Selbst der geringste Alko­hol­kon­sum ist schäd­lich

Jahr­zehn­te­lang gin­gen wis­sen­schaft­li­che Stu­dien davon aus, dass mäßi­ger Alko­hol­kon­sum für die Gesund­heit der meis­ten Men­schen bes­ser ist als gar kein Alko­hol und die Lebens­er­war­tung sogar erhö­hen kann. Eine neue Ana­lyse von mehr als 40 Jah­ren For­schung kommt jedoch zu dem Schluss, dass viele die­ser Stu­dien feh­ler­haft waren und das Gegen­teil der Fall ist. Dem­nach schützt täg­li­cher mäßi­ger Alko­hol­kon­sum nicht vor Herz­krank­hei­ten und ver­län­gert auch nicht die Lebens­er­war­tung. Bitte ent­schul­dige, wenn dein Alko­hol­kon­sum zum Teil von die­ser weit ver­brei­te­ten Über­zeu­gung und (bis­her) nütz­li­chen Ratio­na­li­sie­rung abhängt.

Eine neue, umfas­sende Stu­di­en­ana­lyse hat erge­ben, dass frü­here Schät­zun­gen zum Nut­zen eines mode­ra­ten Alko­hol­kon­sums für das Ster­be­ri­siko durch alle Ursa­chen (d. h. alle Krank­hei­ten ein­schließ­lich Herz­krank­hei­ten, Krebs, Infek­tio­nen und Ver­kehrs­un­fälle) auf­grund von Feh­lern im Stu­di­en­de­sign erheb­lich ver­zerrt waren. In den frü­he­ren Stu­dien wur­den viele Fak­to­ren, die das Ergeb­nis beein­flus­sen kön­nen, nicht berück­sich­tigt, bei­spiels­weise Alter, Geschlecht, wirt­schaft­li­cher Sta­tus sowie Lebens­stil­fak­to­ren wie kör­per­li­che Akti­vi­tät, Rau­chen und Ernäh­rung. Mit­hilfe einer Sta­tis­tik­soft­ware konn­ten wir diese Ver­zer­run­gen weit­ge­hend besei­ti­gen und ver­schie­dene Fak­to­ren, die die Ergeb­nisse ver­fäl­schen könn­ten, berück­sich­ti­gen. Dem­nach ist das Ster­be­ri­siko bei mäßi­gen Trin­kern, unab­hän­gig von der Todes­ur­sa­che, nicht redu­ziert.

Diese frü­he­ren Beob­ach­tungs­stu­dien konn­ten zwar mög­li­che Zusam­men­hänge oder Kor­re­la­tio­nen auf­zei­gen, sie waren jedoch auch irre­füh­rend und konn­ten keine Ursa­che-Wir­kungs-Bezie­hun­gen nach­wei­sen. Zudem wurde nicht berück­sich­tigt, dass viele leichte und mäßige Trin­ker andere gesunde Gewohn­hei­ten haben und Vor­teile genie­ßen. Die als Ver­gleichs­gruppe her­an­ge­zo­ge­nen Abs­ti­nenz­ler sind oft Per­so­nen, die den Alko­hol­kon­sum auf­ge­ge­ben haben, nach­dem sie gesund­heit­li­che Pro­bleme ent­wi­ckelt hat­ten.

Dies ist die bis­lang größte Stu­die, die den weit ver­brei­te­ten Glau­ben wider­legt, mäßi­ger Kon­sum von Wein oder ande­ren alko­ho­li­schen Geträn­ken sei gesund. Im Gegen­teil: Sie zeigt, dass das Risiko für zahl­rei­che Gesund­heits­pro­bleme und einen vor­zei­ti­gen Tod bei Frauen bereits ab weni­ger als zwei Glä­sern und bei Män­nern ab drei Glä­sern pro Tag deut­lich ansteigt. Diese Daten ergän­zen die Ergeb­nisse einer ande­ren gro­ßen Meta-Ana­lyse aus dem Jahr 2022, in der bri­ti­sche For­scher die gene­ti­schen und medi­zi­ni­schen Daten von fast 400.000 Men­schen ana­ly­siert hat­ten. Sie kamen zu dem Schluss, dass Alko­hol­kon­sum auf allen Ebe­nen mit einem erhöh­ten Risiko für Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen ver­bun­den ist.

