Der pro­jek­tive Effekt von Bal­last­stof­fen auf die kogni­ti­ven Fähig­kei­ten

by admin

Eine bal­last­stoff­rei­che Ernäh­rung mit Voll­korn­pro­duk­ten, Obst, Hül­sen­früch­ten, Nüs­sen und Samen kann enorme Vor­teile für unse­ren Kör­per und unser Gehirn haben. Neu­este For­schungs­er­geb­nisse zei­gen, dass Bal­last­stoffe das Mikro­biom stär­ken und die Darm-Hirn-Achse beein­flus­sen. Letz­tere bezeich­net den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal zwi­schen Darm und Gehirn. Dadurch wer­den die Sym­ptome des kogni­ti­ven Abbaus ver­lang­samt.

Eine erhöhte Bal­last­stoff­zu­fuhr zählt zu den wir­kungs­volls­ten Ernäh­rungs­um­stel­lun­gen für die kogni­tive Gesund­heit. Ein Bal­last­stoff­man­gel gilt hin­ge­gen als einer der wich­tigs­ten ernäh­rungs­be­ding­ten Risi­ko­fak­to­ren für Gesund­heits­pro­bleme. Den­noch neh­men viele von uns nicht genü­gend Bal­last­stoffe zu sich. In den USA bei­spiels­weise essen 97 % der Män­ner und 90 % der Frauen nicht genü­gend Bal­last­stoffe, und in vie­len ande­ren Län­dern sieht es ähn­lich aus. Die meis­ten Men­schen neh­men weni­ger als die Hälfte der emp­foh­le­nen Tages­menge zu sich.

Warum sind Bal­last­stoffe eigent­lich so vor­teil­haft und wie kön­nen wir mehr davon zu uns neh­men?

Wie funk­tio­nie­ren Bal­last­stoffe?

Bal­last­stoffe sind Koh­len­hy­drate, die von den Ver­dau­ungs­en­zy­men nur schwer abge­baut wer­den kön­nen. Sie pas­sie­ren daher den Darm größ­ten­teils unver­än­dert.

Bal­last­stoffe erhö­hen das Stuhl­vo­lu­men. Sie sor­gen dafür, dass wir uns län­ger satt füh­len, und da sie lang­sam ver­daut wer­den, füh­ren sie zu einem lang­sa­me­ren Anstieg des Blut­zu­cker­spie­gels. Men­schen, die täg­lich mehr Voll­korn­pro­dukte essen, haben nach­weis­lich einen nied­ri­ge­ren BMI und weni­ger Bauch­fett als Men­schen, die raf­fi­nierte Getrei­de­pro­dukte essen.

Eine bal­last­stoff­rei­che Ernäh­rung kann die Lebens­er­war­tung ver­län­gern und sollte daher als essen­zi­el­ler Nähr­stoff betrach­tet wer­den.

Eine Stu­die ergab, dass Men­schen, die beson­ders viele Bal­last­stoffe zu sich nah­men, ein um 15 bis 30 % gerin­ge­res Ster­be­ri­siko auf­wie­sen als Men­schen, die nur wenige Bal­last­stoffe zu sich nah­men. Laut den For­schern liegt eine aus­rei­chende Bal­last­stoff­zu­fuhr bei etwa 30 g pro Tag und senkt das Risiko für koro­nare Herz­krank­hei­ten, Schlag­an­fälle, Typ-2-Dia­be­tes und Darm­krebs. Dies bedeu­tet 13 Todes­fälle weni­ger pro 1.000 Men­schen.

Die größ­ten Vor­teile zei­gen sich bei einer Bal­last­stoff­zu­fuhr von 25 bis 29 Gramm pro Tag. Um diese Menge zu errei­chen, kannst du Bal­last­stoffe in jede Mahl­zeit und jeden Snack inte­grie­ren, indem du zu jeder Mahl­zeit Obst und Gemüse isst. Eine Kar­tof­fel mit Schale und geba­ckene Boh­nen, gefolgt von einem Apfel, lie­fern bei­spiels­weise etwa 15,7 Gramm Bal­last­stoffe. Auch der Ver­zehr von Nüs­sen und Samen erhöht die Bal­last­stoff­zu­fuhr: Eine Hand­voll Nüsse (ca. 30 Gramm) ent­hält 3,8 Gramm Bal­last­stoffe.

