Ver­trauen und gesell­schaft­li­che Debatte

Vor dem Zeit­al­ter des Inter­nets, der sozia­len Medien, von Corona und dem Handy herrschte ein weit ver­brei­te­tes Ver­trauen in öffent­li­che Insti­tu­tio­nen, Behör­den, Medien und die Wis­sen­schaft. Trotz all ihrer Feh­ler und Vor­ur­teile gal­ten sie im Wesent­li­chen als ver­trau­ens­wür­dig.

Seit­dem hat sich grund­le­gend etwas ver­än­dert. Die Öffent­lich­keit steht unse­ren Insti­tu­tio­nen zuneh­mend skep­tisch gegen­über. Das hat zu einem dra­ma­ti­schen Wan­del in der Art und Weise geführt, wie wir wich­tige gesell­schaft­li­che The­men dis­ku­tie­ren. Die gesell­schaft­li­che Debatte ist zer­split­tert. Ein Blick in die sozia­len Medien genügt, um einen Ein­druck davon zu bekom­men, was sich ver­än­dert hat. Auf den Social-Media-Platt­for­men ist aus der eins­ti­gen gesell­schaft­li­chen Debatte eine wider­wär­tige öffent­li­che Schlä­ge­rei und gegen­sei­tige Beschimp­fung gewor­den.

Warum ist das so? Der Grund dafür ist, dass es mitt­ler­weile einen wesent­li­chen qua­li­ta­ti­ven Unter­schied – und nicht nur einen gra­du­el­len – in Bezug auf Skep­sis und Zwei­fel an poli­ti­schen Pro­zes­sen und Insti­tu­tio­nen gibt. Die­ser qua­li­ta­tive Unter­schied ist das Ergeb­nis der all­ge­gen­wär­ti­gen Mög­lich­keit, seine Mei­nung in den sozia­len Medien zu ver­öf­fent­li­chen. Dort kön­nen Men­schen in ihrem eige­nen Social-Media-Silo Unter­stüt­zung gewin­nen. Die dar­aus resul­tie­rende Wut und Frus­tra­tion füh­ren zu Ver­schwö­rungs­theo­rien und zur Ver­brei­tung von Falsch­in­for­ma­tio­nen, fal­schen Fak­ten und Ver­zer­run­gen, mit denen sich die Men­schen pro­fi­lie­ren wol­len. Das Ergeb­nis ist ein ziem­li­ches Durch­ein­an­der – und in die­sem Durch­ein­an­der befin­den wir uns gerade.

Die hoch­ran­gige Debatte, die nach dem Atten­tats­ver­such auf den dama­li­gen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Donald Trump bei einer Wahl­kampf­ver­an­stal­tung in der Nähe von But­ler, Penn­syl­va­nia, am 13. Juli 2024 ent­brannte, ist ein gutes Bei­spiel dafür. Füh­rende Poli­ti­ker aus aller Welt mach­ten schnell die Pola­ri­sie­rung und man­gelnde Höf­lich­keit in der öffent­li­chen Debatte dafür ver­ant­wort­lich.

  • Der dama­lige US-Prä­si­dent Joe Biden rief zur Beson­nen­heit auf. „Unsere poli­ti­sche Debatte ist zu hit­zig gewor­den. Wir alle tra­gen die Ver­ant­wor­tung dafür, die Gemü­ter zu beru­hi­gen.“
  • Der ehe­ma­lige US-Prä­si­dent Barack Obama rief zum Nach­den­ken auf. „Wir soll­ten die­sen Moment nut­zen, um uns erneut zu Höf­lich­keit und Respekt in der Poli­tik zu ver­pflich­ten.“
  • Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­meier rief zu poli­ti­scher Zurück­hal­tung auf. „Gewalt hat in unse­rer Demo­kra­tie kei­nen Platz – weder in Ame­rika noch hier.“
  • Der dama­lige deut­sche Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz rief zur Zurück­hal­tung auf und mahnte, dass Gewalt die Demo­kra­tie bedrohe.

Ange­sichts des euro­pa­wei­ten Vor­mar­sches rechts­extre­mer Kräfte wird jedoch deut­lich, dass dies kein Ein­zel­fall ist. So wurde der slo­wa­ki­sche Minis­ter­prä­si­dent Robert Fico, dem selbst vor­ge­wor­fen wird, spal­tende Debat­ten anzu­sta­cheln, am 15. Mai 2024 bei einem Atten­tat mehr­fach ange­schos­sen. Auch in die­sem Fall mach­ten füh­rende Poli­ti­ker welt­weit die Feind­se­lig­keit in der Bevöl­ke­rung dafür ver­ant­wort­lich.

