Macht Schmei­che­lei nar­ziss­tisch?

Im Novem­ber 2025, auf dem Höhe­punkt der Ver­hand­lun­gen über das Schick­sal der Ukraine, wurde eine Tele­fon­auf­zeich­nung öffent­lich: Darin erklärte Steve Wit­koff, Donald Trumps Gesand­ter, sei­nem rus­si­schen Gegen­über, dass Wla­di­mir Putin dazu ermu­tigt wer­den müsse, dem ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten zu schmei­cheln, damit die Ver­hand­lun­gen erfolg­reich seien. Doch was pas­siert, wenn man einem Nar­ziss­ten schmei­chelt?

Um dies her­aus­zu­fin­den, befrag­ten die Psy­cho­lo­gen Mar­cin Zajen­kow­ski und Gil­les Gignac 364 Stu­die­rende (262 Frauen und 102 Män­ner) der Uni­ver­si­tät War­schau in Polen mit­hilfe ver­schie­de­ner Fra­ge­bö­gen, dar­un­ter ein Intel­li­genz­test. Anschlie­ßend teil­ten die For­scher die Teil­neh­men­den per Zufall in zwei Grup­pen ein und infor­mier­ten sie dar­über, dass der absol­vierte Test als sehr aus­sa­ge­kräf­ti­ges Intel­li­genz­maß gelte. Der ers­ten Gruppe wurde mit­ge­teilt, sie habe ein sehr hohes Ergeb­nis erzielt, was auf einen über­durch­schnitt­li­chen IQ hin­deute. Die andere Gruppe glaubte hin­ge­gen, ein sehr nied­ri­ges Ergeb­nis erzielt zu haben. Anschlie­ßend füll­ten alle Teil­neh­men­den Fra­ge­bö­gen aus, in denen sie ihre Intel­li­genz und ihren Nar­ziss­mus selbst ein­schät­zen soll­ten. Letz­te­rer wurde in den Fra­ge­bö­gen mit drei Kom­po­nen­ten in Ver­bin­dung gebracht: dem Gefühl der Ein­zig­ar­tig­keit (sich von ande­ren unter­schei­den, ein­zig­ar­tig sein), Grö­ßen­wahn (sich für bril­lant hal­ten) und dem Stre­ben nach Auf­merk­sam­keit durch Charme.

Die­je­ni­gen, deren Intel­li­genz gelobt wurde, neig­ten dazu, ihre Intel­li­genz zu über­schät­zen, und fühl­ten sich ein­zig­ar­ti­ger als die Gruppe, deren Intel­li­genz her­ab­ge­setzt wor­den war. Ohne wei­ter ins Detail zu gehen: Allein die Annahme, über oder unter dem Durch­schnitt zu lie­gen, beein­flusst die Selbst­ein­schät­zung der eige­nen Intel­li­genz sowie das eigene Nar­ziss­mus­ge­fühl. Für ihre Ori­gi­na­li­tät und die anre­gen­den Gedan­ken wurde die Stu­die mit dem Ig-Nobel­preis für Psy­cho­lo­gie aus­ge­zeich­net, einer Par­odie auf den renom­mier­ten Nobel­preis, des­sen Ziel es ist, „Men­schen zuerst zum Lachen und dann zum Nach­den­ken zu brin­gen“. Man sollte es sich also zwei­mal über­le­gen, bevor man jeman­den mit Lob über­schüt­tet. Und bevor man Putin rät, Trump zu schmei­cheln.

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