„Ich muss für das morgige Meeting fit sein.“ – „Ich muss in fünf Minuten einschlafen, um meine acht Stunden Schlaf zu bekommen.“ – „Ich werde diesen Fall nie zu Ende bringen.“ Wenn du dich hier wiedererkennst, solltest du weiterlesen. Australische Forscher haben nämlich einen Zusammenhang zwischen Perfektionismus und Schlaflosigkeit entdeckt.
Dazu analysierten sie die Persönlichkeit von 60 Freiwilligen mithilfe psychologischer Fragebögen und die Schlafqualität mithilfe eines Sensors, der am Körper getragen wurde. Dabei stellten sie fest, dass ein perfektionistisches Temperament mit weniger erholsamem Schlaf und Einschlafschwierigkeiten einhergeht. Das bedeutet, dass Menschen, die alles richtig machen wollen, unruhiger sind und mehr Zeit wach verbringen.
Perfektionismus hat viele Dimensionen. Dazu gehört beispielsweise die Tendenz, jeden Fehler zu dramatisieren oder die eigene Leistung ständig infrage zu stellen. Am schädlichsten scheint jedoch das Bedürfnis zu sein, Erwartungen zu erfüllen, die von außen als sehr hoch empfunden werden – sei es durch Mitmenschen, die Gesellschaft im Allgemeinen oder simple Gesundheitsratschläge wie „Schlafe acht Stunden am Tag“.
Wer besser schlafen möchte, sollte weniger perfektionistisch sein. Doch wie gelingt das? Die kognitive Verhaltenstherapie, eine der Standardbehandlungen bei Schlaflosigkeit, könnte in diesem Zusammenhang stärker zum Einsatz kommen. Auch die Botschaften zur Schlafqualität sollten flexibler gestaltet werden. Menschen zu sagen, dass sie zwischen sieben und neun Stunden schlafen sollten, ist zwar grundsätzlich richtig, kann Perfektionisten, die sehr sensibel auf soziale Vorschriften reagieren, jedoch ängstigen und am Schlafen hindern. Im Allgemeinen ist es wahrscheinlich wirksamer, ihnen zu sagen, dass alles in Ordnung ist, wenn sie eine Stunde mehr oder weniger schlafen.