  • „Ich bin ent­setzt dar­über, wohin der Hass auf eine andere poli­ti­sche Option füh­ren kann“, sagte Peter Pel­le­g­rini, Ficos enger Ver­bün­de­ter und desi­gnier­ter Prä­si­dent. „Wir müs­sen uns nicht in allem einig sein, aber es gibt zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten, unsere Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten auf demo­kra­ti­sche und recht­mä­ßige Weise zum Aus­druck zu brin­gen.“
  • „Das sollte uns eine War­nung sein, wohin zuneh­men­der Groll und Aggres­si­vi­tät in der Gesell­schaft füh­ren kön­nen“, sagte der tsche­chi­sche Prä­si­dent Petr Pavel.
  • Die schei­dende slo­wa­ki­sche Prä­si­den­tin Zuz­ana Čapu­tová rief dazu auf: „Die hass­erfüllte Rhe­to­rik, die wir in der Gesell­schaft beob­ach­ten, führt zu hass­erfüll­ten Taten. Bitte lasst uns damit auf­hö­ren.“

Bereits mehr als ein Jahr zuvor hatte UN-Gene­ral­se­kre­tär Antó­nio Guter­res in einer Rede auf dem zwei­ten Gip­fel­tref­fen für Demo­kra­tie vor dem glei­chen Pro­blem gewarnt: „Der zivil­ge­sell­schaft­li­che Raum wird immer wei­ter ein­ge­engt. Die Mei­nungs­frei­heit befin­det sich im freien Fall. Anders­den­kende Stim­men wer­den zum Schwei­gen gebracht. Von Kri­sen heim­ge­sucht, las­sen sich die Men­schen leicht von Ver­spre­chun­gen ein­fa­cher Lösun­gen ver­füh­ren. Die Pola­ri­sie­rung wird durch die sozia­len Medien noch ver­stärkt. Irra­tio­na­li­tät brei­tet sich unge­hin­dert aus.“

Der UN-Gene­ral­se­kre­tär erklärte, die Welt leide unter einem schwe­ren Ver­trau­ens­de­fi­zit. „Die Men­schen ver­lie­ren das Ver­trauen in poli­ti­sche Insti­tu­tio­nen, die Pola­ri­sie­rung nimmt zu und der Popu­lis­mus ist auf dem Vor­marsch“, sagte Guter­res. Falsch- und Des­in­for­ma­tio­nen ver­gif­te­ten den öffent­li­chen Dis­kurs, pola­ri­sier­ten Gemein­schaf­ten und unter­gru­ben das Ver­trauen in Insti­tu­tio­nen.

Lei­der geht der Ver­trau­ens­ver­lust in Insti­tu­tio­nen und der Ver­fall der zivi­len Debatte mit einem Miss­trauen gegen­über Fak­ten ein­her. Die Wis­sen­schaft ist zu einem offen­sicht­li­chen Ziel gewor­den und hat wäh­rend der Corona-Pan­de­mie beson­ders stark gelit­ten. Doch schon vor der Pan­de­mie hatte die per­sön­li­che Erfah­rung, ver­stärkt durch die Algo­rith­men der sozia­len Medien, eine neue Bedeu­tung erlangt. In einem Inter­view mit der „Washing­ton Post“ im Jahr 2018 fasste US-Prä­si­dent Trump diese Ver­än­de­rung prä­gnant zusam­men: „Ich habe ein Bauch­ge­fühl, und mein Bauch­ge­fühl sagt mir manch­mal mehr, als mir der Ver­stand eines ande­ren jemals sagen könnte.“

Für die eine Hälfte der US-Bür­ger erscheint diese Aus­sage absurd. Für die andere Hälfte hin­ge­gen ergibt sie voll­kom­men Sinn. Diese Spal­tung ist bezeich­nend für die neue Ära, in der per­sön­li­che Erfah­run­gen für Mil­lio­nen von Men­schen mehr Gewicht haben als Fak­ten. Hinzu kommt, dass Trump und Poli­ti­ker wie er gleich­zei­tig stark miss­trau­isch beäugt und mit gro­ßem Ver­trauen bedacht wer­den – es kommt ein­fach dar­auf an, auf wel­cher Seite des poli­ti­schen Spek­trums man steht.

Obwohl Trump als Aus­hän­ge­schild für „alter­na­tive Fak­ten“ gilt, ist die­ser Trend welt­weit zu beob­ach­ten. Diese neue Welt des „Bauch­ge­fühls“ ist geprägt von einem beun­ru­hi­gen­den Rück­gang des Respekts vor der objek­ti­ven Wahr­heit. Dies führt dazu, dass Bür­ger die Motive ihrer Füh­rungs­kräfte und Orga­ni­sa­tio­nen, ins­be­son­dere im öffent­li­chen Raum, hin­ter­fra­gen. Laut dem Bericht „Jour­na­lism, Media and Tech­no­logy Trends and Pre­dic­tions 2024“ des Reu­ters Insti­tute ver­an­lasst die­ser Ver­trau­ens­wan­del die Men­schen dazu, Ant­wor­ten an neuen, weni­ger ver­trau­ens­wür­di­gen Orten zu suchen. Der Bericht führt aus: „Der toxi­sche Cha­rak­ter vie­ler Gesprä­che über Nach­rich­ten und Poli­tik hat viele Men­schen in pri­vate Räume wie Mes­sa­ging-Apps getrie­ben. Dies hat zur Folge, dass die offe­ne­ren Platt­for­men mit noch unre­prä­sen­ta­ti­ve­ren und pro­ble­ma­ti­sche­ren Inhal­ten kon­fron­tiert sind.“