Der Glaube, dass täg­li­cher Alko­hol­kon­sum die Gesund­heit för­dert, ent­stand in den 1980er Jah­ren, als das soge­nannte „fran­zö­si­sche Para­do­xon“ ent­deckt wurde. Die­ses legt nahe, dass die nied­ri­gen Raten von Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen bei fran­zö­si­schen Män­nern mit ihrem täg­li­chen Wein­kon­sum zusam­men­hän­gen. Obwohl spä­tere Ana­ly­sen Schwä­chen in der For­schung auf­zeig­ten, setzte sich die Vor­stel­lung durch, dass mäßi­ger Alko­hol­kon­sum die Gesund­heit ver­bes­sert. Vor allem Rot­wein erlangte den Ruf, gesund­heits­för­dernd zu sein, nach­dem in den Nach­rich­ten über sei­nen hohen Res­ver­at­rol-Gehalt berich­tet wurde. Res­ver­at­rol ist ein schüt­zen­des Anti­oxi­dans, das auch in Blau­bee­ren und Prei­sel­bee­ren ent­hal­ten ist.

Die Hypo­these, dass mode­ra­ter Alko­hol­kon­sum gesund­heits­för­dernd sei, wurde im Laufe der Jahre jedoch zuneh­mend infrage gestellt. Dies geschah, als die Rolle der Alko­hol­in­dus­trie bei der Finan­zie­rung von For­schungs­pro­jek­ten offen­sicht­lich wurde. Es zeigte sich, dass viele Stu­dien, die angeb­lich gesund­heits­för­dernde Wir­kun­gen von Alko­hol bele­gen, von der Alko­hol­in­dus­trie finan­ziert wor­den waren. In einem Bericht aus dem Jahr 2020 wurde fest­ge­stellt, dass 13.500 Stu­dien direkt oder indi­rekt von der Alko­hol­in­dus­trie finan­ziert wor­den waren. Gleich­zei­tig wurde in einer Reihe ande­rer Stu­dien fest­ge­stellt, dass selbst mäßi­ger Alko­hol­kon­sum Brust‑, Speiseröhren‑, Kopf- und Hals­krebs, Blut­hoch­druck und Vor­hof­flim­mern, eine schwere Herz­rhyth­mus­stö­rung, begüns­ti­gen kann – ein­schließ­lich Rot­wein.

In den US-ame­ri­ka­ni­schen Ernäh­rungs­richt­li­nien für die Jahre 2020 bis 2025 wird Erwach­se­nen emp­foh­len, ihren Alko­hol­kon­sum auf höchs­tens zwei Getränke pro Tag für Män­ner bzw. ein Getränk pro Tag für Frauen zu begren­zen. Die Leit­li­nien fügen hinzu: „Weni­ger Trin­ken ist bes­ser für die Gesund­heit als mehr Trin­ken.“ Die Leit­li­nien war­nen zudem, dass selbst ein Alko­hol­kon­sum inner­halb der emp­foh­le­nen Gren­zen das Gesamt­ri­siko für ver­schie­dene Todes­ur­sa­chen, ein­schließ­lich bestimm­ter Krebs­ar­ten und Herz­er­kran­kun­gen, erhö­hen kann – selbst bei weni­ger als einem Getränk pro Tag.

Im Januar die­ses Jah­res hat Kanada neue Richt­li­nien her­aus­ge­ge­ben. Diese war­nen davor, dass jeder Alko­hol­kon­sum gesund­heits­schäd­lich ist, und for­dern die Men­schen auf, ihren Alko­hol­kon­sum so weit wie mög­lich zu redu­zie­ren. Der neue Leit­fa­den des Cana­dian Centre on Sub­s­tance Use and Addic­tion unter­schei­det sich deut­lich von den Richt­li­nien aus dem Jahr 2011: Damals wurde Frauen emp­foh­len, nicht mehr als zehn und Män­nern nicht mehr als 15 Stan­dard­glä­ser pro Woche zu trin­ken.

