So über­win­dest du die vier Ängste, die dich zurück­hal­ten

Wir leben heute in einer Welt, in der unser Leben maß­geb­lich von Angst geprägt ist. Man spricht von einer vir­tu­el­len Angst­kul­tur, in der soziale und wirt­schaft­li­che Panik­ma­che sowie Cyber­mob­bing ein ver­gif­te­tes Umfeld schaf­fen. Unsere Welt erscheint so bedroh­lich, dass Schät­zun­gen von psych­ia­tri­schen Epi­de­mio­lo­gen zufolge über ein Drit­tel der Men­schen im Laufe ihres Lebens an dia­gnos­ti­zier­ba­ren Angst­stö­run­gen lei­den wird.

Damit sind Angst­stö­run­gen die häu­figste aller psy­chi­schen Erkran­kun­gen. Neben den weit ver­brei­te­ten Pho­bien (irra­tio­na­len Ängs­ten) wer­den in die­sem Arti­kel vier der tief­grei­fends­ten und belast­ends­ten Ängste beschrie­ben und es wer­den Wege auf­ge­zeigt, wie man sie mit­hilfe von Weis­hei­ten aus der Ver­gan­gen­heit und Erkennt­nis­sen der kogni­ti­ven Ver­hal­tens­the­ra­pie über­win­den kann.

Vier Ängste kön­nen dein Leben prä­gen

Angst ist ein urtüm­li­ches, über­le­bens­ori­en­tier­tes Gefühl, das durch die Wahr­neh­mung einer Bedro­hung aus­ge­löst wird. Sie ist mit der „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion ver­bun­den. Angst soll uns dabei hel­fen, Gefah­ren zu ver­mei­den. In die­sem Sinne kann sie also durch­aus nütz­lich sein. Doch manch­mal ent­wi­ckelt sie ein Eigen­le­ben, lähmt uns und ver­hin­dert, dass wir das Leben füh­ren kön­nen, das wir uns wirk­lich wün­schen.

Es gibt wahr­schein­lich vier Ängste, die nicht nur den All­tag, son­dern auch das gesamte wei­tere Leben beein­flus­sen kön­nen. Diese Ängste kön­nen dazu füh­ren, dass du spä­ter Dinge bereuen wirst.

  • Die Angst vor dem Schei­tern. Wie oft hast du im Leben schon etwas ver­mie­den, das du unbe­dingt tun woll­test, nur aus Angst vor dem Schei­tern? Indem du es gar nicht erst ver­sucht hast, bist du der Ent­täu­schung und sogar der Demü­ti­gung ent­gan­gen. Oder du hast etwas nur halb­her­zig ange­gan­gen, um im Falle eines Schei­terns sagen zu kön­nen: „Ich habe es ja gar nicht erst ver­sucht.“ Bes­ser, selbst zu schei­tern, als durch andere.
  • Die Angst vor Ableh­nung. Men­schen haben ein natür­li­ches Bedürf­nis nach Akzep­tanz. Wir sind soziale Wesen. Daher kann zwi­schen­mensch­li­che Ableh­nung beson­ders ver­let­zend sein. Um die­sen Schmerz zu ver­mei­den, bewer­ben wir uns viel­leicht nicht an der Schule oder im Job oder fra­gen nie­man­den nach einem Date. Die Angst vor Ableh­nung ist eine der Haupt­ur­sa­chen für Cyber­mob­bing und macht es so wir­kungs­voll und oft ver­hee­rend. Sie ver­lei­tet uns dazu, unser Glück anony­men Men­schen anzu­ver­trauen, die uns viel­leicht gar nicht ken­nen und denen wir gleich­gül­tig sind.
  • Die Angst vor Unge­wiss­heit. Wäh­rend einige Men­schen Unge­wiss­heit als auf­re­gend und moti­vie­rend emp­fin­den, ist sie für viele mit Stress ver­bun­den, da sie das Gefühl ver­mit­telt, die Kon­trolle zu ver­lie­ren. Um die­sem Stress zu ent­ge­hen, ent­wi­ckeln viele Men­schen vor­her­seh­bare, wenn nicht gar zwang­hafte Rou­ti­nen und suchen das Ver­traute, wäh­rend sie dem Drang wider­ste­hen, neue Erfah­run­gen zu sam­meln, neue Men­schen ken­nen­zu­ler­nen und sich per­sön­lich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.
  • Die Angst, etwas zu ver­pas­sen (FOMO). FOMO unter­schei­det sich von den drei vor­he­ri­gen Ängs­ten dadurch, dass sie einen nicht zurück­hält, son­dern das eigene Glück und Wachs­tum hemmt. FOMO kann dazu füh­ren, dass man Dinge tut, die man eigent­lich nicht tun möchte, oder unge­sunde Risi­ken ein­geht, nur um an einer Erfah­rung teil­zu­ha­ben.