Für diese Wir­kung ist die Bezie­hung zwi­schen Bal­last­stof­fen und dem Darm­mi­kro­biom ent­schei­dend. Wenn unsere Darm­bak­te­rien Bal­last­stoffe ver­dauen, ent­ste­hen nütz­li­che Neben­pro­dukte, dar­un­ter die kurz­ket­ti­gen Fett­säu­ren Ace­tat, Pro­pio­nat und Buty­rat. Diese Stoff­wech­sel­pro­dukte lie­fern wich­tige Ener­gie für die Zel­len und ste­hen im Zusam­men­hang mit einer signi­fi­kan­ten Sen­kung der Sterb­lich­keits­rate.

Wie Bal­last­stoffe das Gehirn schüt­zen

Eine bal­last­stoff­rei­che Ernäh­rung gilt inzwi­schen auch als beson­ders wich­tig für die Gesund­heit des Gehirns. Buty­rat, eine Fett­säure, trägt dem­nach dazu bei, die Darm­schleim­haut zu erhal­ten. Dadurch wird das Risiko ver­rin­gert, dass schäd­li­che Sub­stan­zen in den Blut­kreis­lauf gelan­gen und das Gehirn beein­träch­ti­gen.

Die Darm­flora kann des­halb die kogni­ti­ven Fähig­kei­ten ver­bes­sern. Je mehr Bal­last­stoffe du zu dir nimmst, desto mehr Buty­rat wird pro­du­ziert und desto bes­ser blei­ben deine kogni­ti­ven Fähig­kei­ten erhal­ten.

Eine im Jahr 2022 durch­ge­führte Stu­die mit über 3.700 Erwach­se­nen ergab, dass eine hohe Bal­last­stoff­zu­fuhr mit einem gerin­ge­ren Demenz­ri­siko ein­her­ging. Dies traf auf die­je­ni­gen Per­so­nen zu, die die meis­ten Bal­last­stoffe zu sich nah­men. Die­je­ni­gen mit der gerings­ten Bal­last­stoff­zu­fuhr wie­sen hin­ge­gen ein erhöh­tes Risiko auf. Eine wei­tere Stu­die mit über 60-jäh­ri­gen Erwach­se­nen zeigte bei­spiels­weise, dass Per­so­nen mit einer bal­last­stoff­rei­chen Ernäh­rung eine bes­sere kogni­tive Leis­tung erziel­ten.

Wäh­rend die oben genann­ten Ergeb­nisse ledig­lich Kor­re­la­tio­nen dar­stell­ten, konnte eine neuere, ran­do­mi­sierte Kon­troll­stu­die mit Zwil­lings­paa­ren einen kau­sa­len Zusam­men­hang zwi­schen Bal­last­stof­fen und Kogni­tion nach­wei­sen. Die Teil­neh­mer, die täg­lich ein prä­bio­ti­sches Bal­last­stoff­prä­pa­rat ein­nah­men, zeig­ten nach drei Mona­ten im Ver­gleich zur Pla­ce­bo­gruppe ver­bes­serte Ergeb­nisse in kogni­ti­ven Tests. Prä­bio­tika sind ein­fa­che Bal­last­stoffe, die das Wachs­tum nütz­li­cher Darm­bak­te­rien för­dern und als Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel ein­ge­nom­men wer­den kön­nen. Die Ana­lyse von Stuhl­pro­ben ergab, dass das Bal­last­stoff­prä­pa­rat das Darm­mi­kro­biom der Teil­neh­mer ver­än­derte und zu einem Anstieg nütz­li­cher Bak­te­rien, wie bei­spiels­weise Bifi­do­bak­te­rien, führte.