Das ist eine schlechte Nach­richt für alle, die gerne trin­ken, um sich zu ent­span­nen. So beru­hi­gend es auch sein mag, zu glau­ben, dass Alko­hol gut für die Gesund­heit ist: Die Wis­sen­schaft bestä­tigt dies nicht. Umfang­rei­che neue For­schungs­er­geb­nisse zer­stö­ren die Hoff­nung vie­ler Men­schen, dass mäßi­ger Alko­hol­kon­sum gesund sei, und machen deut­lich, dass Men­schen kei­nen Alko­hol trin­ken soll­ten, um ihre Gesund­heit zu ver­bes­sern. Wenn dir deine Gesund­heit wich­tig ist, soll­test du dei­nen Alko­hol­kon­sum ein­schrän­ken – oder am bes­ten ganz dar­auf ver­zich­ten.

Andere Regio­nen des Hypo­tha­la­mus sen­den Axone zu einer kapil­lar­rei­chen Region ober­halb der Hypo­physe, die als mediane Emi­nenz bezeich­net wird. Wer­den diese Neu­ro­nen akti­viert, geben sie Hor­mone ins Blut ab. Diese Hor­mone wan­dern über lokale Blut­ge­fäße zum Hypo­phy­sen­vor­der­lap­pen, wo sie die Aus­schüt­tung eines zwei­ten, spe­zi­fi­schen Hor­mons aus­lö­sen oder hem­men.

Von den sie­ben Hor­mo­nen des Hypo­phy­sen­vor­der­lap­pens sind fünf tro­phi­sche Hor­mone. Sie wan­dern durch den Blut­kreis­lauf und sti­mu­lie­ren die Akti­vi­tät ver­schie­de­ner endo­kri­ner Drü­sen (Schild­drüse, Neben­nie­ren­rinde, Eier­stö­cke usw.) im gesam­ten Kör­per. Die bei­den ande­ren Hor­mone wir­ken auf nicht-endo­krine Gewebe. So regt das Wachs­tums­hor­mon das Wachs­tum von Kno­chen und Weich­tei­len an, wäh­rend das Pro­lak­tin die Milch­pro­duk­tion in den Brüs­ten sti­mu­liert. Die vom Hypo­phy­sen­vor­der­lap­pen frei­ge­setz­ten Hor­mone beein­flus­sen zahl­rei­che Lebens­aspekte, dar­un­ter Wachs­tum, Emo­tio­nen, den Zell­stoff­wech­sel, Hun­ger, Durst, Stress und die Fort­pflan­zungs­phy­sio­lo­gie.

Viele von der Hypo­physe und ihren endo­kri­nen Ziel­or­ga­nen pro­du­zierte Hor­mone wir­ken auf Rezep­to­ren im Gehirn und kön­nen somit die neu­ro­nale Funk­tion sowie die Tran­skrip­tion von Genen im Hypo­tha­la­mus beein­flus­sen. In der Folge setzt der Hypo­tha­la­mus weni­ger Hor­mone frei, wenn diese Schalt­kreise akti­viert sind. Mit­hilfe die­ser nega­ti­ven Rück­kopp­lungs­schlei­fen wird eine genaue Dosie­rung der Hor­mone im Kör­per­ge­webe ermög­licht und der Hor­mon­spie­gel eng regu­liert.

Sexu­al­hor­mone bin­den an Rezep­to­ren im Hypo­tha­la­mus und im Hypo­phy­sen­vor­der­lap­pen. Dadurch ver­än­dert sich die Frei­set­zung von Hypo­tha­la­mus- und Hypo­phy­sen­hor­mo­nen. Aller­dings regu­lie­ren die Sexu­al­hor­mone diese Rück­kopp­lungs­schlei­fen bei Män­nern und Frauen unter­schied­lich. Männ­li­che Sexu­al­hor­mone indu­zie­ren ein­fa­che nega­tive Rück­kopp­lungs­schlei­fen, wel­che die Aus­schüt­tung von GnRH, FSH und LH redu­zie­ren.

Das Zusam­men­spiel die­ser Hor­mone führt zu einem sich wie­der­ho­len­den GnRH-Impuls, der alle 90 Minu­ten sei­nen Höhe­punkt erreicht. Die­ses Auf und Ab hält den Tes­to­ste­ron­spie­gel im Kör­per­ge­webe rela­tiv kon­stant, sorgt für die Auf­recht­erhal­tung der Libido und gewähr­leis­tet, dass die Hoden täg­lich neue Sper­mien pro­du­zie­ren. Bei Frauen sind die Rück­kopp­lungs­mus­ter kom­ple­xer. Wäh­rend des meh­rere Monate andau­ern­den Mens­trua­ti­ons­zy­klus üben die weib­li­chen Sexu­al­hor­mone sowohl posi­tive als auch nega­tive Rück­kopp­lun­gen auf GnRH, FSH und LH aus.