Hinzu kom­men der Auf­stieg der künst­li­chen Intel­li­genz (KI), die fast ohne erkenn­bare Mani­pu­la­tion die Wahr­heit ver­zer­ren kann, sowie die Tat­sa­che, dass soziale Medien von Fehl­in­for­ma­tio­nen und Des­in­for­ma­tio­nen wim­meln, wäh­rend eine extreme poli­ti­sche Pola­ri­sie­rung herrscht. Damit haben wir das per­fekte Rezept für eine häss­li­che und gefähr­li­che gesell­schaft­li­che Debatte.

Das Pro­blem scheint in einem Teu­fels­kreis gefan­gen zu sein. Wenn das Ver­trauen in öffent­li­che Insti­tu­tio­nen schwin­det, wird der gesell­schaft­li­che Dis­kurs ver­gif­tet. Und wenn der gesell­schaft­li­che Dis­kurs ver­gif­tet ist, schwin­det das Ver­trauen in öffent­li­che Insti­tu­tio­nen. Der ein­zige Aus­weg besteht darin, die­sen Kreis­lauf zu durch­bre­chen. Das ist jedoch schwie­rig, solange Social-Media-Unter­neh­men zulas­sen, dass alter­na­tive Fak­ten, „Bauch­ge­fühle“, Unwahr­hei­ten und Lügen geteilt und ver­brei­tet wer­den. Dadurch ent­steht bei den Bür­gern der Ein­druck, dass es bei jeder Debatte nur zwei Sei­ten gibt, kaum Nuan­cen oder Grau­zo­nen, und dass sie sich für eine Seite ent­schei­den und diese mit Leib und Seele ver­tei­di­gen müss­ten. Abwei­chende Stim­men wer­den igno­riert oder sogar zum Schwei­gen gebracht.

Dies führt zudem dazu, dass sich große Teile der Gemein­schaft ver­wirrt und aus­ge­grenzt füh­len. Die­je­ni­gen, die sich nicht auf ihre Intui­tion ver­las­sen, fra­gen sich, wem sie ver­trauen kön­nen und wo die Wahr­heit tat­säch­lich liegt. Wie soll eine leb­hafte öffent­li­che Debatte ent­ste­hen, wenn Men­schen, die ihre Mei­nung äußern, regel­mä­ßig dif­fa­miert oder aus­ge­grenzt wer­den?

Was ist aus der guten öffent­li­chen Debatte gewor­den?

Wir ver­dan­ken es dem grie­chi­schen Phi­lo­so­phen Sokra­tes, dass er der anti­ken Welt die Kunst der öffent­li­chen Debatte als Mit­tel zur Lösung drän­gen­der gesell­schaft­li­cher Pro­bleme näher­ge­bracht hat. Es ist gut belegt, dass sich im anti­ken Grie­chen­land Män­ner, die die Kunst der Argu­men­ta­tion beherrsch­ten, auf Stadt­plät­zen und in Amphi­thea­tern ver­sam­mel­ten, um sich gegen­sei­tig ins Gesicht zu sehen und die mora­li­schen und poli­ti­schen Fra­gen ihrer Zeit zu erör­tern. Pla­ton und Aris­to­te­les ver­lie­hen die­sen Ver­fah­ren eine gewisse For­ma­li­tät und führ­ten struk­tu­rier­tere Debat­tier­prak­ti­ken ein. Dazu gehörte der Aus­tausch von Fra­gen und Ant­wor­ten zwi­schen den Geg­nern – oder, in der heu­ti­gen Debat­tier­ter­mi­no­lo­gie, Argu­men­ta­tion und Gegen­ar­gu­men­ta­tion. In Aris­to­te­les’ Vor­stel­lung war diese Art der Inter­ak­tion zwi­schen Men­schen mit kon­kur­rie­ren­den Ansich­ten oder Inter­es­sen ein Mit­tel, um Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zu ent­schär­fen und bes­sere Bezie­hun­gen zu för­dern.

Da Men­schen nun ein­mal Men­schen sind, wurde im Laufe der Zeit deut­lich, dass es bei öffent­li­chen Debat­ten nicht immer darum ging, die bes­ten Lösun­gen zu fin­den. Für man­che wurde es zu einer Art Sport. Zwie­lich­tige Show­män­ner, die in der Kunst der Dar­bie­tung geschult waren, began­nen zu debat­tie­ren – nur um zu gewin­nen. Als die bür­ger­li­chen Debat­ten im alten Rom also ihre Blü­te­zeit erleb­ten, waren die Phi­lo­so­phen Cicero und Quin­ti­lian damit beschäf­tigt, die Öffent­lich­keit davon zu über­zeu­gen, dass gute Red­ner sowohl die Kunst der Über­zeu­gung beherr­schen als auch einen unta­de­li­gen Cha­rak­ter haben müs­sen.