Das Poten­zial ist groß: Die Ernäh­rung kann die Gehirn­ge­sund­heit und das Gedächt­nis älte­rer Men­schen ver­bes­sern. Das Span­nende am Mikro­biom ist seine Form­bar­keit und die Tat­sa­che, dass bestimmte Mikro­ben posi­tiv mit der Gesund­heit in Ver­bin­dung ste­hen. Wie kön­nen wir also das Darm­mi­kro­biom am bes­ten nut­zen, um alters­be­dingte kogni­tive und kör­per­li­che Beein­träch­ti­gun­gen zu ver­rin­gern?

Stu­dien bele­gen, dass eine erhöhte Buty­rat­pro­duk­tion sich posi­tiv auf Depres­sio­nen, den Schlaf und die kogni­tive Leis­tungs­fä­hig­keit aus­wirkt. Buty­rat­pro­du­zie­rende Bak­te­rien wer­den mit einem höhe­ren Wohl­be­fin­den und einer Ver­rin­ge­rung psy­chi­scher Erkran­kun­gen in Ver­bin­dung gebracht. Dar­über hin­aus wurde bei Alz­hei­mer-Pati­en­ten fest­ge­stellt, dass sie höhere Kon­zen­tra­tio­nen ent­zün­dungs­för­dern­der Mar­ker in ihren Stuhl­pro­ben, eine gerin­gere Anzahl buty­rat­pro­du­zie­ren­der Bak­te­rien sowie ins­ge­samt einen nied­ri­ge­ren Buty­rat­spie­gel auf­wei­sen.

Wie man mehr Bal­last­stoffe zu sich nimmt

Stu­dien haben gezeigt, dass Men­schen, die ein lan­ges und gesun­des Leben füh­ren, eine viel­fäl­tige Darm­flora auf­wei­sen. Eine Ernäh­rung mit ver­schie­de­nen Bal­last­stoff­ar­ten trägt zu die­ser Viel­falt bei. Da es zahl­rei­che Quel­len gibt – dar­un­ter Nüsse, Obst und Gemüse –, ist es rela­tiv ein­fach, die Zufuhr zu erhö­hen

Mehr pflanz­li­che Lebens­mit­tel zu essen, ins­be­son­dere Hül­sen­früchte wie Erb­sen, Boh­nen und Lin­sen, die reich an Bal­last­stof­fen sind, ist ein nahe­lie­gen­der Schritt. Es gibt ein­fa­che Mög­lich­kei­ten, mehr Hül­sen­früchte in den Spei­se­plan zu inte­grie­ren, zum Bei­spiel Kicher­erb­sen aus der Dose in den Pfann­ku­chen­teig zu mischen oder Erb­sen zu Nudel­ge­rich­ten hin­zu­zu­fü­gen.

Eine wei­tere ein­fa­che Maß­nahme ist der Aus­tausch von Weiß­brot und ‑nudeln gegen Voll­korn­va­ri­an­ten. Wer den Geschmack von wei­ßen Nudeln bevor­zugt, kann beide Sor­ten mischen, ohne einen Unter­schied fest­zu­stel­len. Auch ein Voll­korn­müsli zum Früh­stück ist hilf­reich.

Der Ver­zehr von Pop­corn, Äpfeln, Samen und Nüs­sen als Zwi­schen­mahl­zeit erhöht die Bal­last­stoff­zu­fuhr, da ver­schie­dene Lebens­mit­tel unter­schied­li­che gesund­heit­li­che Wir­kun­gen haben. Bal­last­stoffe sind auch in Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln ent­hal­ten. Das ist beson­ders für Men­schen mit Kau- oder Schluck­be­schwer­den, wie sie bei­spiels­weise bei Par­kin­son-Pati­en­ten auf­tre­ten, hilf­reich.

Die Vor­teile von Bal­last­stof­fen sind so groß, dass eine Erhö­hung der Bal­last­stoff­zu­fuhr das Beste ist, was du für deine all­ge­meine Gesund­heit tun kannst.

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