Die vier Ängste über­win­den

Im Jahr 1933 befan­den sich die Ver­ei­nig­ten Staa­ten in einer Krise. Das Land steckte mit­ten in der Welt­wirt­schafts­krise und das Ban­ken­sys­tem stand kurz vor dem Zusam­men­bruch. Frank­lin D. Roo­se­velt war gerade zum Prä­si­den­ten gewählt wor­den. In sei­ner Antritts­rede am 4. März 1933 sagte er die berühm­ten Worte: „Zual­ler­erst möchte ich meine feste Über­zeu­gung bekräf­ti­gen, dass wir nur die Furcht selbst zu fürch­ten haben – jene namen­lose, unver­nünf­tige, unge­recht­fer­tigte Angst, die die not­wen­di­gen Anstren­gun­gen lähmt, den Rück­zug in einen Vor­marsch zu ver­wan­deln.“

Die stoi­schen Phi­lo­so­phen, die vor 2000 Jah­ren leb­ten, ver­tra­ten die Ansicht, dass Angst nicht durch die Situa­tio­nen selbst ent­steht, son­dern durch die eigene Inter­pre­ta­tion der eige­nen Hilf­lo­sig­keit und Ohn­macht in die­sen Situa­tio­nen. Epik­tet war ein grie­chi­scher Stoi­ker. Für ihn war der Stoi­zis­mus nicht nur eine Phi­lo­so­phie, son­dern eine prak­ti­sche Lebens­weise. Berühmt ist sein Aus­spruch: „Nicht die Dinge selbst beun­ru­hi­gen die Men­schen, son­dern ihre Ansich­ten dar­über.“ Der Stoi­zis­mus bil­det die Grund­lage für die spä­tere Ent­wick­lung kogni­ti­ver The­ra­pien.

Keh­ren wir also zu unse­ren vier Ängs­ten zurück. Wenn die Stoi­ker und die kogni­ti­ven Ver­hal­tens­psy­cho­lo­gen Recht haben, dann ist der innere Dia­log, also das, was du zu dir selbst sagst, von Bedeu­tung. Im Fol­gen­den sind einige Dinge auf­ge­führt, die du dir sagen kannst, wenn du dich die­sen Ängs­ten stellst.

  • Angst vor dem Schei­tern. „Alles, was es wert ist, erreicht zu wer­den, ist es auch wert, dabei zu schei­tern.“ „Schei­tern bedeu­tet nicht, etwas nicht erreicht zu haben, son­dern es gar nicht erst zu ver­su­chen.“ „Nur wenn ich es wage, ernst­haft zu schei­tern, werde ich jemals wirk­lich erfolg­reich sein.“
  • Angst vor Ableh­nung. „Ich wei­gere mich, mein Glück dem Wil­len oder den Lau­nen ande­rer zu über­las­sen.“ Wenn ich nicht frage, lau­tet die Ant­wort immer ‚nein‘.“
  • Angst vor Unge­wiss­heit und dem Unbe­kann­ten. „Wenn ich nicht bereit bin, das Unbe­kannte zu ris­kie­ren, muss ich mich mit dem Gewöhn­li­chen zufrie­den­ge­ben.“ „Was mich nicht umbringt, macht mich stär­ker.
  • Die Angst, etwas zu ver­pas­sen. „Es ist bes­ser, zu schät­zen, dass ich ein­zig­ar­tig bin, und mir vor­zu­stel­len, wer ich auf ein­zig­ar­tige Weise sein kann, als mein Leben damit zu ver­brin­gen, mich mit ande­ren zu ver­glei­chen, das zu wol­len, was sie wol­len, und das zu tun, was sie tun.“

Viel­leicht kön­nen wir uns von dem gro­ßen ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­sal­ge­lehr­ten Ben­ja­min Frank­lin inspi­rie­ren las­sen und zu dem Schluss kom­men, dass Furcht wie Schön­heit im Auge des Betrach­ters liegt. Abschlie­ßend noch ein Gedanke zum Bedau­ern. Stu­dien legen nahe, dass wir im Alter eher die Dinge bereuen, die wir gerne aus­pro­biert hät­ten, als die, die wir getan haben, wenn wir auf unser Leben zurück­bli­cken. Oder, um es mit den Wor­ten von Ben­ja­min Frank­lin zu sagen: „Letzt­end­lich bereuen wir nur die Chan­cen, die wir nicht genutzt haben, die Bezie­hun­gen, vor denen wir uns gefürch­tet haben, und die Ent­schei­dun­gen, die wir zu lange hin­aus­ge­zö­gert haben.“

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