Auch im alten Indien und China ent­wi­ckel­ten sich Kul­tu­ren, die leb­hafte öffent­li­che Debat­ten för­der­ten. Im Mit­tel­al­ter waren bür­ger­li­che Debat­ten ein cha­rak­te­ris­ti­sches Merk­mal christ­li­cher Gelehr­ten­kreise. Durch die Ent­ste­hung und das Wachs­tum der Uni­ver­si­tä­ten wurde die­ser Trend noch ver­stärkt. Im 7. Jahr­hun­dert begrün­dete der Islam seine eige­nen kul­tu­rel­len Debat­ten­tra­di­tio­nen, die theo­lo­gi­sche Fra­ge­stel­lun­gen in den Mit­tel­punkt stell­ten.

Abge­se­hen davon, dass Debat­tie­ren als Sport betrie­ben wird, zieht sich ein roter Faden durch diese facet­ten­rei­che Geschichte: das klare Ziel, die Ansich­ten ande­rer zu berück­sich­ti­gen und zu hin­ter­fra­gen, um gemein­sam ein Ergeb­nis zu erzie­len, das der Gesell­schaft zugu­te­kommt. Ein wei­te­rer Schwer­punkt liegt auf der Kunst des kri­ti­schen Den­kens und der Über­zeu­gungs­kraft.

Mit dem Wachs­tum der Demo­kra­tien wuchs jedoch auch die Par­tei­po­li­tik und legte damit den Grund­stein für spal­tende Debat­ten, die auf der Ein­hal­tung der Par­tei­li­nie und auf Wahl­kampf­ma­nö­vern beruh­ten. Dies führte zu einer Ent­wick­lung, vor der der US-Grün­der­va­ter James Madi­son bereits Ende des 18. Jahr­hun­derts gewarnt hatte. In Fede­ra­list Paper Nr. 10 weist Madi­son dar­auf hin, dass die große Gefahr in der Demo­kra­tie der Frak­ti­ons­kampf ist, also dass sich Par­teien bil­den und mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren, um an die Hebel der Macht zu gelan­gen und ihre Agenda durch­zu­set­zen. Und genau das hat sich in den poli­ti­schen Pro­zes­sen von Demo­kra­tien oder soge­nann­ten Demo­kra­tien fest­ge­setzt – hier liegt der Ursprung des Gif­tes.

Dies erklärt zum Teil die heu­tige Situa­tion, in der die Poli­tik welt­weit so pola­ri­siert ist wie nie zuvor. Der Ort, an dem wir heute unsere öffent­li­chen Beschwer­den äußern, ist nicht mehr der kleine, per­sön­li­che Markt­platz von einst, auf dem Gleich­ge­sinnte mit bür­ger­li­chem Enga­ge­ment debat­tier­ten. Viel­mehr ist es ein glo­ba­ler, vir­tu­el­ler Markt­platz mit ver­steck­ten Ecken und anony­men Red­nern, die ohne nen­nens­werte Ein­schrän­kun­gen oder Kon­trolle sagen kön­nen, was sie wol­len.

Es steht außer Frage, dass das Inter­net und die sozia­len Medien viele Vor­teile bie­ten. Die meis­ten von uns ken­nen min­des­tens ein Paar, das sich online ken­nen­ge­lernt hat. Wir alle haben in den letz­ten 24 Stun­den wahr­schein­lich das Inter­net genutzt, um nach Infor­ma­tio­nen zu suchen. Eine Freun­din, die sich einer Brust­krebs­be­hand­lung unter­zieht, erzählte mir kürz­lich von der gro­ßen Unter­stüt­zung, die sie in Online-Com­mu­ni­ties erfah­ren hat. Andere Betrof­fene hal­fen ihr bei der Aus­wahl von Chir­ur­gen und Täto­wie­rern und stan­den ihr bei, die­sen unglaub­lich emo­tio­na­len und schwie­ri­gen Weg zu meis­tern. Das hat ihr Leben buch­stäb­lich ver­än­dert.

Doch genau in die­sem öffent­li­chen Raum herr­schen Algo­rith­men. Dort kön­nen Lügen und Ver­schwö­rungs­theo­rien in Silos und Echo­kam­mern ver­stärkt wer­den. Dort bedro­hen Fehl­in­for­ma­tio­nen und Des­in­for­ma­tio­nen den öffent­li­chen Dis­kurs so sehr, dass die Pola­ri­sie­rung gefähr­lich Fuß gefasst hat und der Ruf „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ laut­stark erklingt. In die­ser trü­ben Arena fehlt es an Höf­lich­keit. Die Men­schen suchen sich eine Ecke aus, errich­ten Bar­ri­ka­den aus „alter­na­ti­ven Fak­ten“, die auf ihren „Recher­chen“ basie­ren, und feu­ern Geschosse aus Galle und Ver­ach­tung ab, ohne auch nur bereit zu sein, sich eine meta­pho­ri­sche Brü­cke über die Kluft der Mei­nun­gen vor­zu­stel­len. In die­sem Umfeld bro­delt die Skep­sis, Zwei­fel wer­den ver­stärkt und Angst macht sich breit.

