Viele Menschen sind sich einig, dass es gesund ist, mit seinen Gefühlen in Kontakt zu stehen. Ob sie dies jedoch regelmäßig tun, ist eine andere Frage. Doch wie sieht es mit dem Kontakt zu Emotionen aus? Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, sind Emotionen und Gefühle zwei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Phänomene.
- Emotionen entstehen als Empfindungen im Körper
- Gefühle werden zwar von unseren Emotionen beeinflusst, entstehen aber aus unseren mentalen Gedanken
Schauen wir uns einige Beispiele an: Sie bemerken das Gefühl des Unbehagens auf einer Party, wenn sich Ihr Magen zusammenzieht und Sie nur noch flach atmen. Ihr Verstand stuft dies dann als unangenehm ein, weil Sie vielleicht nicht viele Leute dort kennen oder gerade Ihren Ex-Freund gesehen haben. Eine andere Person könnte diese Erfahrung jedoch als aufregend empfinden, weil sie neue Leute kennenlernt oder ihren Ex wieder sieht.
Betrachten wir ein weiteres Beispiel für emotionale Bedrohung: Ein Tyrann reagiert möglicherweise mit Wut, da er sich dadurch gestärkt fühlt. Für ihn wäre es zu verletzlich, die Bedrohung als „Angst“ zu bezeichnen. Jemand, der kein Tyrann ist, reagiert im Gegensatz dazu möglicherweise mit einem Gefühl der Einschüchterung. Deshalb können Gefühle in derselben Situation von Person zu Person so unterschiedlich sein.
Warum ist der Unterschied zwischen Emotionen und Gefühlen wichtig?
Unsere Emotionen sind wie der Motor eines Autos, unsere Gefühle sind dessen Rahmen. Wer würde sein Auto tunen, ohne sich um den Motor zu kümmern? Das Gleiche gilt für unsere Emotionen: Sie können uns eine genauere Auskunft darüber geben, wie es uns gerade geht.
Emotionen sind die Rohdaten, eine Reaktion auf die gegenwärtige Realität. Gefühle können hingegen durch Geschichten, die wir aufgrund von Ereignissen in der Vergangenheit oder Ängsten vor der Zukunft in unserem Kopf konstruiert haben, verwässert werden – und diese Geschichten entsprechen nicht unbedingt der Wahrheit. Wenn wir auf unsere körperlichen Emotionen hören, die von unseren Sinneswahrnehmungen geprägt sind, können wir uns besser mit der Realität unserer gegenwärtigen Erfahrung verbinden, als wenn wir uns auf möglicherweise unzutreffende Geschichten stützen. Ausgehend von unserer Wahrheit können wir Entscheidungen treffen, die für uns richtig sind.
Wenn du in diesen mentalen Geschichten steckenbleibst (wie es den meisten Menschen von Zeit zu Zeit passiert), kannst du deine Gefühle besser einschätzen, indem du zunächst deine Emotionen identifizierst. Falls es dir schwerfällt, in deinem Körper zu sein, kannst du auch in die entgegengesetzte Richtung arbeiten: Mache dir zunächst dein mentales Gefühl bewusst und frage dich dann: „Woher weiß ich, dass dies wahr ist, basierend auf den Signalen meines Körpers?“ Wenn dir nicht klar ist, wie sich Emotionen in dir manifestieren, erkunde deine Empfindungen in verschiedenen Zuständen deines Nervensystems und vergleiche dabei Entspannung mit dem Kampf‑, Flucht- oder Erstarrungsmodus.
Das Erkennen und Reagieren auf eigene Emotionen ist eine gute Möglichkeit, Selbstbestimmung zu üben. Wenn du gelernt hast, auf deine Emotionen zu achten, kannst du direkt zur Quelle in deinem Körper gehen, um ausgeglichen zu bleiben. Dazu können Selbstberuhigungsübungen wie Atemübungen, Loslassen durch Bewegung, sich selbst umarmen oder sich von jemand anderem umarmen lassen sowie das Finden eines ruhigen Ortes gehören.
Wie man emotionale Bewusstheit entwickelt
Verbinde dich zunächst mit den viszeralen Botenstoffen in deinen Körper. Lege dann deine Hände auf diesen Bereich deines Körpers, beispielsweise auf das Herz oder den Bauch. Löse alle Muskelverspannungen, indem du dich entspannst und ausatmest. Frage dich, was deine Emotionen dir mitteilen möchten. Inwiefern könnten sie ein nützliches Signal für dich sein?
Gebe dann dem Gefühl einen Namen, das du mit deiner körperlichen Emotion verbindest. Atme diese Erkenntnis ein und aus – als Akt der Freundlichkeit und als Möglichkeit, das eigene Nervensystem zu regulieren. Achte anschließend darauf, ob du dich besser fühlen würdest, wenn du die Energie dieser Emotion durch Schütteln, Dehnen oder Seufzen loswirst. Probiere diese subtile, aber wirkungsvolle Übung regelmäßig aus.
Menschen, die ein Trauma erlebt haben, können emotional abgestumpfter sein. Indem sie sich langsam mit ihren rohen Emotionen verbinden, können sie beginnen, sie zu benennen und somit zu zähmen. Selbstakzeptanz hat eine enorme beruhigende Kraft, besonders wenn sie sanft und warmherzig ist. Für Menschen, die Angst vor großen Gefühlen haben, bedeutet die Arbeit mit ihren Empfindungen, dass sie eingreifen können, bevor diese sie überwältigen.
Emotionale Intelligenz hilft dir, in den gegenwärtigen Moment zurückzukehren. Du erdest dich in deinem Körper, schätzt deine Bedürfnisse ein, steuerst deine Reaktivität mit Selbstbestimmung und triffst überlegtere Entscheidungen. Emotionen sind eine innere Sprache, die stets nützliche Informationen liefert, damit du ausgeglichen und widerstandsfähig bleibst und dich von deiner besten Seite zeigen kannst.
