also ego­zen­trisch und selbst­be­zo­gen.

Das Gesprächs­thema steu­ern
Nar­ziss­ten mono­po­li­sie­ren nicht nur die Gesprächs­zeit, son­dern nei­gen auch dazu, das Gesprächs­thema zu kon­trol­lie­ren und zu len­ken. Sie kon­zen­trie­ren sich auf das, wor­über sie spre­chen möch­ten, und zwar so, wie sie es möch­ten, ohne alter­na­tive Sicht­wei­sen zu berück­sich­ti­gen. Die ande­ren Gesprächs­teil­neh­mer wer­den nicht als gleich­be­rech­tigte Part­ner behan­delt. Selbst wenn es dem Gegen­über gelingt, einen Stand­punkt ein­zu­brin­gen, hört der Nar­zisst viel­leicht kurz zu, bestä­tigt wenig oder gar nichts und lenkt das Thema sofort wie­der auf sich selbst zurück.

Häu­fige Unter­bre­chun­gen
Ein deut­li­ches Anzei­chen für einen Nar­ziss­ten ist, dass er dich stän­dig unter­bricht, wenn du sprichst. Ent­we­der, um dir das Wort zu ent­zie­hen und die Auf­merk­sam­keit (und Kon­trolle) wie­der auf sich zu zie­hen, oder um das, was du sagst, zu kor­ri­gie­ren, zu beur­tei­len, her­un­ter­zu­spie­len und/oder zu ent­wer­ten. Durch das häu­fige Unter­bre­chen ver­stärkt der Nar­zisst auch sein fal­sches Gefühl von Selbst­über­schät­zung und Anspruchs­den­ken.

Unem­pa­thi­sches Zuhö­ren
Da sich Nar­ziss­ten haupt­säch­lich auf sich selbst kon­zen­trie­ren, sind sie bekann­ter­ma­ßen schlechte Zuhö­rer. Anzei­chen hier­für sind die bereits erwähn­ten Eigen­schaf­ten, Zeit zu hor­ten, The­men zu mono­po­li­sie­ren und durch Unter­bre­chun­gen unhöf­lich zu sein. Bezeich­nen­der­weise zei­gen nar­ziss­ti­sche Kom­mu­ni­ka­to­ren oft einen bemer­kens­wer­ten Man­gel an Aner­ken­nung oder Bestä­ti­gung für das, was die andere Per­son mit­ge­teilt hat, selbst wenn es sich um wich­tige, per­sön­li­che und/oder ver­letz­li­che Inhalte han­delt. Es wird kaum Rück­sicht dar­auf genom­men, wer du als Mensch bist. Die­ser auf­fäl­lige Man­gel an Ver­bun­den­heit mit ande­ren erklärt, warum viele Nar­ziss­ten nur wenige wirk­lich gesunde und lie­be­volle enge Bezie­hun­gen haben.

Über­mä­ßige Selbst­über­hö­hung
Ob im per­sön­li­chen Gespräch oder in den sozia­len Medien: Nar­ziss­ten genie­ßen es oft, mit ihrem angeb­lich benei­dens­wer­ten Lebens­stil, ihren lobens­wer­ten Errun­gen­schaf­ten, ihren auf­merk­sam­keits­star­ken Dra­men sowie ihren sta­tus- und tro­phä­en­wür­di­gen Bezie­hun­gen zu prah­len, anzu­ge­ben oder zu dra­ma­ti­sie­ren. Kom­mu­ni­ka­tion wird so zur Wer­bung für die eigene Per­son. Lei­der ver­rät ein sol­cher gran­dio­ser Exhi­bi­tio­nis­mus häu­fig eine innere Leere, die von Unsi­cher­hei­ten, Unge­wiss­hei­ten und Ängs­ten geprägt ist. Diese kann durch eine ober­fläch­li­che Auf­wer­tung des äuße­ren Erschei­nungs­bil­des kom­pen­siert wer­den.

Fal­scher Über­le­gen­heits­kom­plex
Ein fal­scher Über­le­gen­heits­kom­plex ist eine der gif­tigs­ten Eigen­schaf­ten des Nar­ziss­mus – egal, ob er sich extro­ver­tiert in Form von arro­gan­ter Selbst­über­schät­zung oder intro­ver­tiert in Form von stil­ler Selbst­ge­fäl­lig­keit äußert. Da Nar­ziss­mus oft ein ver­zwei­fel­ter Ver­such ist, innere Unzu­läng­lich­kei­ten zu ver­ber­gen, kön­nen sich man­che Nar­ziss­ten nur dann gut füh­len, wenn sie andere her­ab­set­zen. Inso­fern kann sich der Nar­zisst patho­lo­gisch gezwun­gen füh­len, andere aus­zu­gren­zen, zu beur­tei­len, her­ab­zu­wür­di­gen, zu mini­mie­ren, zu ver­spot­ten und/oder zu dis­kri­mi­nie­ren. Ohne sich Opfer als „min­der­wer­tig” aus­zu­su­chen, füh­len sich viele Nar­ziss­ten wie Nie­mande.

Bes­ser­wis­ser und unge­be­tene Rat­schläge
Da viele Nar­ziss­ten glau­ben, alles bes­ser zu wis­sen, nei­gen sie dazu, sich als „Bes­ser­wis­ser“ zu pro­fi­lie­ren, um ihre ein­ge­bil­dete Wich­tig­keit zu bewei­sen. Ähn­lich ver­hält es sich bei Per­so­nen, die unge­be­ten unhöf­li­che Rat­schläge ertei­len, selbst wenn diese völ­lig unan­ge­bracht sind. In bei­den Fäl­len ver­letzt der Nar­zisst Gren­zen, indem er ande­ren seine belei­di­gende Patho­lo­gie auf­zwingt, um seine ego­zen­tri­schen und unsi­che­ren Bedürf­nisse (nar­ziss­ti­sche Ver­sor­gung) zu befrie­di­gen.

Mani­pu­la­tion oder die Nut­zung ande­rer als Erwei­te­rung des Selbst
Die­ses letzte Merk­mal nar­ziss­ti­scher Kom­mu­ni­ka­tion ist auch eines der destruk­tivs­ten: Man kom­mu­ni­ziert, um andere zu mani­pu­lie­ren und für ego­is­ti­sche Zwe­cke aus­zu­nut­zen. Zu den Arten nar­ziss­ti­scher, mani­pu­lie­ren­der Kom­mu­ni­ka­tion gehö­ren:

  • posi­tive Mani­pu­la­tion (d. h. unauf­rich­tige Schmei­che­lei, fal­sche Ver­spre­chun­gen)
  • nega­tive Mani­pu­la­tion (d. h. Schuld­zu­wei­sun­gen, Kri­tik, Beschä­mung)
  • Täu­schung und Intri­gen (d. h. Lügen, Aus­re­den)
  • stra­te­gi­sche Hilf­lo­sig­keit (d. h. Opfer­hal­tung, Schuld­zu­wei­sun­gen)
  • Feind­se­lig­keit und Miss­brauch (d. h. Wut­an­fälle, Ein­schüch­te­rung, Nöti­gung)

Chro­ni­sche Nar­ziss­ten gehen keine Bezie­hun­gen ein. Sie nut­zen andere aus.

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