Eine Stu­die der Yale Uni­ver­sity zeigt, dass das von Social-Media-Platt­for­men ein­ge­rich­tete Beloh­nungs­sys­tem, das zu Likes und Kom­men­ta­ren anregt, dazu führt, dass Nut­zer oft kaum dar­auf ach­ten, was sie tei­len. Dadurch wird die Menge der ver­brei­te­ten Falsch­in­for­ma­tio­nen erheb­lich ver­grö­ßert. Das war für die For­schungs­ge­mein­schaft im Bereich Falsch­in­for­ma­tio­nen ein ziem­li­cher Schock. Denn sie konn­ten nach­wei­sen, dass Men­schen, die gewohn­heits­mä­ßig Inhalte tei­len, jede Art von Infor­ma­tion wei­ter­ge­ben, weil ihnen der Inhalt egal ist. Alles, was sie inter­es­siert, sind Likes und Auf­merk­sam­keit.

Soziale Medien sind zwar ein groß­ar­ti­ges Mit­tel, um Kon­takte zu knüp­fen und Infor­ma­tio­nen aus­zu­tau­schen. Doch wir müs­sen uns auch ihrer Gren­zen und Gefah­ren bewusst sein. Es gibt viel Raum für Ver­zer­run­gen und Unwahr­hei­ten und das, was wir sehen, ent­spricht oft über­haupt nicht der Rea­li­tät. Einige Men­schen bezie­hen ihre Infor­ma­tio­nen aus­schließ­lich aus sozia­len Medien, ohne sich jemals mit den Fak­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen. Sind ihre „Recher­chen” feh­ler­haft, sind auch ihre Argu­mente schwach, unin­for­miert und unaus­ge­wo­gen – und manch­mal sogar gefähr­lich. Dann ent­bren­nen unhöf­li­che Debat­ten, die auf fal­schen Bewei­sen und Lügen basie­ren. Wir müs­sen dies als das erken­nen, was es ist.

In die­sem ange­spann­ten Online-Raum ist es beson­ders für Frauen, Men­schen mit einem viel­fäl­ti­gen kul­tu­rel­len Hin­ter­grund oder indi­ge­ner Her­kunft sowie Ange­hö­rige der LGBTQIA+-Gemeinschaften schwie­rig, Gehör zu fin­den, da sie uner­bitt­lich ins Visier genom­men wer­den. Man­che haben zu viel Angst, sich zu äußern, aus Furcht, wegen ihrer Ansich­ten öffent­lich bloß­ge­stellt zu wer­den, Ziel­scheibe bös­ar­ti­ger Shit­s­torms zu wer­den oder im ande­ren Extrem­fall „gecan­celt“ zu wer­den.

Der Hass im Inter­net hat sol­che Aus­maße ange­nom­men, dass viele Medi­en­un­ter­neh­men ihre Kom­men­tar­be­rei­che deak­ti­viert haben. In einem Inter­view mit ABC News beklagte die ame­ri­ka­ni­sche Autorin und Sozi­al­kom­men­ta­to­rin Roxane Gay den Zustand des öffent­li­chen Raums. „Je älter ich werde, desto weni­ger Tole­ranz habe ich dafür, schlecht behan­delt zu wer­den“, sagte Gay. „Und ich wünschte, wir hät­ten ein höhe­res Niveau im öffent­li­chen Dis­kurs. Ich wünschte, wir könn­ten unter­schied­li­cher Mei­nung sein, ohne dass es zu Beschimp­fun­gen kommt. Ich wünschte, ich könnte eine Mei­nung haben, ohne dass mir jemand sagt, ich sei häss­lich. Was hat das mit dem zu tun, was ich gesagt habe?“

Julie Inman Grant, Aus­tra­li­ens Beauf­tragte für Inter­net­si­cher­heit, die sich eini­gen der welt­weit größ­ten und mäch­tigs­ten Unter­neh­men wegen deren nach­läs­si­ger Hal­tung gegen­über der Online-Sicher­heit ent­ge­gen­stellt, sagt, dass sexua­li­sier­ter Miss­brauch von Frauen im Inter­net weit ver­brei­tet ist. „Wenn sich Frauen an uns wen­den, dann sind sie oft mit Mord­dro­hun­gen, Doxing, Ver­ge­wal­ti­gungs­dro­hun­gen und der Ver­brei­tung expli­zi­ter Inhalte von ihnen ohne deren Ein­wil­li­gung kon­fron­tiert“, so Grant. Die Tak­ti­ken mögen vari­ie­ren, aber das Ziel ist oft das­selbe: Sie sol­len ein­ge­schüch­tert wer­den, damit sie schwei­gen und sich unter­wer­fen. Wenn wir nicht wol­len, dass die Stim­men von Frauen aus dem Inter­net ver­drängt wer­den, müs­sen wir sie schüt­zen.“

