Warum schmeckt Oran­gen­saft komisch, wenn man sich vor­her die Zähne geputzt hat?

Das ist ein Feh­ler, den man hof­fent­lich nur ein­mal begeht. In der mor­gend­li­chen Hek­tik putzt man sich schnell die Zähne und trinkt dann in der Küche ein gro­ßes Glas Oran­gen­saft. Igitt! Warum schmeckt mein fri­scher, min­zi­ger Mund so wider­lich, wenn er auf Oran­gen­saft trifft?

Kurz gesagt: Zahn­pasta ent­hält ein fett­lö­sen­des Rei­ni­gungs­mit­tel. Da deine Geschmacks­knos­pen teil­weise aus Fett bestehen, wer­den sie beim Zäh­ne­put­zen beein­träch­tigt. Bevor du nun beschließt, mit dem Zäh­ne­put­zen auf­zu­hö­ren, um deine Geschmacks­knos­pen zu scho­nen, soll­test du wis­sen, dass diese Beein­träch­ti­gung nur vor­über­ge­hend ist und nur wenige Minu­ten anhält. Zäh­ne­put­zen mit Zahn­pasta ist wei­ter­hin wich­tig für die Gesund­heit.

Doch wie kommt es zu die­ser Geschmacks­ver­än­de­rung? Wie funk­tio­nie­ren die Geschmacks­re­zep­to­ren, die sich über die gesamte Zun­gen­ober­flä­che ver­tei­len? Schauen wir uns die wis­sen­schaft­li­chen Hin­ter­gründe die­ses Phä­no­mens an.

Eine bit­ter­süße Sym­pho­nie

Dank der Evo­lu­tion ist unser Gehirn so pro­gram­miert, dass wir Süßes, das unser Kör­per und unser Gehirn als Ener­gie­quelle benö­ti­gen, lie­ben und Bit­te­res, das uns töten könnte, has­sen. Daher sind unsere Rezep­to­ren für diese bei­den Geschmacks­rich­tun­gen lebens­wich­tig.

Alle Zel­len dei­nes Kör­pers wer­den von einer äuße­ren Schicht, der Zell­mem­bran, zusam­men­ge­hal­ten. Sie besteht aus Fet­ten, den soge­nann­ten Lipi­den. In den für Süß- oder Bit­ter­ge­schmack zustän­di­gen Zel­len ent­hält die Zell­mem­bran zusätz­lich ein spe­zi­el­les Mole­kül: den G‑Pro­tein-gekop­pel­ten Rezep­tor (GPCR). Einige die­ser GPCRs sind dar­auf spe­zia­li­siert, süße Geschmacks­rich­tun­gen zu erken­nen. Sie blen­den alle nicht süßen Ver­bin­dun­gen aus und reagie­ren nur auf Zucker, den Ihr Kör­per ver­wer­ten kann. Andere GPCRs erken­nen bit­tere Geschmacks­rich­tun­gen und reagie­ren auf die Viel­zahl gif­ti­ger Ver­bin­dun­gen in der Natur. Sie fun­gie­ren somit als ein­ge­bau­tes Alarm­sys­tem.

Sal­zige Chips und saure Bon­bons

Die Wahr­neh­mung von sal­zig und sauer funk­tio­niert etwas anders. Diese Geschmacks­rich­tun­gen wer­den erkannt, wenn posi­tiv gela­dene Ionen, soge­nannte Kat­io­nen, durch win­zige Öff­nun­gen in der Zell­mem­bran der ent­spre­chen­den Rezep­to­ren gelan­gen. Im Falle von Salz ist das Kat­ion das posi­tiv gela­dene Natrium, das in Natri­um­chlo­rid, also gewöhn­li­chem Koch­salz, vor­kommt. Bei sau­ren Geschmacks­rich­tun­gen ist das Kat­ion ein posi­tiv gela­de­nes Was­ser­stof­fion. Obwohl ver­schie­dene Säu­ren unter­schied­li­che che­mi­sche Ver­bin­dun­gen ent­hal­ten kön­nen, haben sie alle eines gemein­sam: das Was­ser­stof­fion.

Beim Ver­zehr von Kar­tof­fel­chips pas­sie­ren die posi­tiv gela­de­nen Natri­um­io­nen des Sal­zes spe­zi­elle Öff­nun­gen in der Mem­bran eines Rezep­tors, wodurch der sal­zige Geschmack ent­steht. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Was­ser­stof­fio­nen in sau­ren Süßig­kei­ten. Sie pas­sie­ren andere spe­zi­elle Öff­nun­gen in der Mem­bran des Säu­re­re­zep­tors und sen­den ein „sauer“-Signal an das Gehirn.

Zahn­pasta und Oran­gen­saft

Oran­gen­saft, den viele gerne zum Früh­stück trin­ken, ist von Natur aus zucker­reich. Er ent­hält jedoch auch Zitro­nen­säure, die Was­ser­stof­fio­nen abgibt. Dadurch ergibt sich eine köst­li­che Kom­bi­na­tion aus Süße und leich­ter Säure. Wer sich jedoch vor dem Früh­stück die Zähne putzt, dem schmeckt der Oran­gen­saft plötz­lich scheuß­lich. Was hat sich geän­dert?

Es ist nicht nur so, dass Minze und Süßes nicht zusam­men­pas­sen. Zahn­pasta ent­hält das Ten­sid Natri­um­lau­ryl­sul­fat, das dabei hilft, Zahn­be­lag zu ent­fer­nen. Zahn­be­lag ist ein kleb­ri­ger Bak­te­ri­en­film, der Karies ver­ur­sa­chen und Mund­ge­ruch her­vor­ru­fen kann. Wer schon ein­mal Geschirr gespült hat, kennt das Prin­zip: Gibt man Spül­mit­tel in ein Spül­be­cken mit fet­ti­gem Was­ser, löst das Spül­mit­tel das Fett, sodass es sich leicht vom Geschirr abwi­schen und abspü­len lässt.

Es gibt jedoch noch eine andere Art von Fett in dei­nem Mund, die durch die Inhalts­stoffe in Zahn­pasta beein­träch­tigt wird: die Lipide in den Zell­mem­bra­nen dei­ner Geschmacks­re­zep­to­ren. Wenn du dir die Zähne putzt, wird diese Lipidschicht zer­stört und deine Geschmacks­wahr­neh­mung ver­än­dert sich vor­über­ge­hend.

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