Sind die Spie­gel der weib­li­chen Sexu­al­hor­mone Östro­gen und Pro­ges­te­ron nied­rig, lösen stei­gende FSH-Spie­gel die Eirei­fung und Östro­gen­pro­duk­tion aus. Stei­gende Östro­gen­spie­gel füh­ren zu einem Anstieg des LH-Spie­gels. Ein Anstieg der Spie­gel der weib­li­chen Geschlechts­hor­mone hat eine nega­tive Rück­kopp­lung auf die FSH-Sekre­tion zur Folge. Dadurch wird die Anzahl der pro Monat her­an­rei­fen­den Eizel­len begrenzt. Gleich­zei­tig erfolgt eine posi­tive Rück­kopp­lung auf LH, wodurch schließ­lich der LH-Schub aus­ge­löst wird, der den Eisprung aus­löst. Nach der Ovu­la­tion üben hohe Serum­spie­gel der Sexu­al­hor­mone wie­derum eine nega­tive Rück­kopp­lung auf GnRH, FSH und LH aus, wodurch die Akti­vi­tät der Eier­stö­cke redu­ziert wird. Die Spie­gel der Sexu­al­hor­mone sin­ken und der Zyklus kann von neuem begin­nen.

Viele andere Hor­mone wer­den nicht von der Hypo­physe regu­liert, son­dern von bestimm­ten Gewe­ben als Reak­tion auf phy­sio­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen aus­ge­schüt­tet. Zwar ent­hält das Gehirn Rezep­to­ren für viele die­ser Hor­mone, ihre Aus­schüt­tung wird jedoch im Gegen­satz zu den Hypo­phy­sen­hor­mo­nen nicht direkt regu­liert. Bin­den diese Hor­mone an Rezep­to­ren auf Neu­ro­nen, ver­än­dern sie die Leis­tung neu­ro­na­ler Schalt­kreise und bewir­ken Ver­hal­tens­än­de­run­gen, die homöo­sta­ti­sche Effekte haben. Ein Bei­spiel hier­für ist das Hor­mon­paar Lep­tin und Ghre­lin.

Die Hor­mone Lep­tin und Ghre­lin ver­än­dern das Ess­ver­hal­ten, indem sie die Nah­rungs­auf­nahme und den Ener­gie­haus­halt regu­lie­ren. Beide Hor­mone beein­flus­sen das Hun­ger­ge­fühl und wer­den als Reak­tion auf Ver­än­de­run­gen der inter­nen Ener­gie­spei­cher aus­ge­schüt­tet. Sie haben jedoch unter­schied­li­che Aus­wir­kun­gen auf die jewei­li­gen Kreis­läufe. Ghre­lin hält den Kör­per satt. Es wird von der Wand des Magen-Darm-Trakts frei­ge­setzt, wenn der Magen leer ist, und akti­viert den Hun­ger­kreis­lauf im Hypo­tha­la­mus. Dadurch wird die Nah­rungs­su­che sti­mu­liert.

Sobald der Magen voll ist, wird die Ghre­lin-Pro­duk­tion gestoppt, wodurch das Ver­lan­gen nach Nah­rung ver­rin­gert wird. Lep­tin hin­ge­gen hilft dabei, das Kör­per­ge­wicht in einem bestimm­ten Bereich zu hal­ten. Es wird von Fett­zel­len pro­du­ziert und frei­ge­setzt, wenn die Fett­spei­cher groß sind. Durch Bin­dung an Neu­ro­nen im Hypo­tha­la­mus unter­drückt Lep­tin die Akti­vi­tät der Hun­ger­schalt­kreise und redu­ziert das Ver­lan­gen zu essen. Wenn die Fett­re­ser­ven auf­ge­braucht sind, sinkt der Lep­tin­spie­gel. Das führt dazu, dass das Tier häu­fi­ger frisst und seine Fett­re­ser­ven wie­der auf­füllt.

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