Ein Migräneanfall ist mehr als nur „starke Kopfschmerzen“. Es handelt sich um eine belastende neurologische Erkrankung, die neben heftigen Kopfschmerzen auch Übelkeit, Erbrechen und Licht- oder Geräuschempfindlichkeit verursachen kann.
Rund acht Millionen Deutsche sind von Migräne betroffen, doch nur wenige kennen die verschiedenen Phasen eines Migräneanfalls. Das Wissen um die vier Phasen kann dabei helfen, die Symptome zu erkennen und die Schmerzen in jeder Phase besser zu behandeln.
Phase 01: Vorboten
Die erste Phase der Migräneentwicklung wird als Vorboten- oder Prodromalphase bezeichnet. Sie fungiert als Warnsignal und setzt 24 bis 48 Stunden vor dem eigentlichen Migräneanfall ein. Diese Phase steht in engem Zusammenhang mit dem Hypothalamus. Dieser Teil des Gehirns reguliert wichtige Funktionen wie Körpertemperatur, Appetit, Stimmung und Schlaf.
Bei einem Migräneanfall wird der Hypothalamus übermäßig aktiviert. Da er mit anderen Hirnregionen mit unterschiedlichen Funktionen verbunden ist, kann diese übermäßige Aktivierung auch deren Funktion beeinträchtigen. Mögliche Symptome sind Konzentrationsschwäche, Heißhunger, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit.
Werden diese frühen Anzeichen bemerkt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, einen Migräneanfall frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Phase 02: Aura
Die zweite Phase eines Migräneanfalls wird als Aura bezeichnet. Eine Aura geht mit verschiedenen neurologischen Symptomen einher, die das Sehvermögen, die Sprache oder die Empfindungsfähigkeit beeinträchtigen können. Am häufigsten treten visuelle Auren auf, die hauptsächlich das Sehvermögen betreffen. Zu den Symptomen gehören das Sehen von Lichtblitzen, wirbelnden Formen oder Gesichtsfeldausfällen. Eine sensorische Aura kann zu Taubheitsgefühlen oder Kribbeln im Gesicht oder in den Gliedmaßen führen. In schweren Fällen kann es sogar zu Sprachstörungen kommen.
Forschungen deuten darauf hin, dass ein Prozess namens „kortikale Ausbreitungsdepression” zu Aura-Symptomen beiträgt. Dabei breitet sich eine Welle elektrischer Aktivität langsam durch das Gehirn aus und beeinträchtigt die Funktion bestimmter Hirnregionen.
Nur etwa jeder dritte Mensch erlebt Migräne mit Aura.
Phase 03: Kopfschmerzen
Die dritte Phase eines Migräneanfalls ist von Kopfschmerzen geprägt. Betroffene verspüren dabei typischerweise einen pochenden oder pulsierenden Schmerz, der von Symptomen wie Übelkeit oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet wird. Unbehandelt dauert diese Phase in der Regel zwischen vier und 72 Stunden.
Wenn während eines Migräneanfalls verschiedene Hirnnetzwerke aktiviert werden, können neben Kopfschmerzen auch andere Symptome auftreten.
- Eine abnormale Aktivierung des verlängerten Marks bzw. des „Brechzentrums“ des Gehirns kann zu Übelkeit oder Erbrechen führen.
- Auch der Trigeminusnerv, der für die Empfindungen im Gesicht zuständig ist, kann abnormal aktiviert werden. Dies führt zur Freisetzung von Botenstoffen, die vom Gehirn als Schmerz wahrgenommen werden. Einer dieser Botenstoffe ist das Protein Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP). Einige injizierbare Migränemedikamente blockieren dieses Protein, um die Schmerzen zu lindern.
Phase 04: Postdrom
Die vierte und letzte Phase ist die sogenannte Postdromalphase, die auch als „Migräne-Kater“ bekannt ist. In dieser Erholungsphase arbeitet das Gehirn intensiv daran, seine normale Funktion wiederherzustellen. Deshalb kannst du dich nach einem Migräneanfall möglicherweise noch erschöpfter fühlen oder Konzentrationsschwierigkeiten haben.
Wie kann ich einen Migräneanfall also behandeln?
Bei vorhersehbaren Symptomen, insbesondere in der Vorwarnphase, ist es ratsam, Schmerzmittel oder Tabletten gegen Übelkeit dabeizuhaben. So kann man erste Anzeichen gleich behandeln. Zudem kann es hilfreich sein, sich auszuruhen, idealerweise bevor die Kopfschmerzphase einsetzt.
In der Auraphase kann die Einnahme von migränespezifischen Schmerzmitteln, wie beispielsweise Triptanen oder entzündungshemmenden Schmerzmitteln, den Beginn der Kopfschmerzphase verhindern.
Bei mehr als vier Migräneanfällen pro Monat kann die Einnahme vorbeugender Medikamente sinnvoll sein. In der Regel handelt es sich dabei um Tabletten, die täglich eingenommen werden und dazu beitragen, die Kopfschmerzen im normalen Bereich zu lindern. Alternativ stehen auch Injektionen zur Verfügung.
Schließlich solltest du die Postdromalphase nicht vernachlässigen. Wenn du dich in dieser Erholungsphase zu sehr anstrengst, können sich die Migräneattacken überlappen. Das bedeutet, dass eine Migräneattacke beginnt, bevor die vorherige vollständig abgeklungen ist. Überlappende Migräneattacken sind deutlich schwieriger zu behandeln.
Im Zusammenhang mit einem Migräneanfall können auch andere Symptome auftreten. Dazu gehören beispielsweise Schwindel, Nackenschmerzen oder Ohrensausen. Wenn du eines dieser zusätzlichen Symptome bemerken solltest, konsultiere bitte deinen Neurologen, um abzuklären, ob eine schwerwiegendere Grunderkrankung vorliegt.
Wenn du als Frau unter Migräne mit Aura leidest, sprich mit deinem Arzt, bevor du hormonelle Verhütungsmittel einnimmst. Denn für dich kommt möglicherweise eine andere Behandlung infrage als für Frauen ohne Aura-Symptome.
Wenn du die verschiedenen Phasen und Symptome einer Migräne verstehst, bist du besser gerüstet, um künftige Anfälle zu bewältigen.
