Ob du zur Arbeit pendelst oder einen Roadtrip entlang der Küste unternimmst – Autofahren kann anstrengend sein. Das liegt daran, dass es sich dabei um eine komplexe Aufgabe handelt, bei der verschiedene Bereiche deines Gehirns zusammenarbeiten müssen. Dazu gehören jene, die dir helfen, zu planen, wachsam zu bleiben und deine Umwelt wahrzunehmen. Wenn du jedoch müde bist, funktionieren diese Bereiche nicht mehr so gut. Das ist einer der Gründe, warum Müdigkeit am Steuer ein so großes Problem darstellt.
Jüngste Untersuchungen zeigen, dass Schläfrigkeit am Steuer zu 20 bis 30 Prozent aller Unfälle auf deutschen Straßen beiträgt. Sie kann Fahrer aller Altersgruppen und Erfahrungsstufen betreffen. Doch wie wirkt sich das Autofahren auf unser Gehirn aus? Und wie können wir auf der Straße aufmerksam bleiben?
Die Neurowissenschaft des Autofahrens
Autofahren ist eine komplexe Aufgabe, für die verschiedene Gehirnregionen zuständig sind, darunter solche, die Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, Wahrnehmung, Motorik sowie höhere kognitive Funktionen steuern.
Eine Metaanalyse untersuchte die vorhandene Forschungslage dazu, wie sich das Autofahren auf die Gehirnaktivität auswirkt. Dabei zeigte sich, dass das Autofahren eine überraschend große Anzahl spezifischer Gehirnregionen beansprucht. Dazu gehören das Kleinhirn und der prämotorische Kortex, zwei Hirnregionen, die bei der Bewegungskoordination eine Rolle spielen. Ebenfalls beteiligt ist der extrastriatale Kortex, der visuelle Informationen aus der Umgebung verarbeitet. Beim Autofahren wird zudem der Thalamus aktiviert. Dieser Teil des Gehirns hilft dabei, wachsam zu bleiben und Sinneseindrücke in körperliche Bewegungen umzusetzen.
Warum ist es so gefährlich, müde Auto zu fahren?
Untersuchungen legen nahe, dass das Fahren in einem müden Zustand genauso gefährlich sein kann wie das Fahren unter Alkoholeinfluss. Müdigkeit ist ein psychischer Zustand, der die Leistungsfähigkeit von Körper und Geist beeinträchtigt. Insbesondere kann sie die Aufmerksamkeit, die Entscheidungsfähigkeit und die Reaktionsfähigkeit auf die Umgebung negativ beeinflussen. All diese Faktoren sind entscheidend für sicheres Fahren.
Mikroschlaf ist jedoch die wohl gefährlichste Folge von Müdigkeit am Steuer. Dabei handelt es sich um einen kurzen, unwillkürlichen Schlafzustand, der bis zu 15 Sekunden dauern kann. Doch selbst bei einem nur drei Sekunden langen Mikroschlaf legt das Auto bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h mehr als 80 Meter zurück, ohne dass du die Kontrolle darüber hast. Das kann katastrophale Folgen haben, wenn du von der Straße abkommst oder mit Fußgängern oder anderen Fahrzeugen kollidierst.
Zeit ist entscheidend
Autofahren mag sich wie eine Tätigkeit anfühlen, die man ganz automatisch ausführt. Im Vergleich zu anderen Tätigkeiten wie dem Beantworten vonE-Mails, dem Bedienen von Maschinen oder der Erledigung anderer alltäglicher Arbeitsaufgaben erfordert es jedoch ein hohes Maß an anhaltender Aufmerksamkeit.
Wenn du längere Zeit Auto fährst, wirst du vielleicht feststellen, dass deine Aufmerksamkeit mit der Zeit nachlässt. Das liegt daran, dass Autofahren eine erhebliche geistige Anstrengung darstellt. Es gibt Hinweise darauf, dass bereits nach einer Stunde Müdigkeit einsetzen kann.
Je länger du ununterbrochen fährst, desto wahrscheinlicher ist es, dass du eine falsche Entscheidung triffst oder in einen Mikroschlaf fällst. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dies insbesondere dann der Fall ist, wenn du nachts oder auf eintönigen Straßen unterwegs bist. Selbst wenn du dich nicht müde fühlst, können dir dennoch Fehler unterlaufen, da dein Gehirn nicht voll aufmerksam ist.
Wenn eine lange Fahrt vor dir liegt, empfiehlt es sich, diese in Abschnitte von jeweils zwei Stunden aufzuteilen. So begrenzt du die Zeit, die du ohne Pause am Steuer verbringst, und verringerst das Risiko von Übermüdung am Steuer.
Weitere Faktoren
Es gibt noch einige andere Faktoren, die dazu führen können, dass du während der Fahrt müde wirst.
- Studien zeigen, dass weniger als fünf Stunden Schlaf das Unfallrisiko verdoppeln können. Auch lange Wachphasen von mehr als 17 Stunden gehen mit einem erhöhten Risiko für Übermüdung am Steuer einher.
- Das Fahren zu Zeiten, zu denen man normalerweise schlafen würde. Dies stört den Tagesrhythmus – auch innere Uhr genannt – und kann dazu führen, dass man am Steuer einschläft.
- Auch Stress, die Betreuung eines Neugeborenen, eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr und eine unausgewogene Ernährung können zur Ermüdung des Fahrers beitragen.
Es ist außerdem anzumerken, dass auch erfahrene Fahrer nicht vor Müdigkeit gefeit sind. Untersuchungen zeigen, dass auch sie Gefahr laufen, in einen durch Müdigkeit verursachten Unfall verwickelt zu werden. Erfahrene Fahrer neigen zudem dazu, übermütig zu werden, und gehen daher gerne größere Risiken im Straßenverkehr ein.
Wie kann ich also beim Autofahren aufmerksam bleiben?
Es ist äußerst wichtig, vor dem Autofahren ausreichend Schlaf zu bekommen. Um ihre volle Leistungsfähigkeit zu entfalten, benötigen Erwachsene in der Regel sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht. Um jedoch sicher Auto zu fahren, sind mindestens fünf Stunden Schlaf in der Nacht zuvor erforderlich.
Es gibt kaum Belege dafür, dass Maßnahmen wie das Herunterkurbeln des Fensters oder das Hören von Musik tatsächlich gegen Müdigkeit helfen. Achte deshalb bei langen Fahrten darauf, ausreichend zu trinken und regelmäßig Pausen einzulegen. Wenn du dich zu müde zum Fahren fühlst, mache erst einmal ein Nickerchen. Alternativ kannst du dich mit einem Mitfahrer abwechseln oder die Fahrt verschieben.