Unter­su­chun­gen zur Online-Sicher­heit haben erge­ben, dass jede dritte Frau in Deutsch­land im beruf­li­chen Umfeld bereits Online-Beläs­ti­gun­gen aus­ge­setzt war. Auf­grund die­ser Beläs­ti­gun­gen fuh­ren viele von ihnen ihre öffent­li­che Prä­senz zurück. Wenn Frauen auf­hö­ren zu spre­chen, ver­lie­ren sie ihre Für­spra­che, ihre Hand­lungs­fä­hig­keit und ihre Stimme.

Auch Nata­lie Har­vey, Geschäfts­füh­re­rin der Frauen- und Life­style-Web­site Mama­mia, macht sich Sor­gen über die Ent­wick­lung der Social-Media-Land­schaft. „Als Meta in Kanada Nach­rich­ten­in­halte deak­ti­vierte, wur­den diese durch poli­ti­sche Inhalte ersetzt, die nicht auf ihre Rich­tig­keit über­prüft wur­den. Statt­des­sen beka­men wir poli­ti­sche Bei­träge von Influen­cern zu sehen. Was bedeu­tet das für unse­ren öffent­li­chen Raum?“, fragt Har­vey.

Lei­der wird es auf den Social-Media-Platt­for­men immer mehr zur Nor­ma­li­tät, dass Men­schen unin­for­mierte Mei­nun­gen als Nach­rich­ten prä­sen­tiert bekom­men. Es ist heute wich­ti­ger denn je, ver­trau­ens­wür­dige und regu­lierte Nach­rich­ten­quel­len auf den Platt­for­men zu eta­blie­ren. Denn ohne diese wird sich die Flut an Falsch­in­for­ma­tio­nen wei­ter aus­brei­ten.

Zudem gibt es im Inter­net eine Flut von Geschrei und Pro­vo­ka­tio­nen, sodass es schwer­fällt, zu ent­schei­den, wem man glau­ben soll. Die Insti­tu­tio­nen, die frü­her die Auf­gabe hat­ten, den Lärm zu sor­tie­ren und uns über die Fak­ten zu infor­mie­ren, haben in die­sem zer­split­ter­ten öffent­li­chen Raum an Bedeu­tung ver­lo­ren.

Unter­su­chun­gen des Pew Rese­arch Cen­ters in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zei­gen, dass die Ame­ri­ka­ner davon aus­ge­hen, dass das Miss­trauen gegen­über ande­ren in den kom­men­den Jah­ren wei­ter zuneh­men und das Ver­trauen in Insti­tu­tio­nen wei­ter sin­ken wird. Dies würde zu einer Zukunft füh­ren, in der sich die Grä­ben ver­tie­fen, der Zynis­mus sprung­haft ansteigt, sich die Men­schen zuneh­mend ent­frem­den, von den tat­säch­li­chen Hand­lun­gen der Poli­ti­ker ablen­ken las­sen und sich immer mehr aus dem wich­ti­gen gesell­schaft­li­chen Dis­kurs zurück­zie­hen. Das sollte uns hin­sicht­lich der Fol­gen für die Demo­kra­tie und den sozia­len Zusam­men­halt alle beun­ru­hi­gen.

Wie man eine leb­hafte öffent­li­che Debatte führt, ohne dabei seine Grund­sätze zu ver­ra­ten

Unsere gesell­schaft­li­che Debatte könnte anders aus­se­hen, aber wir müs­sen uns bewusst dafür ent­schei­den. Zunächst müs­sen wir uns fra­gen, wel­che Art von Gesell­schaft wir auf­bauen wol­len. Ein gewis­ses Maß an Miss­trauen ist gesund. Skep­sis an sich ist nichts Schlech­tes. Eine Debatte för­dert natur­ge­mäß mehr als nur eine Sicht­weise. Wenn sich die Men­schen jedoch nicht auf grund­le­gende Fak­ten eini­gen kön­nen oder kei­nen Ort fin­den, dem sie ver­trauen kön­nen, wie kön­nen wir dann einen gemein­schafts­ori­en­tier­ten Weg fin­den, um die drän­gen­den Pro­bleme unse­rer Zeit anzu­ge­hen?

Eine öffent­li­che oder for­melle Debatte sollte eine kon­struk­tive und respekt­volle Mög­lich­keit bie­ten, die Ansich­ten ande­rer anzu­hö­ren und gleich­zei­tig die eige­nen Beden­ken oder Mei­nun­gen zu äußern. Sie sollte dazu bei­tra­gen, Kon­flikte zu lösen, statt sie zu schü­ren. Wir müs­sen nicht alle einer Mei­nung sein, aber wir soll­ten in der Lage sein, The­men zu dis­ku­tie­ren, ohne dass es zu Demü­ti­gun­gen oder per­sön­li­chen Angrif­fen kommt.

