Wenn die Nase stark läuft und Kopfschmerzen einsetzen, möchte man sich in der Regel am liebsten verkriechen und alle meiden. Doch warum ist das so? Sicherlich, weil man müde ist, aber nicht nur deshalb. Dieser Rückzugsreflex wird tatsächlich vom Gehirn gesteuert. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass Entzündungsmoleküle im Falle einer Infektion die Funktion bestimmter Hirnareale verändern, die unser Sozialverhalten regulieren.
Um dies genauer zu untersuchen, injizierten wir Mäusen ein Molekül, das die Auswirkungen einer bakteriellen Infektion imitiert. Anschließend beobachteten wir, dass sich die Nagetiere ähnlich wie Menschen von ihren Artgenossen distanzierten. Unsere Hypothese lautet, dass Zytokine, also Moleküle, die das Immunsystem im Falle einer Infektion freisetzt, für dieses soziale Rückzugsverhalten verantwortlich sind. Um dies zu überprüfen, injizierten wir den Mäusen daraufhin verschiedene Zytokine. Ergebnis: Eines davon, IL-1β, löste tatsächlich dieses Rückzugsverhalten aus.
Welche Wirkung hat dieses Molekül? Es bindet an Neuronen im Nucleus raphe dorsalis, einem Schlüsselbereich der sozialen Interaktion. Durch die Aktivierung dieser Neuronen löst es einen Isolationsreflex aus.
Dieser Effekt konnte nachgewiesen werden, indem die entsprechenden Neuronen mittels genetischer Modifikationsmethoden direkt aktiviert wurden. Die Tiere zogen sich daraufhin tatsächlich in eine Ecke zurück, fernab ihrer Artgenossen. Wurden dieselben Neuronen hingegen inaktiviert, mischten sich die Mäuse wieder unter die Gruppe – selbst wenn sie krank waren.
Wenn du dich also unter die Bettdecke kuschelst, kannst du deinem dorsalen Raphekern danken: Dieser Reflex hat vermutlich die Wirkung, die Ausbreitung des Virus in deiner Familie und darüber hinaus einzuschränken.
