Noch eins mehr. Die Liste der schädlichen Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit wird jedes Jahr länger. Dazu zählen unter anderem mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein erhöhtes Epidemierisiko. Nun kommen auch noch neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern hinzu, die vor der Geburt und in den ersten Lebensmonaten starker Hitze ausgesetzt waren. Ein Team des Inserm, des CNRS und der Universität Grenoble-Alpes hat dazu eine Gruppe von 12.000 Müttern und ihren Kindern untersucht. Dabei wurden die Temperaturen, die während der Schwangerschaft und in den ersten beiden Lebensjahren des Kindes an dessen Wohnort gemessen wurden, mit dessen Sprachfähigkeiten im Alter von zwei Jahren verglichen. Diese sind ein Indikator für die kognitive Entwicklung.
Ergebnis: Bei einer durchschnittlichen Temperatur von über 21,9 °C sind die Sprachfähigkeiten des Kindes um 15 % geringer. Die Schäden sind besonders stark, wenn die Hitzewelle im zweiten Schwangerschaftstrimester oder in den ersten sieben Lebensmonaten des Kindes auftritt.
Dieser negative Effekt könnte dadurch erklärt werden, dass die Wärmeregulierung bei Schwangeren und Säuglingen nicht so gut funktioniert. Da sie Probleme damit haben, ihre Körpertemperatur konstant zu halten, sind sie empfindlicher gegenüber Temperaturschwankungen. Die Hitze könnte verschiedene neurobiologische Prozesse wie die Vermehrung, Differenzierung und Migration von Nervenzellen stören. Dieser Mechanismus wurde bereits bei Nagetieren und Fischen nachgewiesen.
Dies ist eine besonders schädliche Folge des Klimawandels. In den kommenden Jahrzehnten wird sich die Situation durch immer häufiger auftretende und intensivere Hitzewellen noch verschärfen. In diesem Zusammenhang wird nun und auch in Zukunft versucht, die Auswirkungen auf kommende Generationen abzuschätzen.