Wir alle ver­trauen auf das, was wir bereits wis­sen, und Algo­rith­men ser­vie­ren uns immer mehr davon. Das mag sicher erschei­nen, doch wir müs­sen erken­nen, dass es unge­sund sein kann, nur das zu lesen, womit wir über­ein­stim­men. Statt in unse­ren eige­nen digi­ta­len Bla­sen zu leben, soll­ten wir bewusst nach Infor­ma­tio­nen suchen, die unsere Mei­nun­gen hin­ter­fra­gen und uns dabei hel­fen, uns in andere hin­ein­zu­ver­set­zen, die anders den­ken. Wir müs­sen bereit sein, auch die andere Seite zu sehen. Wir brau­chen auch einen leben­di­gen zivil­ge­sell­schaft­li­chen Raum, der Platz für Nuan­cen und gegen­sätz­li­che Ansich­ten bie­tet. So kön­nen auf der Grund­lage gemein­sa­mer Werte wie Ehr­lich­keit, Wohl­wol­len und Offen­heit Brü­cken gebaut wer­den, anstatt dass durch eng­stir­nige Ein­zel­mei­nun­gen Grä­ben ent­ste­hen. Zudem sind starke Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen not­wen­dig, die den Bür­gern bei­brin­gen, kri­tisch zu den­ken, Gele­se­nes zu hin­ter­fra­gen, nach Fak­ten zu suchen und Ideen auf zivi­li­sierte und auf­ge­schlos­sene Weise aus­zu­tau­schen. Der Schwer­punkt sollte dabei auf guter Recher­che und Debatte lie­gen.

Demo­kra­ti­sche Medien und deren Mit­ar­bei­ter sind dazu da, Dis­kus­sio­nen über die wich­tigs­ten The­men des Tages auf eine Weise anzu­re­gen, die infor­miert, auf­klärt und wei­ter­bil­det. Sicher, sie hören stän­dig schrille Vor­würfe der Vor­ein­ge­nom­men­heit, Dumm­heit und Inkom­pe­tenz von Leu­ten, denen nicht gefällt, wor­über berich­tet wird – manch­mal sogar von bei­den Sei­ten –, aber das lässt uns nicht von unse­rer wich­ti­gen Auf­gabe ablen­ken. Sen­der wie ARD, ZDF, RTL und Co. spie­len eine ent­schei­dende Rolle in unse­rer Demo­kra­tie. Sie sor­gen dafür, dass die Stimm­lo­sen eine Stimme erhal­ten, die Mäch­ti­gen zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den und die Fak­ten über das laute Durch­ein­an­der gestellt wer­den, das heute als „Nach­rich­ten“ gilt.

Ebenso soll­ten wir alle – Exper­ten, Poli­ti­ker und Bür­ger – erwar­ten, dass in öffent­li­chen Debat­ten nicht auf per­sön­li­che Angriffe zurück­ge­grif­fen wird, son­dern dass auf der Grund­lage von Fach­wis­sen und Erfah­rung fun­diert dis­ku­tiert wird. Wie sonst kön­nen wir einen Kon­sens in den gro­ßen Fra­gen unse­rer Zeit errei­chen? Die Kli­ma­po­li­tik bei­spiels­weise wird durch Schlamm­schlach­ten und Fehl­in­for­ma­tio­nen behin­dert. In vie­len Län­dern haben Kli­ma­kriege die Poli­tik im letz­ten Jahr­zehnt domi­niert, obwohl das Land von mas­si­ven Busch­brän­den heim­ge­sucht wurde und Städte durch die schlimms­ten Über­schwem­mun­gen seit einem Jahr­hun­dert aus­ge­löscht wur­den. Wäh­rend­des­sen fehlte es weit­ge­hend an einer zivi­li­sier­ten Debatte und die Pola­ri­sie­rung war all­ge­gen­wär­tig.

Der ein­zige gang­bare Weg nach vorn in Bezug auf den Kli­ma­wan­del und die vie­len ande­ren The­men, die uns der­zeit beschäf­ti­gen, besteht darin, dass wir alle über die Par­tei­po­li­tik hin­aus­wach­sen, die Inter­es­sen­grup­pen und ihren Ein­fluss auf die Debatte iden­ti­fi­zie­ren, die Fak­ten klar­stel­len und respekt­voll mit­ein­an­der spre­chen – getrie­ben vom Wunsch nach Lösun­gen.

Ein wei­te­rer Schritt wäre die Ein­rich­tung von Bür­ger­ver­samm­lun­gen, in denen sich infor­mierte Bür­ger tref­fen, um zu dis­ku­tie­ren, sich aus­zu­tau­schen und der Regie­rung anschlie­ßend Emp­feh­lun­gen aus­zu­spre­chen. Dies würde die gesell­schaft­li­che Debatte und die Demo­kra­tie stär­ken. Das Haupt­ziel die­ser Ver­samm­lun­gen besteht darin, sich zu infor­mie­ren, ein aus­ge­wähl­tes Thema gründ­lich zu erör­tern und eine Reihe von Emp­feh­lun­gen vor­zu­le­gen. Es gibt bereits her­vor­ra­gende Bei­spiele in Bel­gien, Kanada, Island und dem Ver­ei­nig­ten König­reich. Erstaun­lich an den Prak­ti­ken der deli­be­ra­ti­ven Demo­kra­tie ist, dass sich die Mei­nung der Men­schen tat­säch­lich ändert und sie die Inter­es­sen und Beweg­gründe ande­rer ver­ste­hen ler­nen.

Könn­ten wir noch einen Schritt wei­ter­ge­hen und eine Online-Bür­ger­ver­samm­lung ins Leben rufen? Es könnte sich um einen digi­ta­len Raum han­deln, in dem gut vor­be­rei­tete Bür­ger ihre Gedan­ken dar­le­gen und eine leb­hafte Debatte füh­ren kön­nen – sprich: zuhö­ren und ler­nen – und in dem das Publi­kum die Ergeb­nisse lesen und dar­auf reagie­ren kann. In gewis­ser Weise war X frü­her ein­mal so etwas. Könn­ten wir das bewusst und gezielt neu gestal­ten, um die Demo­kra­tie zu stär­ken?

Staat­li­che Insti­tu­tio­nen und Medien spie­len zwei­fel­los eine wich­tige Rolle bei der Ver­bes­se­rung des gesell­schaft­li­chen Dis­kur­ses. Sie müs­sen trans­pa­rent und inklu­siv han­deln, ihre Vor­ein­ge­nom­men­heit offen­le­gen und bereit sein, Feh­ler ein­zu­ge­ste­hen. Zudem müs­sen sie allen Tei­len der Öffent­lich­keit auf­merk­sam zuhö­ren. Denn was nützt es, wenn die Medien Gier und Kor­rup­tion auf­de­cken, die Mäch­ti­gen zur Rechen­schaft zie­hen und „dem Geld nach­ge­hen“, wenn ihnen nie­mand glaubt?

„Um die Kraft der Demo­kra­tie zu nut­zen, müs­sen wir ihre Schutz­me­cha­nis­men stär­ken“, sagt Antó­nio Guter­res.

Er meint damit, in einen neuen Gesell­schafts­ver­trag zwi­schen Regie­rung und Bevöl­ke­rung zu inves­tie­ren, um Ver­trauen und sozia­len Zusam­men­halt wie­der­her­zu­stel­len, das Sys­tem der gegen­sei­ti­gen Kon­trolle zu stär­ken, Ungleich­hei­ten und Kor­rup­tion zu bekämp­fen, Bil­dung Vor­rang ein­zu­räu­men, Chan­cen zu erwei­tern, in der digi­ta­len Welt Schutz­me­cha­nis­men ein­zu­rich­ten, um vor ihren Gefah­ren zu schüt­zen und gleich­zei­tig ihr Poten­zial aus­zu­schöp­fen, sowie die Uni­ver­sa­li­tät aller Men­schen­rechte – bür­ger­li­cher, kul­tu­rel­ler, wirt­schaft­li­cher, poli­ti­scher und sozia­ler – zu ver­wirk­li­chen.

Wir brau­chen einen zivil­ge­sell­schaft­li­chen Raum, einen fes­ten Boden unter den Füßen, einen Markt­platz, an dem Ideen geäu­ßert, geteilt und mit­ein­an­der kon­fron­tiert wer­den kön­nen, um auf ihre Trag­fä­hig­keit geprüft zu wer­den – ohne Angst vor Spott. Die­ser Raum muss von einem Min­dest­maß an Ver­trauen, Wahr­heit und Höf­lich­keit sowie von grund­le­gen­dem Anstand geprägt sein, damit Fake News, Influen­cer und Fehl­in­for­ma­tio­nen nicht zu unse­ren akzep­tier­ten Nor­men wer­den.

In einem sol­chen Raum sind harte Dis­kus­sio­nen und unter­schied­li­che Mei­nun­gen nicht aus­ge­schlos­sen, aber das ent­schei­dende Auf­kei­men von Ideen und Inno­va­tion wird geför­dert. Ein sol­cher Raum wird uns dabei hel­fen, das Zeit­al­ter des Zwei­fels hin­ter uns zu las­sen und eine Zukunft zu begrü­ßen, die zwar nach wie vor kom­plex, nuan­ciert und im stän­di­gen Wan­del begrif­fen ist, aber auch leben­dig, von Zusam­men­halt geprägt und demo­kra­tisch sein wird.

Der­zeit ist noch viel mehr Dis­kus­sion nötig.

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